Projekte

SORQUITTEN / SORKWITY

Förderprojekt 2010 war die Instandsetzung der historischen Sauerorgel in der Ev. Pfarrkirche.

Die 1876 von der Orgelbaufirma Sauer erschaffene Orgel in der barock ausgestatteten Pfarrkirche Sorquitten, ein Ort in der Nähe von Allenstein (Olsztyn) machte beim Spielen starke Nebengeräusche und klang bisweilen kraftlos und verstimmt.

Die von Fachleuten als besonders erhaltenswert bezeichnete Orgel konnte, unterstützt durch eine Spendensammelaktion von Herrn Albrecht von Klitzing (1925 – 2016) über die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, 2010 fachgerecht restauriert werden.

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Im ehemaligen Ostpreußen in der Wojewodschaft Ermland-Masuren liegt zwischen Allenstein/Olsztyn (60 km) und Sensburg/Mragowo (9 km) an der Landenge zwischen Lampaschsee (Jeziorio Lampacki) und Gielandsee (Jezioro Gielad) der Ort Sorquitten/Sorkwity mit seiner Ev. Pfarrkirche.

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1379 wurde Sorquitten als Lehngut vom Großmeister des Deutschen Ordens Winrich von Kniprode gegründet. Der ursprüngliche Name Sarkewitte leitet sich vom naheliegenden kleinen Sark-See ab. Von 1451 bis 1469 gehörte das Gut Sorquitten Jan von Krenit Przebedowski. Die nachfolgenden Eigentümer des mit einem Schloss im neugotischen Stil überkommenen Guts kamen aus den Reihen der Familien von Schlieben, von Egloffstein, von der Groeben, von Bronikowski und von Mirbach.

Eine Kirche in Sorquitten wird 1470 erstmals erwähnt. Zunächst bestand ein weich gedeckter Fachwerkbau, der um 1600 durch einen von den Gutsherren gestifteten Steinbau ersetzt wurde. 1698-99 erfolgte eine Erweiterung nach Westen, erkennbar an der senkrechten Baunaht. Die nordöstliche Sakristei ist auf 1607, die südliche Vorhalle auf 1699 datiert. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts erhält der Bau seinen in mittelalterlicher Art gestalteten dreigeschossigen Westturm. Weite Teile der Ausstattung sind aus der ersten Hälfte des 17. und vom Anfang des 18. Jhs. Das Mittelschiff wurde 1777 mit einer Tonne überwölbt, der als Chor genutzte Teil damals mit einer bemalten Flachdecke versehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in die Kirche Ausstattungsgegenstände aus der verfallenen Kirche von Kobulten transloziert. Bis heute bietet die Ev.-Augsburgische Kirchengemeinde in der Pfarrkirche Sorquitten einmal im Monat  einen Gottesdienst in deutscher Sprache an.

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Langgestreckter verputzter chorloser Feldsteinbau mit Eckstrebepfeilern an Ost- und Westseite. Gefälliges und gepflegtes Erscheinungsbild außen und innen. Die Längsfassaden, in denen barocke Lunettenfenster sitzen, aufgelockert auf der Nordseite durch den Sakristeianbau mit Staffelgiebel und die übergiebelte Vorhalle auf der Südseite. Die Turmfassade ist backsteinsichtig und durch spitz- und stichbogige Putzblenden sowie durch Putzbänder akzentuiert, Der Turn ist wie das Langhaus mit einem Dachüberstand versehen.

Der weiß gefasste Innenraum ist in ein breites Mittelschiff und zwei schmale Seitenschiffe gegliedert. Die Mittelschifftonne ruht auf vier Paar Säulen mit korinthischen Kapitellen.

Der geschnitzte polychrome Altar im Stil der Spätrenaissance wurde 1623 von Christoph Bilich und Martin Lange geschaffen, der obere Teil und die Schleierbretter von Isaac Riga aus Königsberg (1701), Zusammenbau und barocke Neuordnung 1715 durch Friedrich Pfeffer aus Königsberg. Der zentrale Teil des 1941 restaurierten und neu bemalten Altars stellt Golgatha dar. Hier sind auch die charakteristischen Merkmale für Sorquitten: Die Fischer und Bauern sowie der Palast des Hausherrn von Sorquitten und die Kirchenpatrone zu beiden Seiten, links Moses und rechts Aaron.

Taufengel und Barockkanzel (1694) sind eine Stiftung von Georg Dietrich von der Groeben, und wurden 1701 von Isaak Riga geschaffen bzw. umgestaltet (Kanzel).

Die Patronatsloge im Spätrenaissancestil hat der Schnitzkünstler Reh im Jahre 1715 angefertigt, der Barockkruzifix stammt von 1708, der Beichtstuhl, ein Werk von Johann Schwarz aus Grünwalde, von 1702 (ergänzt 1715 von Schnitzer Reh um die Brüstungsfelder mit Wappen von der Groeben und von Schlieben). Aus dem 17. und 18. Jh. ist noch das Altargerät überkommen.

Die Orgel wurde 1876 als Opus 212 von der Orgelbaufirma Wilhelm Sauer aus Frankfurt/Oder erbaut. Der Orgelprospekt präsentiert sich mit romanisierenden Rundbogenformen.

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Wiederbespielbarmachung Sauer-Orgel

Spezifikation der Sauer-Orgel in Sorquitten:
Tontraktur: mechanische Kegelladen
Registertraktur: mechanisch
Registeranzahl: 13, II/P
Stimmtonhöhe: 441 Hz/18° C
Disposition: I. Manual C-f´´´, II. Manual C-f `´´, Pedal C-d`. Spielhilfen: Koppeln II/I, I/P, als Tritt

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Die Orgel hat alle Zeiten weitgehend originalgetreu überstanden und der Zustand war vor der Restaurierung, verglichen mit anderen Instrumenten noch erträglich. Der Wert des Instruments wird von Orgelexperten als ungemein hoch eingeschätzt. Bei sachkundiger und behutsamer Instandsetzung wird, so wurde prognostiziert, der warme, differenzierte, aber auch mächtig tragfähige Klang in vollem Umgang wieder erlebbar. Über die Nutzung im Gottesdienst hinaus ergäben sich gerade im konzertanten Bereich bisher ungeahnte Möglichkeiten, hatte es geheißen.

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Zu große Geräuschhaftigkeit der Mechanik. Zum Teil gehört es etwas zum Typ der Orgel, ging aber im Hauptmanual deutlich über die Toleranzschwelle hinaus. Die Tontraktur arbeitete auch nicht mehr gleichmäßig, besonders im Diskant der Klaviaturen gab es starke Unregelmäßigkeiten bezüglich Regulierung und Tastendruck. Das hat bei anspruchsvoller Nutzung unweigerlich zu spielerischen Problemen geführt. Für viele Störungen und Unzulänglichkeiten im klanglichen Bereich lagen auch hier die Ursachen. Stimmung und Intonation litten insgesamt natürlich auch unter der Verschmutzung des Pfeifenwerks und dem ab gesenkten Winddruck – die Orgel klang bisweilen kraftlos und stark verstimmt.

Wesentliche Veränderungen seit der Erbauung sind: Austausch der Prospektpfeifen aus Zinn gegen Zinkpfeifen, allerdings mit teilweise gravierten Labien; Neubau eines Blasebalgs (als Schwimmerbalg mit Schöpfhebel). Der Winddruck entsprach mit 60 mm Ws nicht mehr dem Original, bei Sauer sind ca. 70-80 mm Ws normal.

Das Gehäuse hatte ursprünglich eine dunkelbraune Farbfassung (Edelholzimitation). Heute haben wir auf dem ganzen Gehäuse einen deckenden weißen Farbanstrich. Die Beschläge der Gehäusetüren sind defekt oder zerstört, teilweise wurden Holzknebel angebracht.

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Der Instandssetzungsempfehlung „umfängliche Restaurierung mit Rückgängigmachung aller Veränderungen wie Neubau der Prospektpfeifen in Zinn, Rekonstruktion der alten Balganlage, Freilegung der originalen Farbfassung Prospekt und Werkstattrestaurierung der wichtigen Bauteile (Traktur, Windladen und Spieltisch)“ konnte wegen Nichtfinanzierbarkeit der veranschlagten Kosten (ca. 65.000,00 €) nicht gefolgt werden. Zur Ausführung gelangte im Mai 2010 der Alternativvorschlag „Wiederbespielbarmachung – Intensive Überarbeitung/ Sanierung/Pflege aller wichtigen Orgelteile“. Die gewählte Variante zielt auf eine deutliche Verbesserung und Stabilisierung des Zustands der Orgel ab. Eine umfassende und inten- sive Nutzung ist damit für die nächsten Jahrzehnte garantiert. Besonders die Klangqualität wurde in vollem Umfang wieder erlebbar gemacht. Die Zukunft der Orgel sollte auf Jahrzehnte hinaus gesichert sein.

Die Finanzierung der Maßnahme ist ausschließlich durch zweckgebundene Spenden an die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz und eine Zuwendung des Marschallamts der Wojewodschaft Ermland-Masuren zustande gekommen. Initiator der etwa einjährigen Spendenaktion und die treibende Kraft für die Realisierung des Projekts ist Herr Albrecht von Klitzing (1925 – 2016) gewesen, der mit seiner Firma Pro Mazury Spolka z o.o. u.a. ein Hotel in Sorquitten betrieb und dem die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz für sein vorbildliches Engagement für die Erhaltung der Sorquittener Sauer-Orgel immer dankbar sein wird.

Folgende Arbeiten wurden in einem dreiwöchigen Arbeitseinsatz vor Ort ausgeführt:

1. Pfeifenwerk
Ausbau und Reinigung, Überarbeitung der Metallpfeifen, Ausführung notwendiger Reparaturen an Stimmvorrichtungen und Pfeifenmündungen, Nachdichten der Stimmkapseln. Überarbeitung der Holzpfeifen, Abdichten der Stöpsel, Überarbeitungen der Stimmvorrichtungen, Durchsicht der
Holzpfeifenkörper und Leimfugen

2. Windladen
Reinigung aller Windladen, teilweise Steckdemontage, Überprüfung der Befestigungen, Erneuerung von 13 Registerpulpeten. Demontage der Tonventilwellen im I. Manual, Austausch aller Kegelfilze und Lederscheiben unter der Windlade, Überprüfung der Achslager. Neue Stifte/Filze, Erneuerung der Leder- und Filzpolster zur Geräuschdämpfung, Wiedereinbau und Regulierung

3. Windanlage
Reinigung und Abdichtung, Wiedereinstellung der originalen Winddrucks ca. 70-80 mm Ws

4. Ton- und Registertraktur
Durchsicht aller Trakturteile. Austausch defekter Mechanikglieder und Verbindungsteile, Abstraktendrähte und Reguliergewinde wurden möglichst erhalten., bewegte gebogene Abstraktendrähte wurden, wo notwendig, ausgetauscht. Komplettregulierung der Traktur zwischen Windlage und Klaviatur. Überarbeitung der Manual- und Pedalkoppel

5. Spieltisch
Teildemontage. Die Klaviaturen wurden überarbeitet, ausgespielte Lagerstellen und Führungen nachgarniert und neu einjustiert. Reinigung, Konservierung und Justierung der Klaviaturstifte. Die Klaviaturen wurden einreguliert (10-11 mm je nach Befund). Die Koppelapparate wurden durchgesehen und justiert, verschlissene Teile Ledermuttern und Filzscheiben bei Bedarf erneuert. Die Registerzüge wurden in ihrer Führung stabilisiert, die fehlenden 5 Porzellanschilder ergänzt. Auffrischung der Politur im Klaviaturen- bereich. Anbringung optisch passender Notenpultbeleuchtung

6. Orgelgehäuse und Anlage
Nach der Demontage des Pfeifenwerks erfolgte eine Reinigung des Gehäuses und aller Innenteile. An holzwurmbefallenen Teilen Behandlung mit Holzschutzmittel, andere Holzteile erhielten, wo notwendig und üblich, eine Hartölkonservierung

7. Intonation und Stimmung
Nach Abschluss der Instandsetzungs-/Reinigungs- und Konservierungsarbeiten Einbau des Pfeifenwerks und intensive Nachintonation des gesamten Pfeifenbestands. Die Wiederherstellung des originalen Klangbilds bei nunmehr originalem Winddruck war die Hauptaufgabe dieses Arbeitsbereichs.

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  • Ausführung der Maßnahme: Orgelwerkstatt Christian Scheffler; D–Jacobsdorf OT Sieversdorf
  • Bauherr: Firma Pro Mazury Spolka z o.o., Sorquitten, Albrecht von Klitzing (†)
  • Eigentümer: Ev.-Augsburgische Pfarrgemeinde Sorquitten, Pfarrer Krzysztof Mutschmann
  • Fachbegleitung der Maßnahmen: Martin Rost, Organist und Orgelsachverständiger, D–Stralsund und für die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz: Prof. Christofer Herrmann, Universität Danzig
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