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FRAUSTADT / WSCHOWA

Die Last des Dachstuhls der ehem. Ev. Kirche Kripplein Christi drückte über die Maße auf die Außenwände des Bauwerks, das ein bedeutsames Zentrum der Verbreitung des Protestantismus am nordöstlichen Rand Niederschlesiens gewesen ist. Die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz konnte 2015 helfen, die von dem Schiff-Dachstuhl ausgehende akute Gefahr für das Baudenkmal zu stoppen.

Die ehem. Ev. Kirche Kripplein Christi in Fraustadt (Wschowa) ist ein wertvolles Sakralbauwerk der ausgehenden Renaissance. Sie steht seit längerer Zeit leer und hat einen hohen Sanierungsbedarf. Was ihre künftige Nutzung angeht, so ist diese, trotz der Vorstellung, den Bau als kulturellen Veranstaltungsort und eine Art Erinnerungsstätte des Protestantismus im heutigen Polen zu nutzen, noch ungewiss. Die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) konnte der Stadt Fraustadt als der heutigen Eigentümerin des Baudenkmals im Herbst 2015 mit einer Zuwendung der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien zur Seite stehen, um als erstes den auf die Außenmauern drückenden Dachstuhl durch einen Stahl-Hilfsverband zu stabilisieren. Die mit der ehemalige Lateinschule zu ihrer Linken und der zum Kirchturm ausgebauten Bastei (sog. Polnisches Tor) zur Rechten ein reizvolles Denkmalensemble bildende ehemalige Ev. Kirche Kripplein Christi ist für das historische Erscheinungsbild der historischen Altstadt von Fraustadt unverzichtbar. Die DPS hofft, dass durch die 2015 geförderte statische Dachstuhlmaßnahme eine Initialzündung für eine grundlegende denkmalverträgliche Instandsetzung mit dem Ziel der Revitalisierung des bedeutsamen Kirchenbaues ausgelöst werden kann und ruft, da die Mittel der öffentlichen Hand bei weitem nicht ausreichen werden, zu Spenden für das Projekt an die Stiftung (Kontoverbindung: Deutsche Bank, IBAN: DE 80 8707 0024 0823 3660 00, BIC: DEUTDEDBCHE – Kennwort Kripplein Christi) für den nächsten Bauabschnitt auf, bei dem es um die zimmermannsmäßige Reparatur ds Schiffdachstuhls und um die Dachneueindeckung geht.

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Fraustadt / Wschowa ist die Kreisstadt des Powiat (Landkreis) Wschowski in der polnischen Woiwodschaft Lebus (Lubuskie) an deren östlichem Rand und damit an der Grenze zu den Woiwodschaften Niederschlesien (Dolny Śląsk) mit Glogau (Głogów) 27 Km südwestlich und Großpolen (Wielkopolska) mit Posen (Poznań) 92 Km nordöstlich. Die Hauptstadt der Woiwodschaft Lebus (Lubuskie) Zielona Góra liegt 82 Km nordwestlich. Zur Bedeutung der heute 21.000 Einwohner zählenden Stadt in der Vergangenheit trug ihre Lage bei zwischen Großpolen und Schlesien an der Handelsstraße, die von Sachsen (Lausitz) nach Polen (Posen) führte.

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Die Anfänge von Fraustadt (Wschowa) reichen bis in das Mittelalter zurück. Unbekannt ist das Gründungsdatum nach Magdeburger Recht. Vermutlich ist Fraustadt um die Mitte des 12. Jhs. entstanden, mit Sicherheit existierte es vor 1273. Im 14. Jh. wurde Fraustadt polnische Königsstadt und war fortan dem Landesherrn unmittelbar unterstellt. Dadurch erhielt sie zahlreiche Privilegien wie Zollfreiheit, das Recht des Salzverkaufs und der Abholzung von königlichen Wäldern sowie eine Münzstätte. Im 16. und 17. Jh. blühte die Stadt durch die starke Fortentwicklung des Tuch-, Leder-, Goldschmied- und Mühlgewerbes. Der damalige Reichtum der Stadt drückt sich heute in erhaltenen Baudenkmälern wie der Stadtpfarrkirche, Franziskanerkloster und –kirche, der ehem. Ev. Kirche Kripplein Christi, dem ehem. Friedhof, der Stadtmauer und Bürgerhäusern aus.

Im 16. Jahrhundert war Fraustadt ein bedeutendes Zentrum des Protestantismus. Die wichtigsten Vertreter des Luthertums waren hier die Pastoren Valerius Herberger (1562 – 1627) und Samuel Friedrich Lauterbach (1662 – 1728) und der Schriftsteller Schulleiter Christian Gryphius (1649 – 1706). Die Grenznähe, die vielen Beziehungen zu den deutschen Staaten und die schlesischen Wurzeln der Einwohner von Fraustadt waren die Hauptursache für die schnelle Verbreitung des neuen Glaubens im Grenzland zwischen Schlesien und Großpolen. Trotz Gegenreformation blieb Polen und damit das königliche Fraustadt tolerant und nahm protestantische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien, Ungarn, Tschechien, Deutschland und Einwanderer aus Holland auf. Nach Nutzung der Stadtpfarrkirche von 1555 – 1604 konnte die neue Ev. Kirche Kripplein Christi bezogen werden.

Verwüstung in Fraustadt verursachte im Nordischen Krieg 1706 eine in der Nähe geführte Schlacht der schwedischen und der sächsisch-russischen Armee. Nach der Schlacht war die Stadt zum Teil zerstört. Drei Jahre später raffte die Pest fast ein Drittel der Einwohner dahin.

Während der Herrschaft des Hauses Wettin in Polen (1697 – 1763 zunächst durch Kurfürst Friedrich August den Starken von Sachsen als August II. König von Polen, gefolgt von König August III. seinem Sohn und Thronfolger als Kurfürst) wurden in Fraustadt Sitzungen des Senats der Republik abgehalten. August der Starke war gezwungen gewesen, kriegsbedingt die Hauptstadt Warschau mehrmals zu verlassen, und er baute, um seiner Residenzpflicht in Polen nachkommen zu können, eine grenznahe polnische Stadt als zweite Hauptstadt aus: Fraustadt. Später kam mit gleicher Funktion auch noch Kargowa (Karge/ Unruhstadt) hinzu. Die beiden polnischen Könige aus Sachsen haben sich mehrere Male in Fraustadt aufgehalten. In den Jahren 1737 sowie 1755 wurde hier eine türkische Gesandtschaft empfangen. Dies wirkte sich positiv auf die Stadt aus, brachte ihr den Ruf der heimlichen Hauptstadt Polens ein und machte sie zu einem wichtigen Zentrum für Wirtschaft und Politik in Polen.

1793 kam Fraustadt an Preußen und wurde zu einem Garnisonstandort in der Provinz Posen. Unter anderen war hier Paul von Hindenburg stationiert. im 19. Jh. war Fraustadt nur mehr Provinzstadt. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Stadt in Deutschland. 1945 kam sie wieder an Polen. Die deutschen Einwohner flüchteten oder wurden ausgesiedelt. Dafür kamen polnische Umsiedler aus Oberschlesien und von jenseits des Bugs.

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Die Geschichte der ehem. Ev. Kirche Kripplein Christi wurde intensiv von der Direktorin des Museums Fraustadt Marta Małkus erforscht. Folgende Ausführungen sind überwiegend ihrem zu Papier gebrachten Vortrag über die Kripplein Christi Kirche im Dezember 2012 in Münster entnommen.

Eine erste Kirche entstand am heutigen Standort in der Zeit der Gegenreformation, als die Katholiken ihre von den Protestanten besetzte Stadtkirche offiziell zurückerhielten. Nach einer Sage waren durch Jesuitenintrigen an die Lutheraner Bedingungen für die Errichtung einer evangelischen Kirche geknüpft worden, wonach diese u.a. schnell errichtet werden musste. Die Bauzeit sollte 3 Monate nicht überschreiten dürfen, weder inmitten noch außerhalb der Stadt entstehen und weder einen Glockenturm mit runder noch quadratischer Form erhalten. Die Kirche Kripplein Christi erfüllte alle diese Bedingungen. Das Gebäude wurde zwischen zwei Stadtmauern neben dem Polnischen Tor (14./15. Jh.) platziert und dort aus zwei erworbenen Bürgerhäusern (im Besitz von George Schwan und Georg Mentzel) unter Einbeziehung der Befestigungsanlage erschaffen. Die Bauzeit soll 12 Wochen nicht überschrittenhaben, und als Glockenturm hatte man den Turm der ehemaligen Bastei umgestaltet.

Der hiesige Adel lieferte das Holz und war für den Transport zuständig. Die adeligen Wohltäter, die das Geld für das Holz spendeten, waren „Juncker Ernst von Seher, item der von Pribisch und Juncker Hans Kromme von Petersdorff, die Frau von Strunz nebst ihren drei jungen Herren, Frau Ursula von Kottwitzinn, Nicol. Dobrzizes Witwe und Frau Emerentiana Kottwitzinn, Hans Hases, sonst Radlitz hinterlassene Wittfrau“. Unter den Bürgern wurde als Wohltäterin die bescheidene Frau von Peter Stoltz erwähnt, die 8 Florin-Goldmünzen schenkte, dabei wollte sie anonym bleiben. Melchior Prüffer schenkte für den Bau von Kripplein-Christi 50 Polnische Mark – es handelte sich um eine Hypothekenforderung gegenüber Caspar Laubener. 1613 schenkte Abraham von Kottwitz, der Gutsherr von Gorczyno und Kowalewo, der Kirche 100 Gulden, der Schule 20, dem Pfarrer Herberger 50 und dem Diakon Timaeus 30 Gulden. Und bei einer Kollekte wurden als Finanzierungbeitrag 679 Mark, 22 Groschen, 5 ½ Pfennig gesammelt. Der erste wichtige Arbeitsabschnitt war im April 1606 beendet, damals stellte man eine Rechnung über 1883 Polnische Mark. Am 25. März 1605 spendierten zwei Bauern aus dem naheliegenden Ort Przyczyna Dolna Michael Hoffmann und Andreas Henning, den Abendmahlkelch. 1607 war die Aufbringung der Polychromie an der unteren Empore fertiggestellt.

Der außergewöhnliche Name der Kirche „Kripplein Christi“ verband die Tradition mit ihrem Entstehungszeitpunkt und mit dem Datum des ersten Gottesdiensts, der dort am 25. Dezember 1604 gefeiert wurde. Während seiner Predigt benannte Pfarrer Valerius Herberger das Gotteshaus. Die unvorteilhafte politische Lage, in der sich die Lutheraner befanden, war dem Pfarrer bewusst. Er umging daher den Begriff „Kirche“, um die Katholiken, denen am Vortag die Stadtpfarrkirche zurückgegeben ward, nicht zu verärgern. So gab er dem Bau den Namen „Kripplein Christi“. Fortan wurden die lutheranischen Bethäuser in Großpolen nach der Fraustädter Kirche „Kryple“ genannt. Die Namensgebung für die Kirche Kripplein Christi hatte für Herberger eine tiefe Bedeutung. Einerseits betonte er die rauen Lebensbedingungen und die schlechten finanziellen Bedingungen der Fraustädter Lutheraner, andererseits gab er dem Ort eine besondere Bedeutung, indem er an das erste Haus von Gottessohn erinnerte. Herberger bezog sich oft in seinen Predigten auf die Bedeutung der Jesuskrippe. Er erinnerte an die Gabe der Geburt Jesu und wollte, dass die Gläubigen beim Betreten des Gotteshauses durch dessen Namen Kripplein Christi noch näher an dem Ort sind, an dem Gottes Sohn geboren wurde. Nicht nur die Worte des Pfarrers erinnerten die Gläubigen an die Bedeutung der Kirche. Im Innenraum waren an für die Gläubigen sichtbaren Stellen Zitate angebracht, die sich auf die symbolische Bedeutung des Kirchennamens bezogen. Die Säulen, die die Decke trugen, waren ursprünglich mit lateinischen, griechischen und deutschen Aufschriften geschmückt, z.B.:

„Hast Du geweinet bitterlich,

Zum Kripplein Christi finde Dich;

Und waer´dein Herzleid noch so groß,

so wirst du hier des Kummers los.“

Oder:

„JESUS natus. Quis Puer hic? JESUS. Quid portat? Gaudia. Cuinam? Certe omni populo Xenia tanta dabit.” (Jesus wurde geboren. Wer ist dieses Kind? Jesus. Was bringt er? Freude. Wem? Wirklich dem ganzen Volk als Geschenk und die Bekehrung der Seelen).F. Ledderhose liefert in seinem 1851 in Bielefeld erschienenen Buch mit dem Titel „Leben Valerius Herberger`s Predigers am Kripplein Christi zu Fraustadt in Polen“ auf Seite 35 mit einem Zitat von Herberger als weitere Erklärung des Namens Kripplein Christi: „Unser Trostbrunnen oder Gotteshaus wird genannt Kripplein Christi darum, dass die erste Messe am Christtage Anno 1605 darinnen gefunden und dabei gepredigt worden wie Christus im harten Kripplein zu Bethlehem gelegen, damit wir möchten im Himmel kommen und dass wir zur Dankbarkeit sollen den Herrn Jesum im Kripplein lassen unsers Herzens liegen, und mit Andacht singen:

„Ach, mein herzliebes Jesulein,

Mach dir ein rein, sanft Bettlein,

Zu ruhen in meins Herzens Schrein,

Daß ich nimmer vergesse dein.

Fürwahr, wenn wir an dem Ort zusammenkommen, so ist uns so wohl, als dem Hieronymus, der bei dem Kripplein Christi zu Bethlehem wollte ersterben.“

In der Fraustädter evangelischen Kirche herrschte zur Erbauungszeit eine gemütliche intime Atmosphäre. Der Forscher protestantischer Kunst Jan Harasimowicz betont, dass die Kirchen, die aus der Zeit der großen religiösen Wandlungen stammen, eher „Wohnräume des Gottes-Menschen“ als „Paläste des Himmelskönigs“ gewesen sind. Diese Idee wurde auch in Fraustadt verwirklicht. Zweifellos war sie von der Eile beeinflusst, in der die Kirche errichtet wurde. Die Fraustädter Lutheraner begannen den Bau zu nutzen obwohl er noch nicht fertig eingerichtet war. Die Gläubigen wollten ihr neues Gotteshaus dekorieren und brachten von zuhause Teppiche und Leuchter mit, um in einer solchen eher häuslichen Atmosphäre die ersten Gottesdienste wahrzunehmen.

Nach Pfarrer Lauterbach war Hans Grantz der Baumeister der Kirche. Er war kaum bekannt und kam aus dem naheliegenden Röhrsdorf. Er führte auch den Umbau von zwei Gebäuden zu einem Kircheninnenraum durch. Er trug die Trennwände sowie den Boden der der höheren Etagen, ab. Überlieferungen zum Aussehen des Erstbaues sind dürftig. Der Innenraum der ersten Kirche, aus der Zeit von Herberger war so eingerichtet, dass alle bequem das Wort Gottes hören konnten. Von zwei Seiten führten rund um die Wände drei Emporenebenen, eine über die andere. Hinter dem Altar, gegenüber von Chor gab es auch Sitzplätze. Lauterbach erinnert auch an das „adliches Frauenzimmer“ also einen Platz für die adeligen Frauen.

Die Lage von Fraustadt in der Nähe von Schlesien war die Ursache dafür, dass Kripplein Christi in der ersten Hälfte des 17. Jhs. ein Ort war, an den auch die Gläubigen aus den nahegelegenen Orten hinter der Grenze kamen, die Trost und einen sicheren Gebetsort suchten. Der Bau fasste mit seinen drei Emporen zweitausend Personen. Schon während des ersten Gottesdiensts in der Fraustädter Kripplein Christi Kirche wurden Kinder getauft und das Abendmahl gefeiert. Auf diese Weise heiligte man das neue Gotteshaus durch die Anwesenheit des Wortes und des Sakraments. Ein Jahr später spendete der Apotheker Christoph Nesselhauf ein Taufbecken. Es stand ursprünglich in einer „verschlossenen Ecke“ unter dem Chor. 1616 wurde es jedoch von Pfarrer Herberger unter dem Altar aufgestellt. Dadurch wurden Rang und Bedeutung der Taufe unterstrichen.

Über das Aussehen des ersten Altars und sein ikonografisches Programm ist nichts bekannt. In den Chroniken wurde lediglich der Vor-und Nachname des Bürgers eingetragen, der die Hälfte der Baukosten für den Altar trug. Es war der ziemlich unbekannte Laurentius Wicher. Ein neuer Altar entstand 1607. In dem Jahr wurden auch die erste Predigt gehalten, die Orgel und die Glocken angeschafft und die alte Lateinschule nebenan an die Kirchengemeinde übertragen. Der Kauf der Ausstattungsstücke wurde mit den Geldern aus der Kollekte finanziert. Aus einer anderen Quelle ist es bekannt, dass der Altar ein Geschenk der Müller war. Zeitgleich mit dem Altar taucht im Kircheninnenraum eine vom Kürschnerhandwerk gespendete Kanzel auf. Ihre Anordnung an einer Säule interpretierte Pfarrer Herberger als Geißelsäule, an der Christus auf Befehl von Pontius Pilatus angebunden war. Im gleichen Jahr wurde die Polychromie der unteren Emporen vollendet.

Die Kripplein Christi Kirche fiel 1644 und 1685 einem Brand zum Opfer. Man weiß, dass das ursprüngliche Aussehen des Innenraums mit drei Emporen und der von drei Säulen gestützten Decke nach den Bränden in gleicher Art wiedergestellt wurde. Die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen brachten, dass der Erstbau kleiner war als jener, der nach dem Brand 1685 entstand. Nach den Berichten des Chronisten Hoffmann wurde der Ausbau der Kirche zwischen den Gottesdiensten fortgeführt. Nach jedem Wiederaufbau der Kirche stand die Kanzel immer an der ersten Säule im Ostteil der Kirche, neben Altar und Taufbecken.

Wir wissen, dass in der zweiten Kirche, die nach 1644 wiederaufgebaut wurde, die Emporen und die Decke mit Polychromie dekoriert wurden, die biblischen Themen abbildete („Zuletzt ward die gantze Kirche von oben bis unten mit schönen Biblischen Figuren ausgemahlet […]“). Der gewissenhafte Chronist erinnert sich, dass die Witwen Helena Wiesemuthin und Rosina Holekinn die Malerarbeiten finanzierten, die mit dem Gesangschor anfangen sollten. Pfarrer Lauterbach führte bei der Beschreibung der Einrichtung der zweiten Kirche, die Erinnerung an seinen Vater, an. Die Erinnerung betrifft die Existenz der Namenaufschrift auf der Polychromie: „Welches er ihm zu Nutz machte, dass sein Name einmahl im Himmel, und das anderemahl auf Erden, Kripplein-Christi, angeschreiben sei.“

Der erste Holzaltar verbrannte 1644 vollständig zusammen mit dem restlichen Inventar. Die danach schnell wiederaufgebaute Kirche wurde von den Chronisten als schöner und teurer beschrieben und knüpfte im Inneren an die Einrichtung des Baues von 1604 an. Der Goldschmied Martin Arnold schuf den neuen Altar und spendete dessen Rahmen zusammen mit seiner Frau. Den Quellen ist nicht zu entnehmen, aus welchem Material dieser Altar beschaffen war. Es liegt nahe, dass es sich um eine Schöpfung der Goldschmiedekunst gehandelt hat, zumal auch Fraustadt in der zweiten Hälfte des 17. Jhs. ein bedeutendes Goldschmiedezentrum in Polen war. Der erste Gottesdienst – er wurde auch Goldener Sonntag genannt – mit dem neuen Altar fand 1647 statt.

Einer der Faktoren, die den Innenraum, im 17. Jahrhundert, der protestantischer Kirche von der katholischen Kirche unterschieden, waren die vielen Sitzbänke, die sowohl auf dem Boden als auch auf den Emporen standen.

Auch in der zweiten Kirche, die nach 1644 wiederaufgebaut wurde, tauchten Barockgedenktafeln auf. Prächtig sah das Porträt von Georg Schramm aus (verst. 1674). Es war eine ganzgestaltige Darstellung des Verstorbenen, die mit der Inschrift in den goldenen Buchstaben dekoriert wurde. Den eschatologischen Charakter verstärkte das neben der Orgel aufgehängte Gemälde, das die Szene des Jüngsten Gericht darstellte.

Die Freude der Fraustädter Bürger über das neue Bethaus währte nicht lange. Der weitere Brand, der sich am 10. Mai 1685 entfachte, vernichtete den Innenraum aufs Neue und das Dach. Nur die soliden Mauern blieben erhalten. Bereits drei Monate später war die Kirche weitgehend wiederhergestellt und unter Dach. Die Abstützung der Flachdecke mit drei Freisäulen blieb beibehalten. Jedoch hat man den Bau nach Westen erweitert, was einen Giebelab- und Wiederaufbau mit sich brachte. Nach dieser Erweiterung war das vergrößerte Dach mit 8.440 Ziegeln gedeckt. Die Emporen bildeten nach dem Brand 1685 die Ausstattung, sie blieben bis heute erhalten.

Dank vieler Spender u.a. auch aus Danzig und Breslau konnte der Innenraum wiederum schnell bereichert werden. Zu den spendablen Wohltätern zählen die Brüder Lamprecht, die aus einer vermögenden und geschätzten Familie der Bürger der königlichen Fraustadt stammten. Sie ließen den vergoldeten Altar und die Kanzel bauen. Die erste Predigt am neuen Altar wurde am Sonntag 03. August 1688 gehalten. Dieser schon dritte Altar in der Geschichte von Kripplein-Christi ist aus den ikonografischen Materialien aus der Vorkriegszeit bekannt. Seine einzelnen Elemente blieben bis heute erhalten. In der unmittelbaren Nachbarschaft des Altars sowohl in der ersten als auch in der zweiten Kirche befand sich die Kanzel, die erst 1690 fertiggestellt wurde. Sie stand immer an der ersten Säule im östlichen Teil der Kirche neben dem Altar und Taufbecken. Die Dekoration der barocken Kanzel bildeten zwei Kerzenständer, die von den Breslauer Kaufleuten zu Weihnachten 1668 gestiftet wurden.

Das Taufbecken vervollständigte die Ordnung des „liturgischen Dreiklangs“. In der Fraustädter Kripplein-Christi Kirche wurde es, gespendet 1691 von Friedrich Renfftel (Inhaber des Bergbaus in Olkusz), unmittelbar vor dem Altar platziert. Luther hatte besonders auf den öffentlichen Charakter der Aufnahmezeremonie der neuen Mitglieder in die Glaubensgemeinschaft geachtet und auf die Notwendigkeit, dass alle Teilnehmer sie verstehen. Pfarrer Herberger betonte ähnlich wie Luther den öffentlichen Charakter des Taufsakraments. Er arbeitete 20 Punkte aus, die detailliert den Verlauf und die Bedeutung der Zeremonie erklären. Die öffentliche Taufezeremonie war reich an symbolischen Tätigkeiten und bot auch eine Gelegenheit, um die Glaubensidentität der Gemeinde zu bestätigen. Es war auch eine Manifestation des Leugnens der anabaptistischen Praktiken. Auf diese Weise wurde das Taufbecken wegen der pädagogisch-moralischen Aspekte zu einem wichtigen Element der Innenraumausstattung der lutherischen Kirche. Es vervollständigte die Ordnung des „liturgischen Dreiklangs“.

Das ikonografische Programm des Altars, der Kanzel und des Taufbeckens zeigte bildhaft den Weg zum Erreichen der Erlösung. Valerius Herberger nannte das neue Bethaus herrlichen Ort, Gotteshaus, Himmelstor also Kripplein-Christi. Das Gotteshaus nahm die Ausmaße eines Asyls, des Symbols der Unabhängigkeit und der Lebenskraft der Konfession, eines Zeichens der Einheit aller Bekenner des Evangeliums an. Auf diese Weise behandelten wahrscheinlich die Fraustädter Lutheraner ihre ungewöhnliche zwischen Stadtmauer und -graben errichtete Kirche.

Die Bindung zu Kripplein-Christi wurde durch die vielen Stiftungstafeln, die die Kirche schmückten sowie die dort gehaltene Liturgie, verstärkt. Der Fraustädter Tobias Rösner stiftete ein seidiges Altartuch mit einem Blumenmotiv. 1704 stiftete Johann Friedrich Schultz ein neues Altartuch in silbernen Farbton und Georg Bencke stiftete ein dekoratives Tuch mit der Darstellung der Geburt Jesu, Passion, des Todes, der Auferstehung, der Himmelfahrt sowie den Namen der Pfarrer, Ratsherren, der Kirchenvätern.

Das Geschenk, das von den Fraustädter Chronisten oft erwähnt wurde, war ein hängender Messingkerzenleuchter mit dem Durchmesser von 150 cm, der von der Familie von Schaff aus Breslau 1685, gestiftet wurde. Anna Regina Schaff, Geburtsname Jonston war die Enkelin des berühmten Fraustädter Arztes Matthaus Vechner, des Sohns des Bürgermeisters Fabian Fechner. Er war einer der ersten „Kirchenväter“. Dank der Zeichnung, die im Vorkriegsverzeichnis von Julius Kothe veröffentlicht wurde, sowie den Beschreibungen der charakteristischen Details (der Löwenkopf, der zweiköpfige Adler) konnte man diesen kostbaren Leuchter wieder finden, der nach 1945 in die Pfarrkirche im Ort Lysiny in der Nähe von Fraustadt gebracht wurde. Es war nicht der einzige Kerzenleuchter, der der Kirche gestiftet wurde: 1703 bekam die Kirche einen Kerzenständer, der mit der Darstellung des auf dem Löwen sitzenden Jupiters dekoriert wurde, und die Schusterzeche stiftete 1755 einen hängenden Kerzenleuchter mit zwei Reihen für sechs Kerzen, der mit der Figur des Moses, der sich die Schuhe auszog, geschmückt wurde. Vier Jahre später platzierte man in der Kanzel eine Sanduhr, die in eine Halterung aus getriebenem Silber montiert wurde.

Die Bürger stifteten auch Kunstgegenstände, die in den hiesigen Goldschmied- und Gießereiwerkstätten sowie in den schlesischen und deutschen Städten hergestellt wurden: Nürnberg (der Goldschmied Michel Müller), Augsburg (Meister HP Abraham Drentwet JG.), Breslau (Meister M). Sie wurden in der Sakristei aufbewahrt, die sich neben dem Altar befand.

Neben den charakteristischen Ausstattungsmerkmalen der protestantischen Kirche (die Ordnung des Altars, der Kanzel, des Taufbeckens, die Platzierung der Chorgestühle und Emporen), die die Identität der Fraustädter Lutheraner verstärkten, wurden im Raum der Kripplein-Christi Kirche die Andenken, die an die verstobenen Gemeindemitglieder erinnerten, aufbewahrt. Obwohl viele Gläubigen dem Beispiel des Valerius Herberger folgten, der sich auf dem Friedhof außerhalb der Kirchenmauer neben seinen „Schäfchen“ bestatten ließ, fanden in der Kripplein-Christi die Bestattungen statt.

In den Innenräumen der Kripplein-Christi, die nach 1685 wiederaufgebaut wurde, befanden sich auch die Gedenktafeln, die an den Bürgermeister Frantz Teupitz und seine Ehefrau Dorothea geboren Chwalkowska, Anna Susanne Bergmann geboren Renfftel (1662-1685), die Ehefrau von Matthias Bergmann, Buchhändler Johann Cundisius (verst. 1700) und seine Ehefrau Rosina geboren Klettinn, erinnerten.

Unter der Bibliothek wurde ein Denkmal für Karl Ludewig von Osten, der Sacken genannt und der in der Schlacht bei Fraustadt am 13.02.1796 gefallen war. Er wurde in Kripplein-Christi Kirche in einer extra für ihn errichteten Krypta beigesetzt. An den Oberst erinnerte die dekorative Gedenktafel mit einem ovalen Porträt, das auf Blech gemalt wurde, in einer reichen aus Holz geschnitzten Fassung mit Panoplien, der Wappenkartusche und zwei Putten. Eine Inschrift besagte: „Mein Wanderer stehe still, und laß die/ Thränen fließen,/ Denn unter diesem Stein, liegt hier zu/ deinen Füssen,/Der Wenl. Hoch und Wohlgebohrne Herr/Herr Carl Ludewig von der Osten/ genandt Sacken, Gr. Königl. Maj. In Pohlen und/ Churfürstl. Durchl. zu Sachsen,Hoch=/bestellter Obrister, über ein Re=/giment Infanterie./ Er war geboren in Churland, suchte aber seiner/ vornehmen Geburt durch Helden=müthige/ Tugenden einen grossen Glantz zu/ geben,/ Welche er in vielen gefährlichen Schlachten/ adern zu einem kräfftigen Benspiel/ und Nachfolge erwiesen, biß er/ endlich in dem unglückseeligen/ Treffen ben Frauenstadt/ den 13. Febr. A. 1706/ sein tapferes Leben, wiewohl mit grossem Ruhm/ und Ehren, und vielen Wunden eingebüs=/set, seines Alters 38. Jahr und 6./Monate./Geh Wanderer nu fort, und dencke diß/daben,/Daß sein Gedächtniß doch im Grab un=/sterblich sen.“

Die Arbeiten der Innenraumausstattung wurden 1782 beendet. Sie wurden von dem Maler aus Glogau Peter Löffter und Jeremias Höltzei aus dem Ort Smigle durchgeführt.

Im Kircheninnenraum befanden sich zahlreiche Pfarrerporträts, die von ihrer mehrere Hundert Jahre alten Geschichte, zeugten. Sie waren vor allem ein Ausdruck der seelsorgerlichen Arbeit des Klerus, der aus dem örtlichen Bürgertum stammte. Eine stilistisch einheitliche Komposition ist charakteristisch für die Pfarrerporträts, die dereinst in der Kirche Kripplein Christi hingen: In der Mitte des rechtseckigen Feldes befindet sich ein Tondo mit dem Abbild des Pfarrers, am Rand die lateinische Inschrift, die den Verstorbenen vorstellt. Unter dem runden Konterfrei ist eine zusätzliche Inschrift anzutreffen, die das Todesdatum und in mehreren Fällen auch die Todesursache beinhaltet. Von diesem Kompositionsschema unterscheidet sich nur das Sargporträt des Pfarrers Samuel Friedrich Lauterbach. Seit 1962 befindet sich dieses Exponat im Bezirksmuseum in Lissa. Der Geistliche wurde porträtiert und bestattet nach den Sitten des polnischen Adels. Es ist das einzige Beispiel des Sargporträts eines evangelischen Pastors bürgerlicher Abstammung. Die Einzigartigkeit bestätigt seine Anwesenheit in den Prestigeausstellungen in Polen und Europa.

Der Standort des Taufbeckens wurde in der Hälfte des 19. Jahrhunderts verändert. Es rückte aus der zentralen Lage nach links, stand aber weiterhin in der Nähe des Altars und gegenüber der Kanzel. Die Tradition des Totengedenkens und des Gedenkens an die Kriegsgefallenen wurde bis zum 20. Jahrhundert fortgeführt. Eine Gedenktafel an der Nordseite des Glockenturms und fragmentarische Spuren eines Denkmals wahrscheinlich für die während des Ersten Weltkriegs gefallenen Soldaten blieben erhalten. Es handelt sich wahrscheinlich um die Gedenktafel, die den in China 1904 sowie in Südafrika 1905 gefallenen Soldaten gewidmet wurde.

1945 wurde das Ende der sakralen Nutzung der Kirche Kripplein Christi besiegelt. Mit dem Kriegsende wurden die Lutheraner aus Fraustadt vertrieben und Kripplein Christi diente fortan bis in die 1970er Jahre der Fraustädter Handwerkergesellschaft als Lager.

Die Einrichtung von Kripplein-Christi wurde nach 1945 verstreut. Glücklicherweise, nach sechzig Jahren, kehrten die ausgewählten Teile des Altars und der Kanzel, in die Fraustadt zurück, die von den Brüder Lamprecht spendiert wurden. Sie wurden in der Ausstellung „Die protestantischen Begräbnisrituale im 17. Jahrhundert in Fraustadt“ gezeigt. Heute werden sie im Fraustädter Landesmuseum aufbewahrt. Der Altar wurde dann nach 1948 zusammen mit der Kanzel nach Danzig gebracht. Beides tauchte dort auf dem Dachboden des Turms der St. Bartholomäuskirche wieder auf. Erst 2007 wurden diese Prinzipalstücke, dank der Bemühungen des Woiwodschaftsamtes für Denkmalschutz in Danzig und Grünberg, identifiziert. Unter den Elementen der damaligen Altarausstattung der lutheranischen altstädtischen Fraustädter Kirche befanden sich u. a.: die Hauptszene – ein polychromes Relief, das das Letzte Abendmahl zeigte samt Rahmen und die Dekorationselemente der Bekrönung: Vasen, die Figuren von Maria und Johannes von der Kreuzigungsgruppe und die Skulptur des auferstandenen Christus. In die Fraustadt zurück kehrten auch acht polychrome Apostelfiguren, die ursprünglich die Altarhaube dekorierten, sowie zwei hölzerne Stiftungstafeln. Eine der beiden Tafeln erinnerte an zwei der vier Lamprecht-Brüder, die Stifter des Altars und der Kanzel: Casper und Balthazar. Wieder bekam man auch die hölzernen Epitaphe, die an die Fraustädter Bürger erinnerten.

Am 27. September 1951 wurde die Kirche Kripplein Christi unter der Nummer 27 durch Beschluss des Denkmalamts der Woiwodschaft Lebus in das Denkmal-Register eingetragen. In den 1970er Jahren wurde der Versuch unternommen die ehemalige Kirche Kripplein Christi dem kulturellen Raum der Stadt wiederzugeben. Im Jahre 1979 wurden die ersten archäologischen Untersuchungen im Innenraum der Kirche durchgeführt.

Im Jahr 2004 jährte sich der 400 Jahrestag der Gründung der Kripplein-Christi Kirche in Fraustadt. Gemäß der Entscheidung des Woiwoden von Lebus vom 26 Januar 2004 wurde das Grundstück mit dem Gebäude der ehemaligen Kirche mit Glockenturm und Anbau (ehemalige Bibliothek) von der Woiwodschaft an die Stadt Fraustadt entgeltlos übergeben. Die Bibliothek wurde im Dokument fälschlicherweise als Pfarrhaus bezeichnet. Wie vor 400 Jahren wurde Kripplein-Christi wieder das Eigentum der Stadt. Zum Jubiläum des Bethauses wurde im September 2004 eine deutsch-polnische Tagung unter dem Titel „Die protestantische Vergangenheit von Fraustadt“, organisiert. Während der Tagung wurden Materialien vorgestellt, mit denen der kulturelle und gesellschaftliche Kontext von Fraustadt sowie die hervorragenden Persönlichkeiten, die mit der Stadt verbunden waren, gewürdigt wurden. Dabei blieben die Fragen zu Architektur und Kunst der Kripplein-Christi Kirche weiterhin offen.

2004 wurde von dem Ingenieurbüro Peter Mikołajczak aus Lissa (Leszno) eine konstruktive Notsicherung des Kircheninnenraums vorgenommen, mittels aussteifender riesiger Diagonal-Traversen in Holz. Kostbares Wissen zu den in der Kirche durchgeführten Bestattungen brachten auch die archäologischen Untersuchungen 2004-2005. Während der Untersuchungen legte man den Untergrund der Kirche frei. Die kostbarste Entdeckung war in unmittelbarer Nähe zu dem Standort, an dem der Altar gestanden hatte, das Wiederfinden der Gruft mit Ausstattung der Grabstätte der Zofia Radomicka geborene Ujejska (verst. 1628), Ehefrau des Fraustädter Landrats (Gouverneur) Hieronim Radomicki. Der Sarg der Verstorbenen war mit kunstvollem Dekorschmuck verziert. Am Sargdeckel war eine Inschrifttafel mit Kruzifix angebracht, und sechs Schmuckmedaillons an den Seitenwänden präsentierten das heraldische Programm der Familie der Adelsfrau. Erwähnenswert ist, dass der Landrat Hieronim Radomicki, der selber katholisch war, die Lebensbedingungen für die Lutheraner aus Schlesien schuf, die während des Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) eine Bleibe in Fraustadt suchten. 1633 gründete er die Stadt Nowa Wschowa für sie.

Bei den Ausgrabungsarbeiten 2004-2005 wurden auch rund 10 Grabplatten aus 16. bis 19. Jahrhundert freigelegt. Sie sind wahrscheinlich im 19. Jahrhundert als Fußbodenbelag der Kirche umfunktioniert worden. Im Juli 2005 wurden sie in ein Lapidarium verbracht. Eine der Grabplatten – Epitaph mit Kindergestalt (16. Jh.), wurde im 19. Jahrhundert als Inschrifttafel wiederverwendet. Darauf befand sich die Inschrift: Was uns die Vater erbeutet/ In Glaube und Liebe/ Bewahren leisset´s uns fromm,/, Würdig ihrer zu sein./ 1530. 1552. 1604. 1644. 1685. 1822. Bei der „Veränderung“ der Epitaphplatte wurden der untere Plattenteil (die Füße der Gestalt) abgebrochen und die am höchsten herausragenden Kleidungsfalten und die Hände abgeschlagen.

Aus heutiger Sicht ist die Liste der bis 1958 erhalten gebliebenen Porträts der Kripplein-Christi Pfarrer sehr kostbar und wurde im „Katalog der Kunstdenkmäler in Polen“ veröffentlicht. Aufmerksam auf sie machte Marian Orlowicz in einem beliebten Großpolen-Reiseführer. Bei der Kirchenbeschreibung betonte er, dass es in der Kirche zahlreiche Pfarrerporträts gibt (M. Orlowicz, „Illustrierter Posenreiseführer“, Lemberg-Warschau 1921, S. 178). Von den 22 Porträts der Pfarrer und Diakonen sind nur 9 Bilder überkommen und heute Bestandteil der Sammlung des Fraustädter Landesmuseums. Dank Pfarrer Dr. Wlodzimerz Nast und des Kirchenkollegiums übergab die Evangelisch-Augsburgische Gemeinde der Heiligen Dreifaltigkeit in Warschau kostenlos sieben Porträts am 23. Oktober 2006 an das Fraustädter Landesmuseum. Der Prozess zur Wiedererlangung der Porträts begann 2006 und wurde 2007 erfolgreich für das Fraustädter Landesmuseum beendet.

2010 wurde ein weiterer Versuch unternommen die  Untersuchungsergebnisse  über die außergewöhnliche Kirche Kripplein Christi vor dem Hintergrund des Konfessionalisierungsprozesses in Mitteleuropa zu sammeln. Im Oktober dieses Jahres wurde auf Initiative des Vereins Kultur der Fraustädter Landes sowie des Instituts der Kunst der Renaissance und der Reformation an der Breslauer Universität zusammen mit der „Polnischen Gesellschaft Zur Wissenschaftlichen Untersuchung der Reformation“ die wissenschaftliche Tagung „Kripplein-Christi Kirche in Fraustadt vor dem Hintergrund des Konfessionalisierungsprozesses in den Ländern Mitteleuropas am Ende des 16. Jahrhunderts und Anfangs des 17. Jahrhunderts“ veranstaltet. Dieses Mal gelang es, die monografischen Materialien über die Geschichte des Bethauses selbst, ihrer Ausstattung, Einrichtung, Glocken und Orgel zu sammeln. Natürlich schöpfen die gesammelten Artikel nicht das Wissen über die Kripplein-Christi Kirche aus. Sie erlauben jedoch ihre große Bedeutung in der lutheranischen Architekturgeschichte und der Geschichte des Luthertums im schlesisch-großpolnischen Grenzgebiet zu erkennen.

Die bekannte Bibliothek neben der Kirche entstand in den 1640er Jahren aufgrund einer Testamentsverfügung des Enkels von Pfarrer Herberger, Valerius Herberger (1618-1641) und ebenso die evangelische Schule, die 1607 gegründet wurde. Bis zu den 1980er Jahren blieben von der ehemaligen Bibliothek nur die Fächer und Schränke aus dem 18. Jahrhundert erhalten.

Ursprünglich betrug die Anzahl der Bücher aus der Sammlung, laut der Überlieferung 1200 Bücher, 1806 waren es 2591 Bücher und der älteste Katalog enthielt 2754 Positionen. Die meisten Bücher stammten aus 16., 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es waren Werke über Philosophie, Geschichte, Recht und Medizin. Es gab nur wenige neuere Werke (aus dem 19. Jahrhundert), und sie wurden an die Bibliothek verschenkt. Die Bibliothek befand sich in dem kirchlichen Anbau. Deshalb konnte man die kostbaren Sammlungen vor dem Feuer im 1644 und 1685 schützen. Bekannt ist die Tatsache, dass die Büchersammlung 1656 wegen der Befürchtung vor dem Überfall und der Verbrennung der Stadt während der Invasion Schwedens in Polen in den Jahren 1655-1660 evakuiert wurde. Die Bibliothek wurde nach Schlesien in das Landgut der Familie von Loss gebracht. Die Bücher kehrten sicher in die Fraustadt zurück, nach der Stabilisierung der politischen Lage.

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Der heutige, auf 1685 zurückgehende längsrechteckige Kirchenbau besitzt ein hohes ziegelgedecktes Satteldach. Die Ostfassade ist verputzt und bis zum Giebelansatz dreigeschossig, die westliche hingegen ziegelsichtig und bis zum Giebelansatz zweigeschossig. An den Längsseiten ist die Außenfassade ebenfalls verputzt. Beide Giebel sind jeweils mit Putzblendspiegeln versehen, an der Ostseite mit romanisierenden Formen.

Auch die Fassade erzählte den Bürgern die Geschichte mittels eines Bildercode. Am Ostgiebel ist als ein Flachrelief die Kreuzigungsszene angebracht, mit den Gestalten von Maria und Johann unter dem Kreuz. Die Darstellung war ein äußerliches Pendant zu der Altarszene, die sich einst hinter der Ostaußenwand befand.

Angepasst an die Bedürfnisse der Gemeinde war der Glockenturm am ehemaligen Polnischen Tor. Der aus einer Bastei des 16. Jhs. entstandene Turm ist ebenfalls verputzt und hat einen oktogonalen Aufsatz mit barocker Haube. An der nördlichen Seite des Glockenturms ist eine Gedenktafel angebracht, die an den Jahrestag des Gottesschutzes über die Kirche erinnerte. Damals blieb das Bethaus vor den größten Bränden im 19. Jh. verschont. Darunter befindet sich ein Kriegerdenkmal (wahrscheinlich stammte es aus der Zeit des Ersten Weltkriegs).

An der Renaissance-Giebelostfassade der südlich an den Kirchenbau angrenzenden alten Latein- und späteren Ev. Schule hat sich die lateinische Inschrift „Die Gründung des Staates ist die richtige Erziehung der Jugend“ erhalten.

Die dreistöckigen nach 1685 entstandenen Emporen, die ursprünglich rund um den Innenraum herum geführt waren, sind an der Nord- und Südseite bis heute erhalten. Hinter dem Altar, dem Chor gegenüber, gab es auch Sitzplätze. Den rechteckförmigen für ca. zweitausend Gottesdienstbesucher konzipierten Emporensaal schmückt eine flache Holzkassettendecke mit großen goldgerahmten ovalen und runden Tondi, die von drei schlanken frei im Kirchenraum stehenden Holzsäulen mit vergoldeten Kompositkapitellen gestützt wird. Die Holzsäulen bilden das Auflager für den einzig vorhandenen imposanten Decken-Längsunterzug und drei Decken-Querbalken. Ein vierter Querbalken stützt die Decke über den ehemaligen Westemporen. Der gerade schließende Chor entstand im 18. Jh. und ist noch mit Fragmenten eines außergewöhnlich repräsentativen Chorgestühls ausgestattet. Seine dekorativen Wandbänke wurden an der südlichen, westlichen und nördlichen Wand angeordnet. Sie unterschieden sich durch die Baldachinbekrönung, die ursprünglich von geschnitzten Rittergestalten gestützt wurde. Vermutlich saßen dort die hervorragenden Bürger der Stadt, vielleicht die Ratsherren. Wir wissen, dass in der Kirche, neben den Ratsherren die Schöffen und einige Zechen wie z. B. der Tischler und der Stellmacher ihren Sitzplatz hatten. Auch auf der Emporenebene wurden die einzelnen Sitzplätze mit dem symbolischen Baldachin gekennzeichnet, und an seinem flachen Gewölbe sind die Inschriften erhalten geblieben: die Daten und die Nachnamen.

Heute wird die Aufmerksamkeit im Innenraum der Kripplein-Christi Kirche auf die Steinkreise gerichtet: Drei wurden senkrecht und ein im Boden platziert, die Teile von anderen liegen in der Nähe der Stelle, wo sich früher der Altar befand. Das Material, aus dem sie errichtet wurden – schwarzer Marmor – erweckt nur eine Assoziation. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich um die Teile des kostbaren Taufbeckens handelt. Das kostbare Taufbecken stand auf einem Fuß und seine Ränder wurden mit doppeltem Fries dekoriert. Die Haube wurde vom hölzernen Deckel zugedeckt, der mit einer Szene der Jesustaufe dekoriert wurde.

Der dritte Altar, von dem Teile erhalten sind (im Fraustädter Landesmuseum), war ein Altar des architektonischen Typs. Seine Bekrönung reichte bis zur Decke. In seiner Mitte befand sich eine Reliefszene des „Letzten Abendmahls“, die von zwei Säulen und vollplastischen Skulpturen zwei Evangelisten (St. Markus und St. Matthäus) flankiert wurde. Das Motiv der zwei Säulen symbolisiert den Übergang in die außerirdische Realität. Die Säulen bilden „Erlösungstor“, das Siegessymbol – den Triumphbogen des Christus. .Oben auf der oberen Etage, wurde die Kreuzigungsgruppe (Maria und Johannes unter dem Kreuz in Golgota) platziert, hier stellte man an den beiden Seiten der Komposition die Heiligenskulpturen: Johannes mit einem Adler (die rechte Altarseite) und Lukas. Die gesamte Komposition wurde von der Figur des auferstandenen Christus gekrönt, der eine Fahne trug und wahrscheinlich den Drachen trat. Ein solches ikonografisches Programm zeigte auf eine sehr deutliche Art die Hauptwahrheiten des Glaubens, die die Erlösung des Menschen betreffen. 1530 Luther schlug selbst denjenigen vor, die die Bilder am Altar platzieren wollten, dass sie sich auf das Platzieren dort, der Darstellung des Letzten Abendmahls mit einer angemessenen Aufschrift, beschränken sollten. Mit der Zeit entstand der Kanon der lutheranischen Altardarstellungen: die Szene des Letzten Abendmahls, die Kreuzigung, Auferstehung. Der Altar wurde zum wichtigsten Element der Kirchenausstattung und bildete gleichzeitig den zentralen Ort der lithurgischen Praktiken. Neben ihm wird der Kommunikationsraum der religiösen Gemeinschaft aufgebaut und dort konzentriert sich der Kult.

Die letzte Kanzel (ebenfalls im Fraustädter Landesmuseum erhalten) wurde durch eine Säule gestützt, die mit Reliefs dekoriert wurde, die die beflügelten Engelsköpfe darstellten. Sie sollten die Engelssendung des Worts Gottes symbolisieren. Auf der Säule stützte sich ein mit vier Evangelistenfiguren dekorierter Hauptteil. Auf diese Weise wurde die Rolle betont, die die Evangelisten bei der Verkündung des ewigen Worts Gottes spielen und auch die Saat des Wortes unter der am Altar versammelten Gemeinschaft. Auf der Treppenbank wurde parallel zum Hauptteil die Nische mit den Apostelfiguren platziert. Die Sendung dieser Komposition bezieht sich auf „den Apostelweg“, der den Satan besiegt. Aus dem Verzeichnis von Julius Kothe kann man erfahren, dass an dieser Stelle neben den Aposteln befanden sich die Skulpturen von Christus und hl. Paulus. Das ist ein ziemlich beliebtes Programm vor allem bei den Kanzeln in Schlesien. Die Apostel als Zeugen Christus und Glaubensmärtyrer waren ein Beispiel der Haltung des Christen, der dem Evangelium treu ist. Auf einem Vorkriegsfoto der Kanzel sieht man eine Putte, die über dem Tor platziert wurde. Vielleicht war es ein Abbild des betenden Engels – „des Wächters“, der den Prediger vor der lauernden Bedrohung schützt. Der Baldachin mit einem achteckigen Grundriss war eine erweiterte Komposition, deren Mitte ein Obelisk bildete, der von drei Kugeln gestützt war. Um ihn herum befanden sich 2-Etagen-Akanthuskonsolen. Die Engelsfigur, die Trompete blies, mit einem geöffneten Buch in der linken Hand krönt die gesamte Komposition. Die Bibel in der Hand des Engels wurde mit einer Inschrift verziert: „Verbum dei manet in aeternum“. Der Kanzelbaldachin wurde mit dem Himmel über dem Kopf des Predigers, der das Wort Gottes verkündete, identifiziert. Der Trompete blasender Engel stand im Einklang mit der Gestalt des Auferstandenes, die die allgemeine Auferstehung verkündend, den Altar krönte (1 Korintherbrief 15, 52 oder 1 Brief des Paulus an. Das gesamte Programm des Inhalts der Kanzel diente der Bildung und Verstärkung der lutherischer religiösen Identität.

 

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Die protestantische Fraustädter Kripplein-Christi Kirche ist ein hervorragendes Beispiel eines Bethauses, das zur Veränderungszeit der politischen Situation der polnischen Lutheraner, an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert entstand, d.h. als diese in den Druck der Gegenreformation gerieten.

Die Kirche Kripplein Christi in Fraustadt ist ein wertvolles Beispiel der sakralen Spätrenaissancearchitektur. Sie ist die älteste lutherische Kirche in der Region Großpolen und zeichnet sich insbesondere durch künstlerische, historische und wissenschaftliche Werte aus, deren Erhaltung für die nächsten Generationen im öffentlichen Interesse liegt.

Jahrhunderte lang war die Kripplein-Christi Kirche ein Religionszentrum für die polnischen Lutheraner, ein Gotteshaus, das mit der Gestalt des hervorragenden Geistlichen, Theologen, Dichters, Autors der religiösen Lieder Valerius Herberger (1562-1627) verbunden wurde sowie ein Ort der Identität und des Andenkens der Fraustädter, die Gläubiger der evangelisch-augsburgischen Konfession sind. Ein solcher Stand der Dinge dauerte Jahrhunderte lang, trotzt der Brände im 1644 und 1685 erhob sich das Gotteshaus wie Phönix aus der Asche, jedes Mal wurde es schöner.

Das Denkmal hat eine besondere Bedeutung nicht nur für das Kulturerbe Polens, sondern auch für das Kulturerbe Mitteleuropas.

Gegenwärtig wächst, nicht zuletzt in Anbetracht der erhalten gebliebenen Ausstattung und Einrichtung der ehemaligen Kirche Kripplein-Christi und ihrer Elemente, die „wiederentdeckt wurden“ als auch derjenigen, die sich weiterhin in der Kirche befinden, die Hoffnung, dass es der Stadt gelingen wird, den Bau denkmalgerecht zu sanieren und ihn der Kulturlandschaft, nicht nur des Fraustädter Landes sondern auch des gesamten mittel-östlichen Europaraums, zu erhalten. Das Baudenkmal Kirche Kripplein Christi eignet sich wie kein anderer Ort, um hier ein Reformationsmuseum in Polen einzurichten.

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Bereits gegen Ende 2012 war die Leiterin des Landesmuseums Fraustadt wegen des schlechten baulichen Zustands der Kirche Kripplein Christi auf die DPS mit der Bitte um finanzielle Unterstützung einer notwendigen statischen Ertüchtigung des Schiff-Dachstuhls zusammen mit Holzschutzmaßnahmen und einer Neueindeckung des Dachs zugekommen. Von der Stadt als Eigentümer an das polnische Kulturministerium gerichtete Förderanträge wurden bis heute immer wieder abgelehnt.

Im Herbst 2015 eröffnete sich für die DPS die Chance, bei der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien frei gewordene Fördermittel für die Kirche Kripplein Christi zu generieren. Der Betrag war bis Jahresende zu verausgaben und wurde vom Denkmalamt der Woiwodschaft Lebus noch leicht erhöht, so dass damit wenigstens die Ertüchtigung des statisch labilen Schiffdachstuhls vorgenommen werden konnte. Die Arbeiten erfolgten schließlich bis Januar 2016 auf der Grundlage eines statischen Gutachtens von 2012 von dem Planungsbüro Kaźmierczak – Samolewska aus Leszno. Eine umfangreiche Baudokumentation und ein ausführliches Holzschutzgutachten lagen ebenfalls vor. Die statische Analyse des Dachstuhls mit 50 Grad-Neigung hatte ergeben, dass sich die ganze Last des Daches zu den Ziegelaußenwänden bewegt infolge der unterdimensioniert vorhandenen zentralen Innenstützen und großer Dehnungskräfte, die bei einigen der hölzernen Konstruktionselemente des Dachstuhls festgestellt wurden. Die Spannweite von Außenwand zu Außenwand beträgt 18 m. Die Abstände der Gespärreelemente erwiesen sich zwar als korrekt berechnet, jedoch zeigten sich bei der statischen Überprüfung 2012 die Holzquerschnitte des Dachstuhlverbands als zu schwach und die Anschlüsse (Verbindungsknoten gezapft sowie geblattet) von Sparren, Streben und Balken als zu wenig kraftschlüssig. Die Sparren, fast alle aus einem Stück im Format 16×19 cm mit einer Länge von 14 m, haben sich dadurch nach außen verlagert. Die Balkenlage des Schiffdachstuhls, die einheitlich auf 18 m Länge bei einem Querschnitt von 18×25 cm pro Balken kommt, hat sich entsprechend mit verformt. Eine mangelhafte Gründung der drei zentralen Holzsäulen des Kirchenschiffs verursachte erhebliche Setzungen und die Neigung der Emporen. Verstärkt worden war das statische Problem durch archäologische Grabungen Ende der 1970er Jahre.

Ziel der statischen Ertüchtigungsmaßnahme ab Ende 2015 war der Erhalt des bestehenden historischen Schiff-Dachstuhls von 1685 durch Ergänzung fehlender oder stark verschlissener Holzkonstruktionselemente. Ein Austausch von 15 bis 20% der vorhandenen Holzsubstanz (überwiegend Kiefer) wurde dabei angenommen. Strukturelemente, die von Anfang an nicht richtig funktionierten, wurden in Stahlbauweise verstärkt, d.h. die Binder, die Sparrenunterseiten und die Verbindungsknoten. Als Konstruktion in der bestehenden Dachkonstruktion wurde ein feuerverzinktes Stahlgefüge mit einer Spannweite gleich dem Abstand der Außenwände eingebaut, also über etwa 17,60 – 18,0 m und eine Höhe von etwa 2,5 m (höher brauchte man nach den Berechnungen hier nicht gehen) sowie an den Knoten verschraubt. Die statischen Berechnungen der Verstärkungskonstruktion wurden von einem Computer durchgeführt unter Verwendung von Konstruktionsberechnungs-Software.

Die Ertüchtigung des Dachstuhls erfolgte mit 5 Stahl-Traversen (schlanke Doppel-Profile). Neu eingebrachte Stahlkomponenten sind: Stahl Zuganker, -Stärkungen Sparrenfußpunkte und -Diagonalstreben. Die unteren Stahl-Horizontal-/Diagonalverbindungen sind mit Stahl-Zwickel-Platten und Schrauben verbunden.

Der eingebrachte Stahlhilfsverband mit einem Gesamtgewicht von etwas über 5 Tonnen ist sicherlich keine denkmalpflegerische Lösung auf der Höhe der Zeit, jedoch konstruktiv wirksam. Es wurde auch versucht, darauf zu achten, dass die Stahlelemente nicht dicht an die historischen Holzkonstruktionselemente des Schiff-Dachstuhls anliegen. Doch durch natürliche Verformungen der historischen Balken und Sparren ist dies nicht immer gewährleistet. Außerdem wurden die Stahlprofile mit den historischen Hölzern verschraubt, wenn auch mit ein paar cm Abstand. Das Erscheinungsbild des Schiff-Dachstuhls ist durch den Stahleintrag beeinträchtigt. Andererseits ist die Hilfsstützkonstruktion im Dach so erfolgt, dass auf den Einbau zusätzlicher Stahlelemente im Schiffinnenraum verzichtet werden konnte.

Bestandteil der rund 27.000 EUR brutto teuren Maßnahme war auch die Errichtung von Laufgalerien über der Balkenlage des Dachstuhlbodens.

Ausgeführt wurde die Dachstuhlertüchtigungsmaßnahme von der Baufirma Henryk Kowalczykowski aus Fraustadt, mit Jacek Kowalczykowski als Verantwortlichem. Die Planung lag in Händen der Projektanten mgr inż. Jarosław Raulinajtys und mgr inż. Łukasz Kurzawski von der Planungsfirma O.N.S.T Architektura aus Grünberg (Zielona Góra). Durch das vom Denkmalamt der Woiwodschaft 2013 beauftragte Ingenieurbüro Borzdyński Klemens aus Grünberg waren zuvor Gutachten und Maßnahmenkonzept von 2013 bestätigt worden.

 

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Jetzt sind schnellstmöglich in einem nächsten Bauabschnitt Holzdesinfektions- und Holzschutz-, Zimmermanns-, Dachdecker- und -klempnerarbeiten auszuführen, um die Schiffdachinstandsetzung abzuschließen. Spenden für den Bauabschnitt werden gerne von der DPS entgegen genommen auf ihr Konto: Deutsche Bank, IBAN: DE 80 8707 0024 0823 3660 00, BIC: DEUTDEDBCHE – Kennwort Kripplein Christi.

Die Leiterin des Landesmuseums Fraustadt, Marta Małkus engagiert sich für eine umfängliche Sanierung der Kirche Kripplein Christi und deren künftige Neunutzung als Dokumentationszentrum der lutheranischen Architekturgeschichte im heutigen Polen und der Geschichte des Luthertums im schlesisch-polnischen Grenzgebiet sowie als städtisch-kultureller Veranstaltungsort.

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  • Bauherr: Stadt Fraustadt (Wschowa)
  • Fachliche Begleitung: Denkmalamt der Woiwodschaft Lebus, Grünberg (Zielons Góra)
  • Planung: Fa. O.N.S.T Architektura aus Grünberg (Zielona Góra), mgr inż. Jarosław Raulinajtys und mgr inż. Łukasz Kurzawski
  • Ingenieurbüro Borzdyński Klemens aus Grünberg (Bauprojektprüfung 2013)
  • Planungsbüro Kaźmierczak – Samolewska, Leszno (Lissa) mgr inź. arch. A. Samolewska und mgr inź. arch. L. Kaźmierczak-Ratajczak (Statisches Planungskonzept 2011-12)
  • Ausführende Baufirma: Henryk Kowalczykowski, Fraustadt (Wschowa)
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