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PARADIES / GOŚCIKOWO PARADYŻ

Der eindrucksvoll monumental erschaffene spätbarocke Hauptaltar der ehemaligen Zisterzienserklosterkirche Paradies / Gościkowo Paradyż zeigte sich zuletzt mit seinen Schädigungen durch Insektenbefall und der weißen Überfassung in einem unakzeptablen Zustand. Vermittelt durch das Woiwodschafts-Denkmalamt in Grünberg / Zielona Góra konnte die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) zur Ausführung zweier wichtiger Restaurierungsetappen 2014 und 2015 beitragen. 2016 wurde die Restaurierung des wertvollen Altars mit Hilfe der DPS fortgesetzt.

Der monumentale Hochaltar (1736-39) der ehemaligen Zisterzienser-Klosterkirche Heiliger Martin und Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria in Paradies (Gościkowo Paradyż) zählt zu den bedeutendsten barocken Kunstwerken in der Woidschaft Lebus (Lubuskie). Der polychrome Altar hatte durch zahlreiche denkmalunverträgliche Überfassungen zuletzt in Weiß und Grau sowie zunehmenden Insektenfraß in seiner Substanz zuletzt stark gelitten. Die DPS konnte als Maßnahmenträger Mittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) als anteilige Zuwendung für die Restaurierungsabschnitte 2014 und 2015 zur Verfügung stellen, die sich auf den unteren Teil des Altars und dessen Bekrönung konzentrierten.

Das restauratorische Konzept beinhaltet die vollständige Freilegung und Wiederherstellung der polychromen barocken Sichtfassung. Mit dem Abschluss der Arbeiten an diesem wertvollen deutsch-polnischen Kulturerbe, die von einem der denkmalerfahrensten Restauratorenteams  ausgeführt werden, die es für die Aufgabe derzeit in Polen gibt, dürfte mit Blick auf die Finanzierung erst 2017/18 zu rechnen sein. Mit Beendigung der Etappen 2014, 2015 und 2016 ist ein wichtiger Schritt erfolgt, um dieses Ziel zu erreichen.

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Die ehemalige Klosterkirche liegt im sog. Schwiebuser Land, das zum Lebuser Land gehört, das sich heute, geteilt durch die Oder auf deutschem und polnischem Staatsgebiet erstreckt, 75 Km östlich von Frankfurt (Oder) und 10 Km nördlich von Schwiebus (Świebodzin) an der Europastraße 65 und nahe der A 2 Berlin – Posen (Poznań). Die Kirche ist Bestandteil der als Denkmalensemble erhaltenen ehem. Klosteranlage in dem heutigen Dorf Gościkowo Paradyż (vormals Paradies), das zur Woiwodschaft Lubuskie gehört.

Das Lebuser Land (polnisch Ziemia Lubuska) ist sowohl eine eiszeitliche Hochfläche als auch eine historische Kulturlandschaft beiderseits der Oder. Der westlich der Oder gelegene Teil gehört heute zu Brandenburg und der östlich davon gelegene Teil zur polnischen Woiwodschaft Lebus (Lubuskie). Der Name Lebus kommt von der Stadt Lebus heute im Landkreis Märkisch-Oderland und taucht im 13. Jh. erstmals auf.

Das Land Lebus war im Besitz des gleichnamigen Bistums mit Sitz in Lebus und war zunächst vor allem von slawischen Stämmen bewohnt. Durch Zuzug deutschstämmiger Kolonisten wurde die Region um 1600 fast ausschließlich deutschsprachig.

Die Woiwodschaft Lebus (Lubuskie) grenzt im Westen auch an Sachsen und im Osten an Großpolen und umfasst im Wesentlichen die früher brandenburgische Neumark (Ostbrandenburg) sowie kleine Teile des nördlichen Niederschlesien, der östlichen Niederlausitz und Teile der früheren Grenzmark Posen-Westpreußen.

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Der größte Teil der heutigen Woiwodschaft Lebus (Lubuskie) gehörte ab Mitte des 13. Jhs. bis 1945 mit Unterbrechungen zur Mark Brandenburg.

Kloster Paradies im ehem. Altkreis Meseritz  ist im 13. Jh. entstanden. Es wurde zwischen 1234 und 1236 von Mönchen des brandenburgischen Zisterzienser-Mutterklosters Lehnin bei Potsdam besiedelt. Der Stifter, Dionysius Bronisius (Bronisz) Doliwow schien die Absicht gehabt zu haben, mit dem außerhalb des Dorfs Gościkowo gelegenen Kloster deutsche Wirtschaftsformen im Lebuser Land zu etablieren. Schon 1236 war die Zisterze von allen Abgaben und Zöllen sowie vom polnischen Recht befreit. Der Dorfname wurde geändert in Paradisus Mater (Paradies der Gottesmutter).

Die Die Zisterzienser hatten ein gutes Verhältnis zum askanischen Herrscherhaus, das Kloster Lehnin gestiftet hatte und sich zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb entwickeln ließ. Somit erfolgte die Gründung des Klosters Paradies mit Sicherheit einvernehmlich und abgesprochen bzw. nicht gegen den Willen der brandenburgischen Markgrafen.

Aus Sicht der Askanier war mit der Gründung von Paradies sicherlich u.a. die Vorbereitung der Neumark verbunden, d.h. der Ausdehnung über die Oder hinaus nach Osten. Die Abtei durfte auch Dörfer und Städte gründen und die übernommenen Güter auf deutsches Recht umschreiben. Die aus Lehnin kommenden Mönche bewohnten am linken Ufer des Flusses Paklica, also außerhalb des Dorfes Goscikowo, zunächst aus Holz gebaute Klostergebäude. Schon kurze Zeit nach der Stiftung konnte der Konvent mit dem Bau einer Klosterkirche beginnen – und auch mit Neugründung eines Filialklosters in Wieleń (nach der Verlegung nach Przemęt).

Nach wirtschaftlichen Anfangserfolgen scheint sich das Kloster schon rund 50 Jahre nach seiner Gründung auf die Verwaltung der erworbenen Güter beschränkt zu haben. Władislaus Łokietek bestätigte 1327 die Güter des Ordens und nahm ihn unter seinen Schutz. Auch Ludwig der Ungar, Sigismund der Luxemburger und Własdislaus Jagiełło bestätigten dem Orden seine Privilegien, verboten aber seine wirtschaftliche Expansion.

In seinen besten Zeiten besaß das Kloster Paradies 30 qkm Land, das man zusammen mit deutschen Bauern aus dem Westen bewirtschaftete und zur Gründung von 23 Dörfern nach deutschem Recht im dünn besiedelten Gebiet östlich der Oder führte. Im 15. Jh. kam es zu einer wirtschaftlichen Stagnation des Klosters. Die Mönche reisten zum Studium  nach Krakau und Leipzig. 1507 versuchte Paradies zusammen mit dem Mutterkloster Lehnin an der Universität Frankfurt (Oder) ein Zisterzienserkollegium einzurichten. Die Mönche klagten 1506 und 1528 über die Zerstörung klösterlichen Eigentums, und die Nutzung ihrer Gebäude zu verschiedenen Zusammenkünften des niederen Adels.

Die Mönche suchten königliche Protektion bei Sigismund I, der ihnen die bisherigen Rechte und Freiheiten bestätigte. Desgleichen tat auch König Sigismund August im Jahre 1546. Ab 1617 wurde das Kloster verpflichtet, abwechselnd einen deutschen und polnischen Abt zu wählen.

Im 17. Jh. ruinierten brandenburgische und schwedische Truppen das Kloster. Verheerend war ein Großbrand im Jahre 1633. Nach 1668 sank die Zahl der Mönche stetig. Die Klosterkirche wurde nach einem Brand im Jahre 1722 im spätbarocken Stil wiederaufgebaut. Im Jahre 1743 wurden die Klostergüter aufgeteilt und zu Abtei- oder Konventseigentum erklärt. Die schlesischen Güter fielen der Abteiverwaltung zu.

Das heutige architektonische Erscheinungsbild der ehem. Klosteranlage geht auf eine Bauschmuckausbildung im Stil des Schlesischen Barock in der ersten Hälfte des 18. Jhs. zurück, die der Sohn des bekannten  für den damaligen König Stanislaw Leszczynski tätigen schlesischen Baumeisters Martin Frantz d.J. (1679-1742), Carl Martin Franz (1712-1755) seines Zeichens schlesischer Landbaumeister, vornahm.

Nach der ersten Teilung Polens lag das Kloster auf dem von Preußen annektierten Gebiet. In den Jahren 1796-1810 konfiszierte die preußische Regierung einen Teil der Landgüter. Im Jahre 1814 besetzten russische Truppen das Kloster und benutzten die Gebäude als Lazarett. Im Januar 1834 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung geschlossen. Schon ab 1814 setzte eine stetige Reduzierung des reichen Bücherbestands ein, der später völlig ausgeraubt wurde. Ein Teil des Klosterinventars wurde auf Auktionen verkauft. In den Gebäuden der Abtei wurde nach 1836 ein deutsches königliches katholisches Lehrerseminar eingerichtet.

1939-45 war in den Gebäuden eine Lehrerbildungsanstalt untergebracht. Gegenwärtig befindet sich dort ein Priesterseminar der polnischen römisch-katholischen Diözese Zielona Góra–Gorzów, das als eine auswärtige Sektion der Theologischen Fakultät der Universität Poznań fungiert.

Das Klosterrefektorium behielt die barocken Fresken der Gaben des Heiligen Geistes.

Seit 1999 befindet sich in den historischen Räumen des ehem. Klosters, die an die Kirche grenzen, das Museum Paradyż. Dort ist vor allem eine reiche Sammlung von historischen Andenken zu sehen, die die Zisterzienser in Paradyż hinterlassen haben: Wertvolle, alte Drucke aus dem 17. und 18. Jh., viele liturgische Bücher, historische Monstranzen, liturgische Gefäße und Gewänder, Reliquiare der Heiligen. Letztere wurden aus der Sammlung der Klosterkirche ausgeliehen. Diese Sammlung ist eine der reichsten in Polen. Außerdem befindet sich dort eine Bildersammlung aus dem 17. und 18. Jh.

Im Sommer findet in den Klostermauern ein Barock-Musik-Festival (Musik im Paradies) statt. Die Kirche, das Museum und die Gärten sind zu Besichtigungen freigegeben.

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Nach dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes wurde im 13. Jahrhundert die Klosterkirche auf einem ausgetrockneten Sumpfgelände von Lehniner Konversen errichtet. Es entstand eine dreischiffige Basilika aus Backstein mit (nicht mehr erhaltenem) Querschiff und einem gotischen Kreuzrippengewölbe im Kircheninneren als sogenanntes romanisches gebundenes System, bei dem je zwei annähernd quadratische Seitenschiffjoche einem Mittelschiffjoch entsprechen.

Ende des 18. Jhs. wurde die Kirche mit einer barocken Doppelturmfront und Fensteröffnungen mit Korbbogen wiedererrichtet. Ihre Vertikalgliederung übernehmen vier diagonal gestellte Pfeiler mit vorgeblendeten Pilastern. Die Architekturgliederung ist heute grau-, die Fassade in den Flächen graufarbig verputzt. Ein markantes verkröpftes Doppelgesims bildet den horizontal tektonischen Übergang zu den Turmoberteilen, die von mächtigen kupfergedeckten Laternen bekrönt werden.

Die dreistöckige Mittelachse der Turmschaufront wird betont durch eine Nische mit der Skulptur des Hl. Martin, sich darüber erhebendem Balkon und einen doppelpilastrigen Portikus mit flachem Dreiecksgiebel als oberer Abschluss.

Das um drei runde Kapellenanbauten erweiterte Langhaus ist ebenfalls kupfergedeckt und von einem filigran gestalteten kupfergedeckten hohen Dachreiter überfangen und schließt nach Osten mit einem geschweiften doppelpilastrigen Giebelaufsatz ab über dem Chor mit geradem Schluss ab. Hauptschiff und Kapellen sind im Untergeschoss kryptenartig ausgebaut.

Die ursprünglich backsteinsichtige Raumschale des Mittelschiffs ist heute weiß überstrichen. Aus gotischer Zeit erhalten ist die innere Grundarchitektur mit Kreuzrippengewölbe, schlanken Diensten Kämpfern und Schlusssteinen. An der Westwand in südlicher Richtung ist ein gotisches Freskofragment überkommen. Nicht mehr existent sind die ursprünglichen Arkadenbögen. Zwischen Mittelschiff und Seitenschiffen. Sie wurden im 17./18. Jh. ersetzt durch barocke Rundbogenarkaden.

Wichtigstes barockes Ausstattungsstück ist der spätbarocke monumentale Hauptaltar, der 1736-1739 erschaffen wurde. Das Chorgestühl zu je 15 Sitzen mit Bildnissen kirchlicher Würdenträger stammt aus dem 18. Jh. wie der überwiegende Teil der heutigen Innenausstattung. Aufmerksamkeit verdient auch die vergoldete barocke Kanzel, die von der Figur eines Engels gestützt wird, der eine Bibel hält. Das frühklassizistische Kirchengestühl besteht aus symmetrischen Reihen. Das Rokoko-Orgelprospekt und  das barocke Orgelwerk sind ein Werk von Gottlob Peters (zweite Hälfte des 18. Jhs.).

Zahlreiche Ölgemälde, vier dreiteilige Beichtstühle aus dem letzten Drittel des 18.Jh., eine Bank aus dem 17. Jh. und Epitaphienplatten im Fussboden der Kirche sind weitere Sehenswürdigkeiten. Bemerkenswert ist die Darstellung des Stifters Graf Bronisz unter dem Baldachin eines Anfang des 17. Jahrhunderts von einem unbekannten Maler stammenden Stiftungsbildes. Darüber thront das Klosterwappen von Paradies: Zwei Buchstaben C und das stilisierte M stehen für Maria als Patronin des Klosters. Im unteren Bildteil ist die Darstellung der Mongolenschlacht bei Liegnitz im Jahre 1241 zu betrachten, bei der der Stifter Graf Bronisz vermutlich als Reiter tödlich verwundet wurde.

In Paradies zeigen zwei Bilder an der Kirchenwand den heiligen Vincentus Kadlubek, ein weiteres Bild den heiligen Nikolaus als Gründer und Abt des ersten polnischen Zisterzienserklosters zu Jedrzejow. Ein Altar ist dem heiligen Benedikt gewidmet und wurde Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut.

In der St. Adalbertskapelle sind barocke Fresken zu sehen, die Szenen des Letzten Abendmahls und des Gebets Jesu am Ölberg darstellen.

In der Marienkapelle von Paradyż aus dem 14. Jh. befindet sich ein wundertätige Madonnenbild mit dem Kind, das Ziel zahlreicher Wallfahrten. Es ist die Kopie einer byzantinischen Ikone aus Bologna von einem unbekannten Künstler im Jahr 1650 geschaffen. Der Altar des heiligen Bernhard stammt aus der Mitte des 17.Jhs und zeigt ihn als Abt im Kloster Clairvaux.

Zu den wertvollen, historischen Werken aus Paradyż gehören auch die Bilder des Malers K. Boguszewski (1628/29). Sie entstanden in der Zeit des Mäzen-Abtes Łętowski und werden gegenwärtig in der Kathedrale und im Museum der Erzdiözese Poznań aufbewahrt. Ein Meßbuch in silbernem Einband – erworben von Abt Josef Gorczynski (1722-1744) wird jetzt im Staatlichen Museum in Poznań  aufbewahrt.

Von der im 18. Jh. barockisierten Klausur sind drei der Klosterkirche östlich vorgelagerte zweigeschossige Flügel mit runden Ecktürmen, Pilastergliederung und Klosterrefektorium mit den barocken Fresken der Gaben des Heiligen Geistes erhalten.

Die an Kloster und Kirche anliegenden Gärten werden von fünf Steinfiguren geschmückt – es sind St. Florian, St. Bernard, St. Benedikt und St. Martin aus Tours.

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Im Gegensatz zu dem 1840 abgebrochenen Zisterzienserkloster Blesen (Bledzew) kündigt im ehemaligen Landkreis Meseritz noch heute die Klosteranlage Paradies von der unglaublichen kulturellen Blüte und dem kolonisatorischen Schaffen dieses Ordens im früheren deutschen Osten. Trotz der eingreifenden barocken baulichen Veränderungen hat die ehemalige Klosterkirche ihren ursprünglichen gotischen Charakter bewahrt.

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Das wichtigste barocke Kunstwerk ist der monumentale spätbarocke Hauptaltar, der unter wesentlicher Mitwirkung der Bildhauerwerkstatt Hennevogel aus Neuzelle und des hervorragenden Schöpfers der schlesischen Barockmalkunst Felix Anton Scheffler aus Mainburg/Bayern (1701-1760) erschaffen wurde. Schöpfer der Skulpturen waren Johann Caspar Hennevogel und dessen Söhne Johann und Christoph Wilhelm. Scheffler ließ sich 1734 in Breslau nieder, ging später nach Prag und schuf als Hauptwerke u.a. die Fresken in der Universität und im Dom zu Breslau, mehrere Altargemälde für das niederschlesische Kloster Grüssau, Altargemälde in Jauer, Fresken im Winterrefektorium des Klosters Leubus und die Fresken im Vorhof der Loretokapelle auf dem Hradschin in Prag. In den Jahren 1728-1729 war Scheffler noch als Freskant für Bischof Franz Louis von Pfalz-Neuburg als in Burg und Schloss Durlach tätig gewesen, danach  an den Wandmalereien der Kirche des Heiligen Grabes in Neiße (Nysa). Scheffler, der 1760 in Prag verstarb, war viel für die Katholische Kirche tätig, jedoch auch in Residenzen wie in Breslau und Kłodzko (Glatz). Viele seiner Werke sind Gemälde und Fresken über religiöse Themen.

Für den Hauptaltar der Klosterkirche Paradies schuf er die Altargemälde Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria und die Apotheose des Hl. Martin. Als Auftraggeber des Altars gilt Abt Józef Michał Gorczynski (1722‐1741) (Abt Johann Casimir Szczuka nach Joseph Lukaszewicz, 1858). Welcher Künstler den Gesamtentwurf für den Hauptaltar geliefert hat, ist nicht bekannt. Als ein Name denkbar wäre der bekannte österreichische Architekt und Bildhauer Matthias Steinl (1644-1727), der auch in Breslau tätig war.

Der Haupt- oder Hochaltar ist in das Register der beweglichen Denkmäler unter der Registriernummer 42 seit dem Beschluss des Woiwodschaftsdenkmalamts Zielona Góra vom 03.01.1972 eingetragen.

Der zweigeschossige einachsige holzgeschnitzte bemalte Hauptaltar von 1739 in der Abmessung 880 x 1300 cm reicht vom Boden bis zur Decke an der östlichen Wand des Chors und verdeckt dadurch diese mit seiner Höhe von 13m nahezu vollständig. Auf hohem Sockel erhebt sich der Unterstock des Altars, dessen Fassade wie die seines Oberstocks kompositene Vollsäulen mit Ganzfiguren dazwischen gliedern. Ein kräftig ausgebildetes in der Mitte durchbrochenes Gebälk sorgt für die horizontale Gegentektonik zwischen dem Unterstock und wesentlich niedrigeren Oberstock, der mit einer Baladachinbekrönung mit Lambrequins und Quastenbesatz abschließt.

Das Hauptgemälde ist im Unterstock zentriert und zeigt Schefflers Darstellung Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria. Der Altar ist reich mit Figurenbesatz von 1730 ausgestattet: zwischen den Säulen stehen als bemalte großfigurige Voll-Skulpturen in Holz Hl. Gregor, Hl. Augustinus, Hl. Johannes Chrysotomos, Hl. Paulus und Hl. Petrus, Hl. Ambrosius und Hl. Hiernonymus. Das Gemälde Apotheose (Verherrlichung) des Hl. Martin wird in der Mittelachse im Altaroberteil von den Voll-Skulpturen der Heiligen Bernhard von Clairvaux und Benedikt von Nursia, Hl. Adalbert (poln. Wojciech) und Hl. Stanislaus zusammen mit Engelbegleitfiguren flankiert. Die Altarskulpturen haben die Abmessungen 84 x 40, 200 x 60 und 180 x 50cm.

Auf dem Tafelbild Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria – 1730-1739 von P.A. Scheffler, Leinen, Ölfarbe, Abmessung 540 x 220cm, rechteckig, geschlossen mit überfangendem Bogen mit schrägen konkav kurvierten Ecken – das in drei dreieckförmige Zonen gegliedert ist, in denen jeweils eine Personengruppe dargestellt wird, sind in der unteren Bildzone alte und junge Menschen in bischöflichen und päpstlichen Roben  sowie Mönchsbekleidung dargestellt. Ihre Gesichter sind bärtig oder glatt rasiert und sie erscheinen vollfigurig sowie halbverdeckt in Profil- und Dreiviertelansicht. Bischofsstab, Tiara und päpstliches Kreuz sind als Attribute zu erkennen. Die Dreieckskomposition mit der in den Himmel steigenden Jungfrau Maria füllt die Bildmitte. Maria ist als junge sitzende Frau mit Gesicht nach oben in Dreiviertelansicht präsentiert, umgeben von neun Engeln. Ihre linke Hand ruht auf der Brust. Gehüllt ist sie in ein weißes loses Kleid, gegürtet und mit Goldbesatz sowie einer leuchtend rosafarbenen Schärpe. Schultern und Rücken werden von einem großen blauen Mantel bedeckt. Die obere Bildzone bildet die Dreifaltigkeit ab. Jesus ist mi einer goldenen Krone besetzt mit Steinen und sieben weißen Sternen dargestellt. Zu sehen sind Christus und Thron, Gottvater als Torsofigur mit großem blauen Globus und goldenem Zepter. Auf der Achse mit Christus und Gottvater steigt, umgeben von geflügelten Putten und einem leuchtenden Heiligenschein, die Taube des Heiligen Geists auf.

Bei dem Tafelbild „Apotheose des Hl. Martin“ – gegen 1732, Leinen, Ölfarbe, Abmessung 150 x 90cm platziert an der Bekrönung des Hauptaltars – wird der Bischof sichtbar von Engeln in den Himmel gehoben. Er kniet mit nach links gedrehtem Oberkörper und Knie und dabei den Kopf in Dreiviertelansicht: Die Kleidung besteht aus Spitzenmanschetten, blauer Dalmatik mit goldenen Lilien bestickt, Goldquasten, Schmuckschnalle, Goldbrustkreuz mit Verschluss und Gold-Mitra auf dem Haupt.

Zwischen der Darstellung Maria Himmelfahrt und Apotheose des Hl. Martin, am Übergang von Altarunter- zu Altaroberteil, betont durch eine Doppelgesimszone,  ist in der Mittelachse eine Kartusche auf einer mit Blättern verzierten Schale platziert, durch deren ovales gemaltes Feld mit blauen Wolken als Hintergrund mittig ein leuchtend leuchtend gelber Lichtbogen läuft. Auf der linken Seite ist ein Löwe, rechts eine in Robe gekleidete Frau dargestellt. Drei Engel halten eine Inschrift auf der steht: FIDITE Mortales Irati, Flammea COELI / SIDERA – MITESCUNT, Aether JUNGFRAU subite.

Einen architektonischen Höhepunkt stellt, neben reichem Figurenschmuck,  der Baldachin als Bekrönungselement dar, dessen Formensprache auch in Paradies an die des berühmten Baldachins über dem Grab von des Hl. Petrus in der Vatikanischen Basilika (1624-1633) von Gian Lorenzo Bernini angelehnt ist. Mitten auf dem Baldachin kämpft der mit einer Sturmhaube ausgestattete Hl. Erzengel Michael mit dem Satan, und zwischen den Wolkendarstellungen  sind viele Engel mit geflügelten Köpfen platziert. Hinzu kommen Vasen als Bekrönungsschmuck.

Ähnliche geschlossene Baldachinformen gibt es bei Balthasar Neumann (1687-1753, im Wormser Dom und der Kirche St. Peter in Trier). Johann Bernhard Fischer von Erlach verwendete diese Motive am Altar des Mausoleums für Kaiser Ferdinand II in Graz (1695-1699). Vor allem in Polen sind in das Altargesamtwerk jeweils Schrank-Reliquiare integriert. Ähnliche Objektarten können identifiziert werden im Süden Deutschlands, insbesondere in Bayern (in Hainburg (Hochaltar der Kirche, 1725), Osterhofen (Seitenaltar von St. Damian in der Klosterkirche, 1720), Landshut (Dominikanerkirche, 1732-1734). Eine ähnliche Lösung ist aus dem Zisterzienserkloster im schlesischen  Heinrichau (Henryków) bekannt (1681-1684) und vom Seitenaltar der Prämonstratenserkirche in Strzelno (Seitenaltar, 1743).

Immer wieder andere Altarkonzepte verfolgte indes der Bildhauer Thomas Weissfeldt, so ohne Reliquiarschränke im Fall der Brüderkirche in Breslau.

Das 1739 im Régencestil entstandene  Tabernakel des Hauptaltars – Holzmalerei, Abmessung 230 x 130 x 200cm, auf dem Grundriss einer Rechteckform, mit konkav-konvexen Seiten – erhebt sich als Kleinarchitektur über dem marmorierten und  auf einem Backsteinsockel stehenden Altartisch. Es hat die Form eines Schranks. Zwei jeweils hintereinander gestellte Korbatursäulen im Berninistil flankieren auf der Frontseite links und rechts eine rundbogige Nische mit vorgesetztem vergoldeten Flachrelief und der Darstellung des Abendmahls in Emmaus. Darunter im Tabernakelsockel ist eine zweiflügelige Doppeltür eingelassen, hinter der sich der drehbare Aufbewahrungsort für die in der heiligen Messe gewandelten Hostien befindet, die nach katholischem Glauben Leib Christi sind. Die Seitenwände des kunstvoll gestalteten Tabernakels sind mit einer Rundbogenöffnung versehen und wie dessen durchbrochene puttenbesetzte Giebelzone konkav-konvex kurviert.  Die einst an der Vorderseite des Tabernakels eingestellten Holzskulpturen Hl. Anna und Hl. Joachim sind leider nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen.

Die im Altarsockel angeordneten Reliquiare sind in Holz und Messing ausgeführt in der Abmessung 140 x 88cm. Sie sind in konvex ausgeformte Barockschränke mit gebogten Ecken an beiden Seiten des Altars gestellt. Als Vergoldungen appliziert sind Muscheln ist, Akanthusblätter, Rahmen mit Ornament und Bandschellen. Auch die historischen Türfensterverglasungen, hinter denen sich die Regale für die Reliquie auftun, haben sich erhalten.

Das Kruzifix des Hauptaltars – barock, 17. Jh., Silber, Abmessung 120 x 43cm – ist auf dem Giebel des Tabernakels platziert, hergestellt aus einem flachen, gehämmerten und geglätteten Silberbarren.

Auf dem zentral exponierten Tafelbild mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens, von dem ein Bozetto von 1736 im Museum des ehem. Klosters erhalten ist, findet sich in einem Schriftband die Jahreszahl 1736, und in einem aufgeschlagen dargestellten Buch, das der Hl. Paul in Händen hält, steht, eingebunden in die Schrift „RELIQSA DOM AN“, das Datum 1739. In Ermangelung einer Künstlersignatur gelten die beiden abgebildeten Jahreszahlen als Entstehungs- und Vollendungsdatum. Ganz oben sind sichtbar die Renovierungsdaten 1854,1887, 1927, 1928, 1966, 2002 und 2003 dokumentiert.

Die Altararchitektur ist in Kiefer gefertigt während die Skulpturen in Lindenholz erschaffen sind.  Die Abmessungen des Altars betragen 8,9m x 13m = 115,7 qm. Die einzelnen Holzteile wurden mit Glutin-Leim verleimt. Anschließend wurde Gipsmörtel aufgetragen (auf Kreide-Basis) und ein Klebstoffprotein, bevor auf poliertem Grund die erste Lackschicht erfolgte. Die Oberflächen sind z.T. geschnitzt, stuckappliziert  und vergoldet oder polychrom gefasst. Es finden sich ferner Bleiglaselemente, Schellack; an Originalfarben u.a. Bleiweiß, Eisenoxid rot, gelb und braun, Silber- und Blattvergoldung, Preußisch-Blau und Zinkweiß. Der Originallack besteht aus: rosa Tempera, Grau, Gelb, bräunlichem Harz und Glasuren.

Die Gestaltungsstrukturen für einen solchen monumentalen Altar kann der Autor des Werks von der Veröffentlichung „Perspectiva pictorum et Architectorum …“, publiziert  zuerst im Jahr 1693 (Part. 1) und dann 1700 (Part. 2) gekannt haben. In ganz Mitteleuropa tritt diese Altarstruktur zu dieser Zeit auf: ein zweistöckiger Aufbau mit einem großen rechteckigen Altargemälde im Zentrum und einem kleineren Altarbild darüber. Die Altarmensa hat in der Regel einen architektonischen Aufsatz.

Die Architekturstruktur solcher Altäre wie in Paradies ist sehr plastisch und geschwungen und wirkt dennoch dynamisch und leicht. Wir haben es da mit einer schlesischen Variante eines Rokoko borrominischer und guarinischer Ausprägung übertragen auf die Bildhauerkunst süddeutscher Provenienz zu tun.

Die Statuen gehen eindeutig auf die Arbeiten der Familie Hennevogel in der Neuzeller Zisterzienserkirche Heilig Kreuz zurück (u.a. an Hauptaltar und Kanzel (beide 1728-1734). Die Statuen des Hauptaltars in Tunika- und Kardinalskleidung zeigen die gleiche Eleganz der Figuren, mit Füßen, die an den Knöcheln gekreuzt sind, die jugendlichen Gesichter und die natürlichen Hälse, langen dünnen Nasen und rosigen Wangen. Auch die ausgebreiteten Engelsflügel sind in Form und Anordnung identisch. Typisch für den Stil der Familie Hennevogel sind weiterhin die auch am Hauptaltar in Paradies anzutreffenden Hände mit langen Fingern, die etwas halten oder auf der Brust platzieren, die wallenden leichten Gewänder, die Unterbeine vom Knie abgesetzt, mit scharf konturierten Waden und dünnen schlanken Knöcheln und die Füße mit prominent herausgearbeiteten großen Zehen.

Die Spuren der Aktivitäten der Bildhauerfamilie Hennevogel sind auch in Freienfelds, Banz, Bamberg und Prag zu finden. Nach Neuzelle kam sie aus Franken. Und von dort in das 70 Km entfernte Gościkowo Paradyż.

Es ist schwierig, mit Sicherheit zu sagen, ob es bei dem barocken Wiederaufbau der Klosterkirche in Gościkowo Paradyż einen einheitlichen Architektenplan mit Vorsehung des Hauptaltars und der Kanzel in deren ausgeführter Form gegeben hat. Ähnliche Formen waren im Repertoire vieler Architekten und Bildhauer. Stets ging es bei Altären und Kanzeln weniger um die Gestaltung von Flächen, sondern um konkav-konvexe Strukturen, die Verwendung stark verkröpfender Gesimse, gewundener Säulen und bildlich dargestellter Vorhänge und Übervorhänge.

Was die Identifizierung von Felix Anton Scheffler als Autor der beiden Altarbilder angeht, so ist die Unterschrift des Künstlers mit Datum 1736 auf Leinwandrücken der beiden Tafelbilder eindeutig. Die Arbeit der Anton Scheffler Ära passt in der Malerei des Spätbarock. Sie hat ihre Theatralik mit einem erhabenen Geschmack für Hell-Dunkel- Kontraste und Anordnungen auf den Diagonalen. Zugleich zeigt der Künstler Eigenschaften, die ihn von anderen schlesische Künstlern unterscheiden. Scheffler ist in seiner Malerei voller Süße und Ruhe, weshalb er manchmal als Schlesischer Raphael bezeichnet wird. Er bevorzugt Pastellfarben oft ohne starke Hell-Dunkel-Kontraste. Seine Kompositionen sind sehr dynamisch, auf der Diagonalen angeordnet oder in einer ein Dreieckstruktur, aber sie sind weit vom Ausdruck und der malerischen Freiheit früher Barockmaler entfernt.

Das beim Hauptaltar in Gościkowo Paradyż die Malerei, Skulptur und Architektur Verbindende ist die Inszenierung  des Lichts, wie im Theater. Mariä ist die wichtigste Person und ihre Himmelfahrt das Hauptmotiv. Entsprechend hervorgehoben ist beides, umgeben von der Dreifaltigkeit und einer Gruppe von Zisterziensern mit Bernard von Clairvaux an der Spitze. Auch fällt das Licht durch die Verfensterung  der Ostwand ein. Der Altar will vom Betrachter von unten nach oben „gelesen“ werden, also aus der Sicht der im Raum versammelten Gläubigen.

Der Altar enthält der Charakteristik des Barock entsprechend viele Bedeutungen, die in aufeinanderfolgenden Schichten in Bildern versteckt sind, u.a. auch auf Schefflers Tafelbild vom Hl. Martin von Tours, der seinen Mantel für einen Bettler teilte und 397 verstarb. Schefflers Martin-Darstellung in Paradies  zeigt z.B. zu Füßen des Heiligen Stuhls eine weiße Gans. Die Legende sagt, dass, Martin such, um seine Wahl als Bischof von Tours zu vermeiden, unter den Gänsen versteckt habe. Allerdings gab es ein lautes Gackern. In der polnischen Tradition wird darauf bezugnehmend am 11. November immer eine gebackene Gans zubereitet als letztes fettes Fleisch vor dem sechswöchigen Adventsfasten.

Was das Hauptbildmotiv Maria Himmelfahrt betrifft, so ist in der Kunstgeschichte oft das Einschlafen der Maria mit ihrer Auffahrt  in den Himmel kombiniert. So präsentiert das Ölbild in Paradies dann auch im unteren Teil den leeren Sarkophag umgeben von den Aposteln. Das Bild in Paradies kombiniert Maria Himmelfahrt und Krönung und die Dreieinigkeit. Solche Themenverbindungen sind im Werk von Malern wie Rubens und Giovanni Lanfranco vorzufinden. Die Inspiration für Schefflers Altar-Ölgemälde in Paradies wird dann auch in der italienischen Malerei des 17. Jhs. gesehen. Bildkomposition und deren Pathos erinnert an Guido Reni und z.B. die von gemalte Himmelfahrt der Jungfrau in der Kirche. Ambrose in Genua.

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Die dargestellten einzelnen Elemente sind ein theologischer Vortrag zur Rolle Marias in Bezug auf die Erlösung. Bozena Grabowska sieht den Altar als Ort des Allerheiligsten im Tempel Salomos, Thron und das Haus der Weisheit und von Synagoge und Ecclesia. Der Himmel wird durch den den Altar mit Engelbesatz bekrönenden Baldachin symbolisiert, der in Blau gehalten auch das Reich der Kunst kennzeichnet und für die mit dieser Farbe verbundenen Mariologischen Inhalte steht, in Übereinstimmung mit den Anforderungen der nachtridentinischen Liturgie.

Die Reliquiar-Schränke im unteren Teil des Altars sind als Bekenntnis zu den Gräbern der Märtyrer zu deuten. Die Darstellung der Maria Himmelfahrt könnte durch die diese umgebenden Heiligen bereichert sein, um symbolisch die Abwehr protestantischer Einflüsse in Brandenburg zur Entstehungszeit des Altars anzudeuten, frei nach dem Motto, dass die abgebildeten Heiligen die wahre Lehre des Glaubens verkörpern und erhalten.

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Das monumentale Werk ist eines der wertvollsten Barockobjekte in der Woiwodschaft Lubuskie. Seine Skulpturen sind erschaffen von der berühmten Bildhauerwerkstatt der Familie Hennevogel, Schöpfer der spätbarocken Ausstattung der Zisterzienserklosterkirche in Neuzelle. Die Altarbilder mit der Darstellung der Himmelfahrt der seligen Jungfrau Maria und der Apotheose des Hl. Martin wurden von einem der hervorragendsten Schöpfer des Schlesischen Barocks, Felix Anton Scheffler, gefertigt.

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Im 19. Jh. war die barocke Marmorierung des Hauptaltars erstmals vollständig überfasst worden. Bei der Restaurierung, die A. Fahlberg unter Leitung des Preußischen Staatskonservators B. Schmid 1928 ausführte, wurde die Sichtfassung in starken Rot- und Blautönen übermalt. Die neoklassizistische Übermalung der architektonischen Altarelemente 1966-68 mit weißer und grauer Ölfarbe zur Überdeckung der „preußischen Marmorierung“ hat zu einem definitiven Verwischen und zur Änderung seiner ursprünglichen Form sowie zu einer optischen Beeinträchtigung des Chorraums und im gesamten Kircheninnenraum geführt. 2002 sind diverse Ölvergoldungen vorgenommen worden, die die polierten Originalvergoldungen stören und damit das Erscheinungsbild des Altars beeinträchtigen.

Nachdem Restauratoren herausfanden, dass eine völlige Freilegung der mehrfachen Übermalungen des Hochaltars möglich ist, wurde der Altar 2010/2011 eine intensiven und komplexen restauratorischen Untersuchung und Erforschung unterzogen. In einer auf Basis der Auswertung der erstellten Dokumentation 2011 mit Mitteln des Polnischen Kulturministeriums durchgeführten ersten Arbeitsetappe wurden ein Teil des Sockels und der unteren Altarzone konserviert (der untere Teil der rechten Seite – ca. 2/3 des äußersten Südteils des Retabels ohne die Skulpturen Hl. Ambrosius und Hl. Hieronymus). Diese konservatorischen Arbeiten umfassten vor allem die Entfernung aller sekundären Veränderungen, d.h. der Übermalungen (an einigen Stellen wurden ein Dutzend Farbfassungen vorgefunden) und danach die Konservierung der freigelegten Vergoldungen und Holzmalereien zusammen mit der Grundierung. Tests mittels Tupfer mit Wasser (Probe 1), Aceton (Probe 2) und Ammoniak (Probe 3) ergaben, dass die ursprünglichen Farbschichten empfindlich gegen alle getesteten Lösungsmittel gewesen sind. Als einzige Möglichkeit der Reinigung kam eine mechanische Entfernung in Frage.

Die durch die genannten Arbeiten zurück erlangte ursprüngliche Sichtfassung der bearbeiteten Fragmente entspricht dem bauzeitlichen Konzept der Künstler, die den Altar harmonisch in den Innenraum mit seiner Ausstattung komponiert haben. Besondere Bedeutung kommt der zurückgewonnenen ursprünglichen Farbgebung der Holzmalereien zu, die eine sublime Zusammenstellung der grünen und roten Farbe darstellt, die ganz im Gegensatz steht zu jener Übermalung in weißen und grauen Farbtönen, die jahrelang den farbigen Reichtum des wertvollen Denkmals versteckte. Die aus finanziellen Gründen verhältnismäßig kleine, nur fragmentarisch freigelegte und in der ursprünglichen Gestalt wiederhergestellte Zone des unteren Altarteils hat eine Vorstellung von der ursprünglichen Pracht des Werks und dem von seinen Schöpfern beabsichtigten spektakulären Effekt gegeben, der das Innen-Erscheinungsbild der Basilika in Paradies beeinflusst. Nur eine vollständige Freilegung des Altars kann diesen Effekt sichtbar machen.

Die im Jahr 2014 mit Unterstützung der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) realisierte Etappe beinhaltete die Freilegung, Konservierung und Restaurierung aller noch unbearbeiteter Oberflächen des Altarunterstocks, mit Ausnahme des Tafelbilds Maria Himmelfahrt. Die Arbeiten umfassten hier im Detail:

  • die Entfernung der Übermalungen, Freilegung und Wiederherstellung der ursprünglichen  Farbgebung des 18. Jhs.
  • Entfernung der Sekundarmetallschichten auf den Holzschnitzereielelemten, so dass der ursprüngliche Charakter der Vergoldungen auf den Polimenten in der Technik „poliert“ und „matt“ zurückkehrt
  • Ergänzung der Vergoldungen und Versilberungen in der traditionellen Vergoldungs- und Versilberungstechnik, um dem Original so nahe wie möglich zu kommen
  • Sicherung der Neuversilberungen gegen Oxydation
  • Fortführung der Konservierung der Reliquiare
  • Konservierung der Applikationen
  • Forschungen und Dokumentation der in der Etappe 2014 ausgeführten Arbeiten.

Die Finanzierung der Etappe 2014 erfolgte als polnisch-deutsche Mischfinanzierung für ein abgearbeitetes Kostenvolumen von  etwas über 70.000 EUR. Davon 50.000 EUR wendete das Kulturministerium in Warschau zu, 15.000 EUR die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), und der Rest wurde durch das Woiwodschaftsdenkmalamt in Grünberg (Zielona Góra) und Eigenmittel aufgebracht.

Das Priesterseminar als Eigentümer der ehem. Klosterkirche hatte sich auf Vermittlung des Woiwodschaftdsdenkmalamts in Grünberg (Zielona Góra)  Ende 2013 an die DPS gewandt. Daraus entstand ein Förderantrag des Eigentümers an die DPS zur Mitfanzierung der Etappe 2014 mit dem Ergebnis der Einreichung dieses Antrags bei BKM durch die DPS und der dankenswerten BKM-Bewilligung von 15.000 EUR für die Teilmaßnahme 2014 „Konservierung und Restaurierung Tabernakel und der Inschrift  am Altartisch (versilberter Hintergrund, vergoldete Schrift)“.

Die von der DPS ausgereichten BKM-Mittel bezogen sich beim Tabernakel auf die Bearbeitung folgender Elemente: zweiflügelige Schmucktür, Tabernakelinnenraum, vergoldete und versilberte Holzschnitzapplikationen, Engelköpfe –3 St., Säulenbasen – 4 St., Säulenkapitelle – 4 St., Pilasterbasen – 4 St., Pilasterkapitelle – 4 St., große Engelsfiguren auf der Bekrönung des Tabernakels – 2 St., kleine Engelskulpturen ebenda – 2 St., Umrandung an der Tabernakelbekrönung – 4 St., Seitenumrandung: Baldachin und Felsen auf der Bekrönung, kleine Holzschnitzapplikationen. Das Schadensbild am Tabernakel hatte, neben den denkmalungerechten Farbüberfassungen, vor allem in durch Insekten-/Holzwurmbefall (Xylophagous) zerfressenen holzgeschnitzten Partien wie Kapitellen und Engelsköpfe bestanden sowie verlustig gegangenen Schnitzapplikationen und starken Verschmutzungen. Die starke biologische Korrosion bewirkte einen kompletten Abbau der Struktur der Farb- und Holzsubstanz.

Das zur Ausführung bestimmte Kostenangebot wurde durch eine beschränkte Ausschreibung ermittelt, an der drei polnische Restauratorenfirmen teilnahmen. Der Auftrag  ging dann an die Arbeitsgemeinschaft: MONUMENT SERVICE Marcin Kozarzewski, Michałowice (Leader) – Pracownia Konserwacji und Restauracji Dzieł Sztuki GOREK RESTAURO s.c. z, Warszawa (Partner) als günstigster Bieter. Die Restaurierungsetappe gelangte von Juni bis Ende November 2014 auf Basis der bis 2018 gültigen denkmalrechtlichen Genehmigung zur Ausführung.

Bei der technischen Endabnahme von Restaurierungsetappe 2015, die am 28. November 2014 stattfand, gab es keinerlei fachliche Beanstandungen seitens des Woiwodschafts-Denkmalamts. Alle Leistungen wurden entsprechend den internationalen Standards in der Denkmalpflege ausgeführt.

Das sehr qualitätvolle Arbeitsergebnis wurde am 28. November 2014 von der Restauratoren-Arbeitsgemeinschaft in Gościkowo  Paradyż einer interessierten Öffentlichkeit im Beisein des Vizewoiwoden und mehrerer regionaler und lokaler Medienvertreter vorgestellt.

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Im Zeitraum Juli bis November 2015 konnten mit Mitteln des Polnischen Kulturministeriums, des Woiwodschaftsdenkmalamts sowie deutschen Bundesmitteln und der DPS als Maßnahmenträger die Freilegung der Barock-Farbfassung und die Restaurierung der aufwendig gestalteten Bekrönung des Hauptaltars mit seinen zahlreichen Engelbegleitfiguren realisiert werden. Entfernt wurden die Weißfassung der Architekturelemente und die Sekundärvergoldung des Holzschnitzwerks. Alle Versilberungen und Vergoldungen wurden in der traditionellen Erstfassungstechnik erneuert. Weiterhin wurden die Neuversilberungen gegen Oxydation geschützt. Materialschäden und Fehlstellen an Applikationszier und Figurenschmuck wurden restauratorisch instand gesetzt. Zudem konnten 2015 mit einer Zuwendung des Marschallamts zwei der sechs großen Standfiguren des Hauptaltars, und zwar der Hl. Augustinus und der Hl. Hieronymus restauriert werden.

Die Kosten der Etappe 2015 lagen bei rund 113.000 EUR. Die Beauftragte für Kultur und Medien steuerte über die DPS 25.000 EUR bei, die explizit zur Restaurierung des unteren Teils der Bekrönung Verwendung fanden.

 

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Der restliche obere Altarteil und die Altargemälde bedurften Ende 2015 zwingend noch der konservatorisch-restauratorischen Bearbeitung. Der noch offene Kostenbedarf für diese zu bearbeitenden letzten Bereiche wurde auf mindestens 250.000 EUR beziffert.

2016 konnten die Restaurierungsarbeiten am Altaroberteil – ausgenommen Altargemälde – fortgesetzt werden. Deshalb hat man den Altar Ende 2015 erst gar nicht ausgerüstet. Da wünschenswerte größere Restaurierungsabschnitte  weiterhin nicht realisierbar sind, denn Mittel der öffentlichen Hand fehlen in der dafür notwendigen Höhe und der Denkmaleigentümer zudem Probleme mit der Aufbringung eines angemessenen Eigenmittelanteils hat, wird also bis zur Fertigstellung der Gesamtmaßnahme in zwei Restaurierungsetappen vorgegangen.

Erst aus aller nächster Nähe wird der hohe Schadensgrad der noch unbearbeiteten Teile des Hauptaltars sichtbar. Um die akut gefährdete, überregional wertvolle Originalsubstanz des Altars möglichst vollständig bewahren sowie sein durch die Weiß- und Grauüberfassung deutlich beeinträchtigtes barockes Gesamterscheinungsbild vollends wiederherstellen zu können, sind also weitere Kraftanstrengungen erforderlich.

Dabei ist eine zeitnahe Abarbeitung aller noch offenen Maßnahmen wünschenswert, geht der wertvolle Altar doch 2017 dem 280. Jubiläum der Fertigstellung seiner Erschaffung entgegen und soll er auch nicht länger als nötig im aktuell erreichten Zwischenzustand verharren.

Die Restaurierungsetappe 2016 hat ein Kostenvolumen von rund 80.000 EUR und wurde von der DPS mit 23.000 EUR Fördermittel der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt. Das Polnische Ministerium für das Nationale Erbe hat sich mit 46.000 EUR beteiligt und das Woiwodschaftsdenkmalamt mit 8.000 EUR. Und 3.000 EUR trug der Denkmaleigentümer Priesterseminar als Eigenmittelanteil. Die  Etappe 2016 ist, bis auf Restarbeiten, die Anfang 2017 erledigt sein werden, vollendet.

Die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) nimmt zur Ausfinanzierung der letzten Etappe „Restaurierung der wertvollen barocken Altargemälde“ gerne Spenden entgegen, und zwar auf ihr Konto IBAN: DE 80 8707 0024 0823 3660 00 – BIC: DEUTDEDBCHE. Bitte auf der Überweisung  als Kennwort „Paradies – Hauptaltar“ angeben. Spenden-Zuwendungsbestätigungen zur Geltendmachung bei der Steuererklärung werden gerne zugesandt.

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  • Eigentümer und Bauherr:  Zielonogórsko‐Gorzowskie Wyższe Seminarium Duchowne, Gościkowo 3, PL–66-300 Świebodzin
  • Beauftragte Restauratorenarbeitsgemeinschaft: MONUMENT SERVICE Marcin Kozarzewski, PL –05-816 Michałowice; ul. Raszynska 2 (Leader) –  Pracownia Konserwacji i Restauracji Dzieł Sztuki GOREK RESTAURO s.c. z PL –03-289 Warszawa, ul. Ruskowy Bród 79A (Partner)
  • Restauratorische Oberleitung : mgr Marcin Kozarzewski und mgr Przemysław Gorek
  • Restauratorenteam, das die Arbeiten ausgführt hat: mgr Monika Gorek, mgr Marlena Koczorowska, mgr Radosław Parol, mgr Katarzyna Dzierżawska, Magdalena Draniczarek, Waldemar Drewońko, Sabina Pietrusa, Diana Anna Kułakowska, Marek Daukszewicz, Aleksandra Mikołajczyk
  • Supervision-Inspektoren:  Dr. Barbara Bielinis–Kopeć (LWKZ), mgr Agnieszka Skowron (Inspektor WUOZ in Zielona GÓRA), Dr. Peter Schabe (DPS)
  • Forschung: S. Pawełkowicz MA, M.Sc. A. Borkowski, MA M. Wrobel, M. Sc. E. Jeżewska
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  • Heimatkreis Meseritz e.V. – Heimatkreisgemeinschaft Birnbaum. Dipl. Ing. Volker A. W. Wittich. Das Zisterzienserkloster Paradies in Goscikowo  www.heimatkreis-meseritz.de
  • Dehio G., Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin 1922. Bd.II s.358.
  • www.szlakcysterski.org/?pokaz=obiekty_cysterskie&id=40…de Zisterzienserweg in Polen
  • Grabowska B., Barokowy ołtarz główny w kościele pocysterskim w Gościkowie-Paradyżu, „Biuletyn Historii Sztuki”, LVI, 1994, nr 4, s. 381-391.
  • Grabowska B., Ołtarz główny w Paradyżu – dzieło Johanna Caspara i jego synów Johanna Wilhelma oraz Christopha Hennevoglów z Neuzelle (1739), „Ziemia Międzyrzecka. Studia z historii i kultury”, 2008, s. 29-40.
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