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SCHWEIDNITZ / SWIDNICA

Die evangelische Friedenskirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“ in Schweidnitz / Swidnica, Polen ist seit 2007 Förderprojekt der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz. 2007/2008 und 2010 - 2012 hat sich die DPS der Sicherung und Instandsetzung historischer Fenster des Weltkulturerbes angenommen. 2015 war die DPS an der Restaurierung der Großen Orgel beteiligt.

Die Friedenskirche Schweidnitz, zusammen mit der Friedenskirche im niederschlesischen Jauer / Jawor UNESCO-Welterbestätte, war in den 1990er Jahren mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland konstruktiv gesichert worden. U.a. mit Spenden aus Deutschland sind danach immer wieder Teilerhaltungsarbeiten an der Kirche durchgeführt worden. Dabei ist auch die untere Fensterreihe saniert worden. Während es hier zu Fenstererneuerungen kam, war der Ansatz der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege, als sie sich ab 2007 den unbearbeitet verbliebenen Fenstern annahm, so viel Denkmaloriginalsubstanz als möglich zu erhalten.

An der vollständig ausgemalten barocken Friedenskirche waren 2007 trotz aller bis dahin unternommenen Anstrengungen, den monumentalen Fachwerkbau zu erhalten, zahlreiche Fenster mit kaputten Scheiben anzutreffen, durch die der Wind pfiff und Regen und Schnee eindrangen. Die polyhrom gefassten Innenraum-Oberflächen und die Holzausstattung waren durch diesen unhaltbaren Zustand akuter Substanzgefährdung ausgesetzt gewesen. Bis 2011 ist es der DPS mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und des  Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gelungen, wesentlich dazu beizutragen, dass alle betroffenen Fenster (ca. 60 St.) repariert und restauriert wurden.

Nach Zuwendungen des Polnischen Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe zur Instandsetzung von Altar und Kanzel in den letzte Jahren wird aktuell u.a. mit Mitteln aus dem Norwegenfonds die Große Orgeln saniert. Die DPS ist mit einer fünfstelligen Betrag an der Restaurierung des Prospekts der Großen Orgel (Schlag-Orgel) beteiligt.

Auch hat die kleine Ev.-Augsburgische Kirchengemeinde in Schweidnitz, die mit Sanierung und Bauunterhaltung der großen Kirche überfordert ist, zuletzt erfolgreich Mittel zur Sanierung des Pfarrhauses, des Friedhofs mit Mausoleen und weiterer denkmalgeschützter Nebengebäude beantragt.

 

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Schweidnitz, polnisch Swidnica liegt in Niederschlesien an einer alten Handelsstraße am Fuße des Eulengebirges 50 Kilometer von Breslau / Wrocław entfernt.

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Mit dem Majestätsbrief von 1609 hatten die schlesischen Protestanten erstmals eine rechtliche Gleichstellung mit den Katholiken erhalten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war nur noch den schlesischen Fürsten der Augsburgischen Konfession, d.h. den protestantischen Herzögen zu Brieg (Brzeg), Liegnitz (Legnica), Münsterberg (Ziebice) und Oels (Olesnica) sowie der Stadt Breslau (Wroclaw) die freie Religionsausübung gewährt. Den Anhängern der Augsburgischen Konfession in den unmittelbar zur königlichen Kammer gehörenden Herzogstümern wurde vom habsburgischen Kaiser inmitten des katholischen Schlesiens lediglich der Bau dreier Kirchen auf eigene Kosten vor den Stadttoren von Schweidnitz, Jauer (Jawor) und Glogau (Glogów) und auf besonderes Gesuchen hin gestattet. Eine weitere Einschränkung erfolgte, indem die Genehmigungen zum Bau dieser drei sogenannten Friedenskirchenkirchen nur die Verwendung von Holz und Lehm und dazu weder Turm noch Glocken vorsahen. Auch sollten die Kirchen in nur einem Jahr gebaut sein.

Die Errichtung der Friedenskirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“ in Schweidnitz erfolgte in den Jahren 1656-1657 nach Plänen des Breslauer Architekten Albrecht von Säbisch durch die Zimmermeister Andreas Gamper und Kaspar König. Schweidnitz war zu jener Zeit ein bedeutendes Handelszentrum und konnte daher 1.000 Baumstämme für den Kirchenbau liefern. Die benötigten übrigen 2.000 Stämme stellte Graf Hans Heinrich von Hochberg bereit. Der ursprüngliche basilikale Bau bestand aus einem dreischiffigen Langhaus, das mittig ein dreischiffiges Querhaus kreuzte, zwei umlaufenden Emporengeschossen im Inneren, einer Sakristei an der Ostseite, und Vorhallen an den Haupteingängen. Außergewöhnlich sind die Abmessungen: das Langhaus erhielt ca. 44 m Länge und 20 m Breite. Das Querhaus kam auf 30 x 20 Meter und das Mittelschiff auf eine Höhe von ca. 15 Meter.

Das Bedürfnis zur Repräsentation und die immer stärker anwachsende Kirchengemeinde waren die Ursachen für eine Erweiterung der Kirche vom Ende des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts durch den An- und Einbau von Logen seitens des protestantischen Adels und von Chören seitens der Zünfte. Nach dieser Erweiterung konnte die Kirche 7.500 Gläubige aufnehmen. Im Jahr 1708 konnte die Kirche um einen frei stehenden Glockenturm erweitert werden und 1714 erhielt sie über ihrer Vierung einen Dachreiter mit einer Glocke. Im Siebenjährigen Krieg erlitt die Friedenskirche durch preußischen Beschuss auf ihrer Feldseite einen Feuerschaden. Eine erste grundlegende Instandsetzung erfolgte 1852 und mit dieser ging der Anbau einer neuen Braut- und Taufhalle einher. Zwischen 1900 und 1902 wurden viele Gefache ausgemauert, schadhafte Hölzer ersetzt und im Norden und Süden zwei neue Vorhallen angefügt. 1922 folgte die Umgestaltung der alten Totenhalle zur Gedächtnis- und Ehrenhalle für die Opfer des Ersten Weltkriegs. Hinter dem eisernen Vorhang wurde sie dann 1960 noch einmal saniert: Bis heute wird das protestantische Gotteshaus kirchlich genutzt.

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Mit ihren dunkelhölzernen überkuppelten Vorbauten erinnert die riesige Sichtfachwerkkirche an russisch-orthodoxe Gotteshäuser. Hinter den runden und polygonalen Vorhallen und Logen steigen so hoch wie nirgendwo sonst Fachwerkwände bis hinauf zu breit gelagerten Satteldächern, die heute wieder holzschindelgedeckt sind.

Der monumentale, in seinem äußeren Erscheinungsbild jedoch schlichte Fachwerkbau ist innen ein einzigartiger, prunkvoller Barockraum. Die Emporenbrüstungen schmücken alt- und neu testamentarische Zitate und Bilddarstellungen sowie zahlreiche hölzerne Epitaphe, Zunftzeichen und Gemälde. Die Deckenmalerei (1696) von Christoph Kalicki und Christian Süßenbach zeigt Darstellungen aus der Offenbarung des Johannes, zentral die Dreifaltigkeit. Bedeutende Werke der Innenausstattung sind die Kanzel (1729) und der Altar (1752) beide von Gottfried August Hoffmann sowie das Taufbecken (1661) von Pankratius Werner.

Die wertvolle Innenausstattung wird komplettiert durch die Altarorgel von 1695, die zwei Manuale besitzt und auf der obersten Empore über dem Altar im Osten steht, und durch die dreimanualige große Orgel im Westen, die zuletzt 1909 von der Schweidnitzer Orgelbaufirma Schlag & Söhne umgebaut wurde und noch den barocken Prospekt bewahrt hat.

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Die Friedenskirche zu Schweidnitz ist ein außergewöhnliches Denkmal des traditionellen schlesischen Fachwerkbaues der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, der hier an die Grenzen seiner technischen und räumlichen Möglichkeiten geführt wurde. Sie ist eine der größten Fachwerkkirchen Europas und ein besonderes Zeugnis des Miteinanders barocker Kunst und lutherischer Theologie. „All der technische Wagemut, das Genie, mit dem man die verordnete Not zur allseits bewunderten Tugend machte, diente einem Abbild der Frömmigkeit, gab einem Glauben architektonische Gestalt, der den Zustand der Welt und deren strikte Regeln mit himmlischem Absolutismus gleichsetzte“(Zitat aus Artikel in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23.12.2000).
Das UNESCO-Komitee nahm die Friedenskirchen von Jauer und Schweidnitz 2001 einstimmig in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes auf.

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Im Rahmen eines interdisziplinären deutsch-polnischen Projektes arbeiteten von 1992 bis 2002 polnische und deutsche Fachleute an der Restaurierung der Friedenskirche. Bis dahin konnte vor allem mit deutscher finanzieller Unterstützung die Fachwerk- und Außenhautrestaurierung des Lang- und Querhauses abgeschlossen werden. Es folgten anschließend mit polnischen und deutschen Mitteln die Instandsetzung der an den Hauptbaukörper angebauten Logen und Vorhallen und der Einbau einer Brandmelde-, Einbruchmelde- und Elektroanlage, so dass die Kirche inzwischen gesichert ist. 1991 konnte auch das Orgelwerk der Altarorgel im Auftrag des Vereins zur Erforschung und Erhaltung schlesischer Orgeln e.V. wiederhergestellt werden.

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Eine der dringendsten Aufgaben war die Sicherung und Instandsetzung der zahlreichen Fenster der Friedenskirche gewesen, da während der Fachwerksanierung lediglich ein Teil repariert und restauriert werden konnte.

Vor allem die sieben großen historischen Fenster in der südlichen Giebelfassade des Querhauses waren dringend zu restaurieren gewesen und ebenso acht große Fenster im Nordgiebel. Die Metallrahmenkonstruktion der Fenster war stark korridiert, die Bleiverglasung teilweise erheblich deformiert und die Bleirippen waren geschädigt. An einigen Stellen fehlten sogar die Scheiben.

Das Restaurierungskonzept sah eine größtmögliche Substanzerhaltung und nur die Vornahme partieller Ergänzungen vor. Im Jahr 2007 konnte die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz 20.000 Euro für die Restaurierung von sechs der sieben großen Südgiebelfenster und die fachliche Begleitung der Restaurierung von sieben der acht großen Nordgiebelfenster zur Verfügung stellen, die von der Gesellschaft zur Erhaltung des kulturellen Erbes e.V. betreut und von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Ernst von Siemens Kunststiftung München, Deutsches Kulturforum östliches Europa und Herrn Peter Schmidt finanziert wurde.

Mit ihrem Engagement konnte die Deutsch-Polnische Stiftung eine Folgemaßnahme 2008 mit polnischen Fördermitteln bewirken, die die Instandsetzung weiterer acht Fenster auf der West- und Ostseite inkl. des je einen verbliebenen großen Fensters im Nord- und Südgiebel zum Inhalt hatte und an deren Ausfinanzierung sie dank der Einwerbung zweckgebundener Spenden maßgeblich beteiligt war.

Um die kostbare Innenausstattung der Friedenskirche vollends vor Feuchtigkeit von außen zu schützen, ist ein letzter Fenstersanierungsabschnitt notwendig gewesen. Im letzten Quartal 2010 hat die DPS von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien die Mittel dafür erhalten, die Restaurierung der historischen Bleiglasfenster in Schweidnitz 2011 abzuschließen. Es waren insgesamt noch 36 Fenster unterschiedlicher Größe inkl. Rahmen zu bearbeiten. Im Dezember 2010 erfolgten der Ausbau, der Transport in die Restaurierungswerkstatt und die provisorische Abdichtung der Fensteröffnungen. Restaurierung und Wiedereinbau der Fenster konnten bis Ende August 2011 ausgeführt werden. Eine Zuwendung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück (DBU) an die DPS für ein flankierendes Projekt „Modellhafte Sanierungs- und Konservierungsarbeiten an bleiverglasten Ornamentfenstern und naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Erhaltung der wertvollen Innenausstattung der Friedenskirche in Schweidnitz 2010 – 2012″ mit Einbeziehung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung rundeten die Maßnahmen ab.

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  • Fachbegleitender Planer: Dr. Ulrich Schaaf, Gesellschaft zur Erhaltung des kulturellen Erbes e.V., Fulda
  • Fachbegleitender Experte für historische Fenster: Dr. Erhard Drachenberg, Berlin
  • Ausführende Restaurierungsfirma: Witraze-Beata Oleszczuk, Breslau
  • Bauherr: Evangelisch-Augsburgische Kirchengemeinde Schweidnitz
  • Fachlicher Betreuer für die DPS: Dr. Ulrich Schaaf; Universität Thorn, Institut für Denkmalpflege und Denkmalkunde, Lehrstuhl für Denkmalpflege Assistent Professor
  • Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin (Projekt 2010-2012)
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Der Prospekt der monumentalen Großen Orgel datiert von 1776-1784 und entstammt einer schlesischen Werkstatt. 1666-1669 erschuf Gottfried Klose das Orgelinstrument. Dieses wurde 1777 bis 1784 von P. Zeitus und Zabkowic überarbeitet. 1834 nahm Christian Gottlieb Schlag aus Jauer eine Renovierung vor. 1892 und 1902 wurde die Orgel von Bruno Schlag modernisiert.

Der Orgelprospekt ist aus Holz, geschnitzt, polychrom gefasst und vergoldet Holz. Die Pfeifen bestehen aus Zinn-Legierung. Es gibt einen Faltenbalg. Der Architekturprospekt ist dreigegliedert , mit reichen Verzierungen, darunter geschnitzte Rocaillen und Blumenmotive. Plastisch gestaltete Putti halten Musikinstrumente.

Die DPS hat 2015 die Restaurierung des Prospekts der Großen Orgel mit gefördert, die von dem Breslauer Restaurator Ryszard Wojtowicz ausgeführt worden ist und allein rund 600.000 EUR kostete. 85 Prozent davon wurden vom Norwegenfonds getragen.

Aus denkmalpflegerischer Sicht hätte vor der Orgelrestaurierung die Innenarchitektur und -raumschale der notwendigen Instandsetzung und Restaurierung unterzogen werden sollen. Schließlich präsentierten sich die Emporen zum Zeitpunkt der Orgelrestaurierung baufällig. Und ihre Oberflächenpolychromie war nicht zuletzt durch den Kerzenruß vergangener Tage stark verschmutzt. Dazu waren die bemalten Paneele der Innenbekleidung der Kirchenaußenwände seit ihrer Abnahme im Zuge der vor 20 Jahren durchgeführten konstruktiven Sicherung der Gebäudestatik nicht wieder angebracht gewesen. Dass die Reihenfolge nicht eingehalten und so die Orgeln und weitere restaurierte Ausstattungsteile wie der Hauptaltar, trotz Einhausung, der Gefahr der Beeinträchtigung durch Staubentwicklung ausgesetzt wurden, lag vor allem an der fehlenden Finanzierbarkeit der Emporen- und Raumschaleninstandsetzung zum damaligen Zeitpunkt. Weitere öffentliche Mittel für die Fortführung der Innenrauminstandsetzung sind bald darauf bewilligt worden.

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Die schlesischen Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer – Ein deutsch-polnisches Kulturerbe. Deutsches Kulturforum östliches Europa (Hrsg.). Text: Hans Caspary. Mit einer Einleitung von Andrzej Tomaszewski. Erschienen in der Reihe Potsdamer Bibliothek östliches Europa – Kunst. Potsdam 2005, 65 Seiten

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