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STEINORT / SZTYNORT

Das ehemalige Herrenhaus der Familie von Lehndorff ist das Hauptprojekt der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS). Der Name von Lehndorff ist vor allem bekannt durch Graf Heinrich von Lehndorff, dem letzten Herrn auf Schloss Steinort, der am gescheiterten Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt war und kurz darauf sein Leben lassen musste. Nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" verfiel die ehemalige ostpreußische Gutsanlage in schnellem Tempo. Ende 2009 ist es, vorangetrieben von der DPS, gelungen, das Herrenhaus in das Eigentum der polnischen Schwesterstiftung der DPS, der Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF) zu übertragen. Seitdem konnten beide Stiftungen vor allem mit Fördermitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), des Polnischen Ministeriums für das Nationale Erbe und privaten Spenden aus Deutschland notsichern und damit vor dem Einsturz bewahren. Zuletzt konnten 2015 mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück (DBU) und der Technischen Universität Dresden unter Leitung des Tragwerkplaners Professor Dr.-Ing. W. Jäger in einem Modellvorhaben der Nordwestturm konstruktiv gesichert, ein Teil der Fundamente und Drainage ertüchtigt sowie mit privaten Spenden die Herrichtung des Ostflügels für ein provisorisches Informationszentrum begonnen und das Schloss im November winterfest gemacht werden. 2016 sollte die Gebäudesicherung mit Fertigstellung der Drainagenwiederherstellung, einer Dachstuhlteiinstandsetzung des Kernbaues und der Notsicherung der noch überkommenen polychromen Raumfassungen fortgeführt werden, Arbeiten, zu deren Finanzierung ein Förderantrag 2016 an das Polnische Ministerium für Kultur und Nationales Erbe gestellt worden ist. Dieser Antrag hat jedoch knapp eine Bewilligung verpasst und ist deshalb im Herbst 2016 mit Nachbesserungen nochmals für eine Förderung 2017 gestellt worden. Indes hat sich 2016 ein polnischer Investor für die ehemalige Gutsanlage Steinort gefunden, der einen EU-Förderantrag zu deren Umwandlung in ein Resort gestellt hat und bereit ist, bei einer Bewilligung des Antrags Schloss Steinort als Pächter mit Förder- und Eigenmitteln zu sanieren. Der von Schlosseigentümer und Pächter gefundene Kompromiss sah im Sommer 2016 so aus, dass der wertvolle Mittelteil des Schlosses und ein Teil des Westflügels weiterhin einer öffentlichen kulturellen Nutzung vorbehalten gewesen sind mit der PNF als Träger während aus Gründen der Finanzierbarkeit des Projekts und im Hinblick auf dessen wirtschaftliche Tragfähigkeit ansonsten im Schloss in denkmalverträglicher Form gehobene Hotelappartments untergebracht werden sollten. Dabei sollte die polnische Schwesterstiftung den Architekten für die Sanierung des Schlosses bestimmen können. Im Herbst 2016 haben sich die Pläne dahingehend geändert, dass nicht zuletzt durch eine geforderte Nachbesserung des EU-Förderantrags durch den Investor die Unterbringung von Hotelappartments im Schloss aufgegeben wird. Die Anzahl der Hotelappartments, auf die sich der Investor im Sommer 2016 mit der PNF geeinigt hatte, wurde als wirtschaftlich nicht tragfähig genug eingestuft. Die Nachbesserung des EU-Antrags beinhaltet nunmehr ausschließlich eine Nutzung von Schloss Steinort für Ausstellungen, museale Zwecke und Tagungen. Die PNF bestimmt weiterhin den Architekten und ihr soll auch weiterhin die Trägerschaft für den kulturellen Nutzungsanteil obliegen.

Schloss Steinort / Sztynort ist ein erhaltenswertes Denkmal des gemeinsamen deutsch-polnischen Kulturerbes. Vor dem Hintergrund des Beitrags seines letzten Lehndorff-Eigentümers Heinrich Graf von Lehndorff zur Beendigung der Naziherrschaft ist die Bewahrung der Denkmalanlage für das deutsche Gedächtnis eine wichtige Aufgabe. Außerdem zählt die historische Schloss- und Parkanlage heute zu den bedeutendsten baulichen Zeugnissen in Masuren und dem ehemaligen Ostpreußen.

Durch Vernachlässigung ist das Schloss fast zur Ruine geworden und der Park vollständig verwildert. Unter dem Dach mit der Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF) als Schwesterstiftung in Warschau und seit Ende 2009 Eigentümerin des Schlosses sowie mit der Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V. haben sich kulturinteressierte Menschen aus beiden Nationen zusammengefunden, um Steinort zu retten und das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In den Jahren 2010 und 2013 konnte Schloss Steinort mit privaten Spenden aus Deutschland und einer Zuwendung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und des polnischen Ministeriums für das Nationale Erbe konstruktiv stabilisiert und von oben abgedichtet und von den Planern der Stiftungen die Baudokumentation weitgehend erstellt und Schadensanalysen durchgeführt werden. 2014/15 lief ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Projekt zur Trockenlegung und Fundamentverstärkung des Gebäudes mit der TU-Dresden, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Tragwerksplanung Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger, das sich auf den Westteil des wertvollen Mittel- bzw. Kernbaues und den Westflügel konzentrierte, die am stärksten statisch mauerwerksgefährdet und von aufsteigender Feuchtigkeit betroffen waren. Dazu konnte der bis dahin einsturzgefährdete Nordwestturm durch Prof. Jäger statisch gesichert werden.

2016 hat sich ein polnischer Investor gefunden, der beabsichtigt, die ehemalige Lehndorff´sche Gutsanlage in ein Resort umzuwandeln. Auf sein Angebot, Schloss Steinort in sein Projekt einzubeziehen, ist die polnische Schwesterstiftung der DPS  als Schlosseigentümer mangels tragfähiger Alternativen eingegangen. Der Investor hat für das Projekt fristgerecht Ende Juni 2017 einen Förderantrag auf EU-Wirtschaftsförderung eingereicht, dem nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Schaffung von in der Region so dringend benötigten Arbeitsplätzen Bewilligungshancen eingeräumt werden. Im Erfolgsfall verpflichtet sich der Investor, das Schloss mit einem von der PNF bestimmten Architekten ausschließlich mit Förder- und Eigenmitteln denkmalverträglich zu sanieren und anschließend die Betriebskosten zu übernehmen. Die polnische Schwesterstiftung hat als Voraussetzung für die Einbeziehung von Schloss Steinort in den EU-Förderantrag in Abstimmung mit der DPS einen Vertrag mit dem Investor als Pächter geschlossen. Dabei hat sie sich bestimmte Rechte gesichert, u.a. zur öffentlichen kulturellen Nutzung eines Großteils des architekturgeschichtlich bedeutenden Kernbaues in eigener Trägerschaft.

Da bei einer Bewilligung des EU-Antrags nicht mit einem Baubeginn am Schloss ab der ersten Jahreshälfte 2018 zu rechnen ist, sind als dringende nächste Notsicherungsmaßnahmen die Fortführung und Fertigstellung der Drainagearbeiten, die Schwammbekämpfung sowie die Konservierung der Decken- und Wandmalereien zu bewältigen, und die Fertigstellung der Errichtung eines provisorischen Informationszentrums im Ostflügel ist auch noch eine Aufgabe. Förderanträge 2016 und zuletzt 2017 an das Polnische Ministerium für das Nationalerbe zu diesen Maßnahmen sind leider knapp gescheitert ist.

Außerdem ist die Baudokumentation fertigzustellen und die Nutzungsplanung voranzutreiben, um bei einer Bewilligung des EU-Förderantrags bestmögliche Grundlagen für die Erstellung der Baugenehmigung und die anschließend beginnenden Sanierungsarbeiten zu haben. Und eine 2012 erfolgreich als Jugendprojekt durchgeführte Arbeit zur Entwilderung des historischen Parks, für den es ein Vorkaufsrecht der polnischen Schwesterstiiftung PNF gibt, soll mittelfristig möglichst wiederholt werden. Zudem ist die PNF 2013 Eigentümerin des Familienfriedhofs mit dem stattlichen neugotischen Lehndorff-Mausoleum geworden, das dringend sicherungsbedürftig ist.

Bevor der 2017 gestellte EU-Antrag des Investors möglicherweise greift, sind, wie dargelegt, dringend die nächsten Mindestmaßnahmen durchzuführen, um den in den letzten Jahren dank privater Spenden und Mitteln der öffentlichen Hand erreichten Sicherungszustand von Schloss Steinort halten und in dem gebotenen Maß weiterentwickeln zu können. Dafür werden sehr dringend weiterhin Spenden benötigt! Und dann sind da die ausgelagerten originalen barocken bemalten Deckenbretter aus dem Schloss, die 2016 an einen sicheren Platz in der näheren Umgebung von Steinort umgelagert werden mussten, die in ein saniertes Schloss wieder eingebaut werden sollen und für deren Bewahrung eine monatliche Lagermiete zu zahlen ist. Auch dazu ist die Polnische Deutsche Stiftung Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF) derzeit weiterhin auf Spenden ihrer deutschen Schwesterstiftung DPS angewiesen. Darüberhinaus gilt es, bereits jetzt, Spenden anzusammeln, um den wertvollen Mittelbau, im Falle der Bewilligung des EU-Förderantrags, dann rechtzeitig für eine angemessene öffentliche kulturelle Nutzung im Verbund mit für die Einrichtung zu beantragenden öffentlichen Mitteln herrichten zu können. Daher bitten wir Sie vielmals, die DPS durch Spenden zur Bewahrung und Revitalisierung von Schloss Steinort nach besten Kräften zu unterstützen. Jeder Betrag ist willkommen! Zuwendungsbestätigungen stellt Ihnen die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) gerne aus. 

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Steinort, polnisch Sztynort, liegt 115 km nordöstlich von Allenstein /Olsztyn in der Wojwodschaft Ermland-Masuren. Die landschaftliche Situation auf einer vom Mauer-, Kirsaiten- und Labab-See umgebenen Halbinsel im Norden der Großen Masurischen Seenplatte ist besonders reizvoll. Ein großes Waldgebiet mit 300 bis 400 Jahre alten Eichenalleen und einige Gutshöfe gehören zu dem ostpreußischen Kulturerbe. Von Steinort nach Königsberg sind es (Luftlinie) ca. 70 km, nach Warschau ca. 200 km und nach Berlin ca. 700 km.

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Seit 1420 oder 1565 war die Ortschaft im Besitz der Familie von Lehndorff, die aus der Gegend von Königsberg stammte. Ihr Gutshaus wurde nach Aufstaumaßnahmen am Mauersee auf die Anhöhe der Halbinsel verlegt, und bis 1572 entstand ein Nachfolgebau. Das Schloss der Grafen von Lehndorff ging während des Tatareneinfalls 1656 in Flammen auf. Was man heute sieht, ist im Kern der dritte Bau aus der Barockzeit. Bauherrin war Gräfin Marie Eleonore, geb. Dönhoff (1664 – 1724), letzte Gattin des dreimal verheirateten Oberburggrafen und Generalleutnants Ahasverus Graf von Lehndorff, der 1683 oder 1687 den Reichsgrafentitel für sich und seine Nachkommen errang. Die barocke Schlossanlage entstand 1689-1693 zusammen mit einem dem Ehrenhof vorgegten Wirtschaftshof, dessen Gebäulichkeiten u.a. aus einem Brau- und Mälzhaus (im 19. Jh. zum Speicher neugotisch umgestaltet und noch vorhanden) und einem Torhaus (bereits 1807 abgebrochen) bestanden.

Aus der Barockzeit stammt nur noch der annähernd quadratische Kernbau (Mittelbau) des Schlossbaukörpers mit dem imposanten Walmdach. Die neugotischen Fialen an der Auffahrtsseite ersetzten um 1860 den alten Mittelgiebel. Die beiden Seitenflügel der Vorderfront wurden 1829 angebaut, die drei Ecktürme (einer an der Hof-, die anderen beiden auf der Gartenseite)  zwischen 1860 und 1880 hinzugefügt.

Nach dem Bezug der Wolfsschanze bei Rastenburg durch Hitler am 24.6.1941 wurde ein Teil des Schlosses als „Feldquartier“ für Außenminister von Ribbentrop requiriert, blieb aber trotzdem noch Wohnort der Familie von Lehndorff. Der letzte Besitzer, Heinrich Graf von Lehndorff, heiratete 1937 Gottliebe Gräfin Kalnein. Während des Zweiten Weltkrieges schloss er sich der Widerstandsbewegung gegen Hitler an. Nach dem Scheitern des Attentats am 20. Juli 1944 wurde Heinrich Graf von Lehndorff nach Königsberg, später nach Berlin transportiert und seine gesamte Familie verhaftet. Er wurde am 4. September 1944 in Plötzensee hingerichtet.

Am 22. Juni 2009 wäre Heinrich Graf von Lehndorff 100 Jahre alt geworden und aus diesem Anlass wurde an diesem Tag zu seiner Erinnerung ein Gedenkstein vor dem Schloss enthüllt. Das Projekt konnte von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz mit Mitteln des Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien realisiert werden.

Bis Anfang 1947 waren Soldaten der Roten Armee im Schloss einquartiert, vor deren Eintreffen die Familie ihre reiche Steinorter Innenausstattung – Gobelins, Porzellan, Möbel, Gemälde – auf die Burg Kriebstein in Sachsen zu der befreundeten Familie verbrachte, von wo aus ein Teil des Inventars in sächsische Museen verschwand. In dieser Zeit befand sich in Steinort eine Sammelstelle für ostpreußisches Vieh, bevor es seine Reise nach Russland antrat. Längere Zeit nach 1945 war im Schloss die Verwaltung eines staatlichen Landwirtschaftsbetriebes untergebracht, später beherbergte der Herrensitz eine Segelschule. Dann wurde Steinort Eigentum der Gemeinde Angerburg (Węgorzewo). Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ geriet die Schlossanlage in die Hände eines Österreichers, der mit der Sanierungsaufgabe überfordert war.

Unter dem Dach der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz agierte von 2007-2010 der Förderkreis Steinort, der die Stiftung als Initiative bei deren Engagement für die Rettung des akut vom Verfall bedrohten Ensembles in buchstäblich letzter Minute und Bemühungen um eine denkmalverträgliche Revitalisierung dieses besonders erhaltenswerten deutsch-polnischen baukulturellen Zeugnisses unterstützt hat. Aus dem Förderkreis hat sich im Herbst 2010 die Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V. gegründet, mit der der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz und deren polnischer Schwesterstiftung fortan für ihr Steinort-Projekt ein institutionalisierter Partner nicht zuletzt für die notwendige Generierung von Spenden zur Seite steht.

Mit einem von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) mit Mitteln des Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten und zusammen mit der Stiftung Borussia in Allenstein/Olsztyn Anfang November 2008 ebenda veranstalteten Steinort-Symposiums konnte als ein erster Schritt die Bedeutung der Schlossanlage der interessierten Öffentlichkeit erfolgreich näher gebracht werden. Danach wurde vom Denkmalamt der Wojewodschaft Ermland-Masuren ein neues Baugutachten in Auftrag gegeben, das Grundlage für eine dringend notwendige erste Notsicherung gewesen ist.

Nach einem Besuch des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsminister Bernd Neumann MdB auf Einladung der Stiftung im Juli 2009 in Steinort folgte ein Eilantrag der DPS für die Bewilligung von BKM-Mitteln für erste u.a. in Anbetracht der akuten Teileinsturgefahr des Dachs über dem Mittelbau umgehend notwendige Notsicherungsarbeiten. Dem Eilantrag wurde von BKM unter der Voraussetzung  des Vollzugs des vorgesehenen Eigentümerwechsels und einer künftigen öffentlichen Nutzung des Schlosses im Oktober 2009 stattgegeben.

Im Juni 2009 konnte zwischen der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) und dem damaligen polnischen Eigentümer des Herrenhauses, der T.I.G.A. S.A. ein „Letter of Intent“ als Vorstufe zur Übernahme des Schlosses unterzeichnet werden. Am 30. November 2009 war es dann soweit: an diesem Tag wurde in Warschau zwischen T.I.G.A. S.A. und Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony i Zabytków (PNF), der Schwesterstiftung der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz in Warschau, ein notarieller Vertrag unterzeichnet, mit dem Schloss Steinort und mit dem Baudenkmal die GmbH der T.I.G.A., die das Schloss als Untergesellschaft der T.I.G.A. direkt besaß, für 1 PLN an die PNF verkauft.

2010 hat das Projekt „Rettung von Schloss Steinort“ von deutscher Seite fachtechnische Unterstützung durch die Beuth Hochschule für Technik Berlin (Fachbereich Bauingenieur- und Geoinformationswesen) erfahren und seit 2011 vor allem von der Technischen Universität Dresden (Fakultät Architektur, Lehrstuhl Tragwerksplanung). An einer Kooperation mit äquivalenten polnischen bildungswissenschaftlichen Einrichtungen wird gearbeitet.

Im Dezember 2013 folgte die Übertragung der ganz in der Nähe der auf Schloss und Dorf Groß Steinort zuführenden Eichenallee zwischen Steinorter und Dargeinensee am Ufer gelegenen Begräbniskapelle der Familie von Lehndorff an die Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF) nebst des ehem. Familienfriedhofs. Bei der Grabkapelle handelt es um einen im Stil der Neugotik erschaffene zentralbauartigen Baukörper aus Backstein mit einem Untergeschoss (Gruft?), bei dem es sich von der Größe her eher um ein Mausoleum handelt.

Die Berliner Landschaftsplanerin Katrin Schulze hat dazu 2012 recherchiert:“ Im Umfeld befinden sich vereinzelt Grabkreuze – offensichtlich wurde das Gelände zumindest in den 1930er Jahren aber als eine Art Dorffriedhof genutzt, die wenigen lesbaren Inschriften sind Lehrer und andere Bürgerliche. Nach dem Beitrag von Kilian Heck in Antje Vollmers Buch „Doppelleben“ wurde die Kapelle 1853-55 errichtet (siehe dort S. 376 / 377). Im Lehndorff’schen Familienarchiv in Leipzig gibt es dafür einen Eingabeplan aus dem Büro des Architekten Friedrich August Stülers.“
Der PNF fällt durch die vom Woiwoden vorgenommene offizielle Schenkung von Grabkapelle und Friedhof, die sich zuvor im Eigentum des Starosten befanden, auch die verantwortungsvolle Aufgabe zu, die Lehndorff´sche Sepulkralanlage als wichtigen Bestandteil des Denkmalensembles historisches Gut Groß Steinort nachhaltig zu erhalten. Erfreulicherweise ist die Kapelle noch nicht akut substanzgefährdet.

2015 haben die Vorstände der beiden Stiftungen PNF und DPS aus sich heraus eine Steinort-Baukommission gegründet, die den Bauherrn in allen Schloss Steinort betreffenden Bauangelegenheiten vertritt. Sie ist somit auch der unmittelbare Ansprechpartner für die beiden in das Projekt involvierten Planerteams, der „Arbeitsgemeinschaft Architekturbüro festgrupa, Warschau – Dr. Krekeler Generalplaner GmbH, Brandenburg a.d.Havel – Ingenieurbüro Krämer, Berlin“ und des Teams „Professor Jäger“.

2016 hat die PNF mit der Schloss Steinort GmbH (Gesellschaft Pałac w Sztynorcie Sp. z o.o.), die der direkte Eigentümer des Herrenhauses ist und deren alleiniger Gesellschafter die PNF ist (die Gesellschaft wurde 2009 vom Voreigentümer mit übernommen), einen Vertrag mit einem polnischen Investor als Pächter von Schloss Steinort abgeschlossen. Der Investor beabsichtigt, die ehemalige Gutsanlage in ein Resort umzuwandeln und hat dafür fristgerecht im Juni 2017 einen Förderantrag auf EU-Wirtschaftsfördermittel gestellt, in den Schloss Steinort durch den geschlossenen Pachtvertrag einbezogen ist. Der EU-Förderantrag ist nicht ohne Erfolgsaussichten, würde seine Bewilligung doch Arbeitsplätze schaffen, die in der Region dringend benötigt werden. Der Pachtvertrag regelt, dass der Investor Schloss Steinort mit einem von der PNF bestimmten Architekten denkmalverträglich saniert und anschließend die Betriebskosten übernimmt. Das Nutzungskonzept, auf das sich Investor und PNF einigen konnten, siah vor, einen Großteil des wertvollen Mittelbaus für kulturelle Zwecke öffentlich zu nutzen in Trägerschaft der polnischen Schwesterstiftung und den übrigen Teil des Herrenhauses für Hotelappartments, die der Investor betreibt. Nachdem sich die vereinbarte Anzahl an Hotelapartments für Investor und Entscheider über den EU-Antrag doch als unwirtschaftlich erwies, könnte Schloss Steinort nunmehr vor allem für Ausstellungen, museale Zwecke und Tagungen genutzt werden. Der PNF obliegt dabei weiterhin die Trägerschaft für den Teil der kulturellen Nutzung.

 

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Die seit Anfang der 1990er Jahre immer wieder zur Disposition stehende Gutsanlage „Groß Steinort“ umfasst insges. 54 ha. Von dem im 19. Jh. schließlich südwestlich des Schlosses konzentrierten Wirtschaftshof sind, neben Speicher, ehem. Kuhstall und Rentei, noch der ehem. Pferdestall (z.T. als Werft genutzt) und die ehem. Scheune (z.T. eingestürzt und ungenutzt) erhalten. Zur Anlage gehört ferner der bis an den Mauersee reichende 16 ha große Landschaftspark mit einem Bestand an Naturschutzdenkmälern, darunter  vierhundertjährige Eichen, neugotischer Kapelle und klassizistischem Teehaus. Zur Anlage gehört ebenfalls der Haussee (Steinorter See) mit dem neugotisch gestalteten Lehndorffschen Familienmausoleum und einem Friedhof gegenüber dem Gut. Der See ist durch einen Stichkanal mit dem Mauersee verbunden.

Von der einstigen baufesten Ausstattung im Schloss, die überkommen ist, sind vor allem der originale Dachstuhl, die repräsentative Haupttreppe, die polychromen Deckenbalken sowie die barocken bemalten Deckenbretter (ca. 1.500 qm!), die zu ihrem Schutz ausgelagert werden mussten, und bemalte Wandfriese zu nennen.

Was die bewegliche Ausstattung betrifft, konnte 2013 eine stattliche Anzahl originaler Exponate, darunter Möbel und Gemälde aus sächsischen Museen an die Familie von Lehndorff restituiert werden. Es gibt Überlegungen, diesen überkommenen und z.T. von einer Gruppe von Kunstfreunden erworbenen Teil des originalen Inventars als Dauerleihgabe in ein saniertes,Schloss Steinort einzubringen, wenn  dort, und das hieße dann im öffentlich kulturell zu nutzenden Kernbau, angemessene Voraussetzungen zur Präsentation der Exponate vorhanden sind.

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Von den einstigen großen Familiengütern Ostpreußens ist Steinort die einzige im Bauzustand seit dem 17. Jh. nahezu komplett erhaltene Gesamtanlage. Das Ensemble mit dem barocken Herrenhaus und stattlicher Eichenallee als Auffahrt, mit dem Dorf der Instleute und dem Park zur Gartenseite, dem Blick zum Haussee von der Frontseite, mit Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden sowie den Pferdeställen um den Wirtschaftshof macht eine klassische Gutsanlage dieser Region sicht- und erlebbar. Die Anlage ist trotz der Einwirkungen von Krieg und Nachkriegszeit weitgehend authentisch überkommen.

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Seit mehr als 20 Jahren vernachlässigt, verlangt der wertvolle bauhistorische Gebäudebestand der ehemaligen Gutsanlage dringend eine grundlegende Substanzsicherung. Der zuletzt erfolgte Ausbau des Ensembles als Yachthafen durch die Firma T.I.G.A. S.A., hat die Nutzung der denkmalgeschützten Gebäude ebenso wie die Pflege der natürlichen Umgebung, Parkanlagen und Wälder, weitgehend unberücksichtigt gelassen. Die Folge ist ein fortschreitender Verfall der historischen Substanz, die noch im jetzigen ruinösen Zustand große Anziehungskraft auf Touristen ausübt, die jährlich zu hunderten dort vorbeiziehen. Zur Zeit befinden sich das Äußere und Innere des Schlosses, obgleich seit dem die Eigentümer-GmbH in Händen der PNF ist, mehrere Notsicherungsmaßnahmen durchgeführt wurden, noch immer in einem ungenügend gesicherten Zustand. Die statische Konstruktion ist schwach, vor allem bezogen auf auf den dreistöckigen liegenden Dachstuhl über dem Kernbau, bei dem die geschädigte oberste Balkenlage das Hauptproblem bildet, und den Dachstuhl über dem westlichen Seitenflügel, der weitgehend seiner Schwelle verlustig ist. Hinzu kommt die anfällige Nordseite des Schlosses mit einer scheinbar schwierigen Bodenbeschaffenheit. Provisorisch geschlossene Fenster potenzieren das Schadensbild. Viel Substanzverlust ist innen zu beklagen. Allenfalls noch schemenhaft sind Reste von Wandbemalungen zu erkennen, die es dringend konservatorisch zu sichern gilt, bevor auch diese letzten wandgebundenen Zeugnisse der historischen Innenraumdekoration verschwunden sind. Vom einstigen Stuckdekor finden sich keine Spuren mehr. Ähnliches gilt für die historischen Bodenbeläge. Von den kunstreichen Kaminen und Kachelöfen haben sich Fragmente erhalten, die ausgelagert sind. Jedoch sind von den bemalten Plafonds im Mittelbau noch die meisten Deckenbalken in situ vorhanden und viele der Deckenbretter geborgen (die polychrom bemalte barocke Holzdecken könnten somit partiell wiederhergestellt werden).

Den rechten Schlossflügel (östlicher Seitenflügel) hat die T.I.G.A. teilerneuert. Mehr nicht. Die übrigen Teile des Schlosses ließ sie weiter verfallen. Der Park mit seinen uralten Eichen- und Buchenalleen ist verwahrlost.

Wie kann das Herrenhaus Steinort mit seinem historischen Ambiente gerettet werden?

Das Ensemble mit dem Herrenhaus, den historischen Wirtschaftsgebäuden und dem Park bietet vielfältige und abwechslungsreiche Möglichkeiten der Neunutzung. Wünschenswert wäre ein Nutzungskonzept, das die Substanzsicherung und eine dauerhafte denkmalverträgliche öffentliche Nutzung des Ensembles gewährleistet sowie dessen nachhaltige Finanzierung sichert. Allein, es hat sich bis heute keine Finanzierung für diese substanzschonendste Lösung gefunden. Zumindest für Herrenhaus und historischer Park wurde bis 2016 eine voll umfängliche öffentliche kulturelle Nutzung angestrebt. Dafür standen die Stiftungen PNF und DPS ein. Nach Ablehnung der von der Gesellschaft Schloss Steinort der polnischen Schwesterstiftung PNF zur Fortführung von Notsicherungsmaßnahmen gestellten Förderanträge 2015 und 2016 durch das Polnische Ministerium für das nationale Erbe und der Erkenntnis daraus, dass es damit auch nicht mehr in kleinen Sicherungsschritten weitergehen konnte, haben die Stiftungen 2016, als sich ihnen plötzlich und für kurze Zeit, und zwar bis zur Antragsfrist im Juni 2016 für eine EU-Förderung, die Möglichkeit geboten hat, Schloss Steinort in das Projekt des polnischen Investors für die Umwandlung der ehemaligen Gutsanlage in ein Resort einzubinden, diese einzige Perspektive genutzt und in den Pachtvertrag mit dem Investor zur Sanierung und Revitalisierung des Schlosses, jetzt mit kommerzieller und kultureller öffentlicher Nutzung eingewilligt.

Das Baudenkmal besitzt ein hohes Nutzungspotenzial aufgrund seiner exponierten Lage in der Region. Vorgesehen gewesen war von den Stiftungen zunächst, das Schloss multifunktional zu entwickeln als:

  1. Museum für die Geschichte der Ethnien und des Verhältnisses der Adelsfamilien im ehem. Ostpreußen zur dortigen Bevölkerung am Beispiel der Adelsfamilie von Lehndorff und integrierter Stätte der Erinnerung für Heinrich Graf von Lehndorff (mit Präsentation eines nach langwieriger Recherche in sächsischen Museen aufgefundenen und 2010 restituierten Teils des historischen Schlossinventars, den Familie von Lehndorff und der Initiativkreis, der 2015 einen Inventarteil erworben hat, als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen möchten)
  2. Ort für kulturelle Veranstaltungen und gelegentliche Tagungen
  3. Internationale Jugendbauhütte nach dem Vorbild der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Deutschland geschaffenen Jugendbauhütten.
  4. (mittel- bis langfristig) polnisch-deutsches Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege unter Einbeziehung eines Nebengebäudes in der Nachbarschaft als Werkstattgebäude. Im Schloss mit untergebacht werden sollten ein Café, eine Tourismusinformation und auch ein paar Übernachtungsmöglichkeiten.

Dieses Nutzungskonzpt, das nur mit Fördermitteln in beträchtlicher Höhe umsetzbar gewesen wäre, fand bei den polnischen politischen Entscheidungsträgern, deren tatkräftiger Mithilfe es für eine Umsetzung bedurft hätte, mit der Erklärung, es fehle dem Vorhaben an wirtschaftlicher Tragfähigkeit, keine Akzeptanz.

Fakt ist, dass der Schlossbau mit weiteren Notsicherungsmaßnahmen in dem Umfang, wie sie in den letzten Jahren stattgefunden haben, vermutlich nicht zu retten gewesen wäre bzw. zu viel weitere wertvolle Denkmalsubstanz verloren hätte, zumal nachdem die Förderungen des polnischen Kulturministeriums zuletzt, d.h. 2015 und 2016 ins Stocken geraten sind. Einerseits wird es, wenn der EU-Förderantrag des Investors bewilligt wird, für die Stiftungen darum gehen, einer Entwicklung, die den genius loci durch bauliche Verdichtung zerstört, gegenzusteuern andererseits sich einer Resort-Lösung, wenn sie mit Blick auf die in der Region dringend benötigten Arbeitsplätze politisch gewollt ist und damit förderfähig sein wird, nicht zu verweigern. Denn sonst würden die Stiftungen riskieren, isoliert, d.h. ohne eine Perspektive der Förderung der polnischen öffentlichen Hand dazu stehen. Und freilich stehen die Stiftungen bei einer Umsetzung des Resort-Vorhabens für die öffentlich-kulturelle Nutzung des Schlosses mit der Bewahrung des historischen Parks ein. Ob es zu einer Revitaliserung der Gesamtanlage als Resort mit EU-Mitteln der Förderperiode 2014 – 2020 kommen wird, ist, Stand Ende Sommer 2016, offen.

Steinort galt in der frühen Neuzeit als der östlichste befestigte Punkt vor dem Beginn der „Großen Wildnis“ hinter der Seenplatte. Marion Dönhoff beschreibt Steinort in den Erinnerungen an ihre Kindheit als Ort von magischer Anziehungskraft und großer regionaler Ausstrahlung: „Wer Steinort besaß, beherrschte die Gegend.“ – Auf heutige Verhältnisse übertragen heißt das: Wenn in Steinort neues Leben erblüht, hat das Auswirkung auf die gesamte Umgebung. Die Gesamtmaßnahme dürfte wohl nur als EU-Leuchtturmprojekt mit bi-nationaler finanzieller Unterstützung zur angemessenen Herrichtung der öffentlich kulturell nutzbaren Räumlichkeiten im Schloss und mit Hilfe privater Spenden für die Erfüllung dieses Zwecks zu realisieren sein.

Neben dem Engagement zur möglichst denkmalgerechten Revitalisierung des Schlosses sind alle Kräfte auf die Wiederherstellung des historischen Schlossparks zu konzentrieren, der unverzichtbarer Bestandteil des Denkmalensembles Steinort ist.

Und es sollte bei dem Resort-Projekt nichts unversucht bleiben, um die historischen Ökonomiegebäude und die Marina unter Wahrung der denkmalpflegerischen Belange durch gezielte Investitionen angemessen aufzuwerten. Damit entstünde ein kulturtouristisch attraktives Gegengewicht zur nachgefragten unweit gelegenen ehem. Wolfsschanze.

 

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Noch im Dezember 2009 konnte mit den dankenswert vom Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung bewilligten Mitteln (knapp 60.000 EUR) die erste Notsicherungsmaßnahme am Schloss in Angriff genommen werden. Die Leistungen beinhalteten Absteifungsarbeiten an den Dach- und Deckenbalkenebenen des Kernbaues durch Einbringung von Holzstempeln, weiterhin den Austausch schwarzer Folien vor den Fensteröffnungen, die kein Tageslicht in das Gebäudeinnere gelassen und die Schwammverbreitung begünstigt hatten, durch transparente neue Folien mit Lüftungsschlitz. Reparaturen an der Dachentwässerung des Gesamtbaus, die Installierung von Laufstegen über den Balkenebenen des Kernbaus, um von dort an die akuten Dachstuhlschäden gelangen zu können, Schuttberäumungen vor allem die Entsorgung verrotteter, schwammkontaminierter Bodenbeläge, eine provisorische Abdeckung der Kellerschächte und Traufzonen sowie die Verschließung unsachgemäßer Einstiegsöffnungen vervollständigten das Maßnahmenpaket. Nach einem Winter mit hohen Minustemperaturen in den Masuren wurden die Arbeiten im März 2010 erfolgreich abgeschlossen. Die 1. Notsicherungsmaßnahme wurde planerisch betreut vom Architekturbüro festgrupa Sp. z o.o. Warszawa, Architekt Dr.-Ing. Marcin Górski. Die Arbeiten wurden in enger Abstimmung mit der zuständigen Denkmalbehörde ausgeführt und mit einer Baugenehmigung, die noch der Voreigentümer u.a. für den Einbau denkmalunverträglicher Betondecken im Mitteltrakt und westlichen Seitenflügel erhalten hat und die auch für nachfolgende Notsicherungsmaßnahmen genutzt wurde.

Darauf aufbauend war von der Schloss Steinort GmbH als direkter Eigentümer ein Folgeantrag 2010 an das polnische Kulturministerium für eine Fortführung der Notsicherung in sechsstelliger Euro-Höhe gestellt worden, der vor allem das mittlere Dach betraf, dessen intensivere Bearbeitung im Winter 2009/10 durch Eis und Schnee verhindert wurde, und der die Mauerkronen und eine Schwammbekämpfung beinhaltete. PNF und DPS sahen der Entscheidung in Warschau hoffnungsvoll entgegen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt, wobei der tragische Absturz der Regierungsmaschine bei Smolensk im April 2010 hinzu kam, denn in ihr hatte auch der polnische Generalkonservator gesessen, der bei der Antragstellung um Rat ersucht worden war.

Eine vom Marschallamt auf Antrag als Kompensation ausgereichte Zuwendung, untersetzt mit einem aus deutschen Spenden finanzierten Eigenmittelanteil, blieb überschaubar, so dass diese Mittel nur dazu gereicht haben, wiederum unter Leitung des Warschauer Architekturbüros festgrupa Sp. z o.o. im Juli/August 2010 den unteren Bereich des Dachs über dem Kernbau ein Stück weit gegen eindringende Feuchte abzudichten.

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Der rapide Verfall des Schlosses konnte allerdings noch nicht entscheidend aufgehalten werden, weshalb eine zweite Notsicherungsstufe bereits im Winter 2010/11 erforderlich wurde. Aus finanziellen Gründen wurde die Maßnahme auf die am dringendsten notwendige weitere Ertüchtigung der Gebäudekonstruktion konzentriert. Wegen Dacheinsturzgefahr durch Schneelast duldeten die Arbeiten keinen Aufschub. Finanziert wurde die im März und April 2011 durchgeführte Maßnahme mit einem Kostenumfang von 50.000 EUR durch Privatspenden aus Deutschland.

Die zweite Notsicherungsmaßnahme beinhaltete im Wesentlichen: die Abstützung des dreistöckigen Dachstuhls über dem architekturgeschichtlich besonders wertvollen Mitteltrakt mittels eingebauter hölzerner Hilfskonstruktion (Joche), die Notsicherung der bereits teileingestürzten Kellergewölbe durch Holz- und Stahlverbau sowie Abstützarbeiten im Kniestock des linken Seitenflügels, soweit die Gelder für letzteres gereicht haben. Außerdem beinhaltete die zweite Notsicherungsstufe die Errichtung eines Bauzauns zur Gefahrenabwehr durch Vandalismus.

Die Einsturzgefahr sollte nun bei dem Mitteltrakt des Schlosses für die nächsten Jahre beseitigt sein. Der östliche Seitenflügel (rechter Seitenflügel) bereitet derzeit weniger bautechnische Sorgen, da er von den vormaligen Eigentümern für die Unterbringung von Ferienzimmern ausgebaut wurde (wobei man allerdings über den Rohbauzustand nicht hinaus kam). Wesentlich problematischer wird der bauliche Zustand des linken Seitenflügels eingeschätzt. Hier hat der weiche Baugrund auf der Nordseite zu stärkeren Mauerwerksrissen geführt und sitzt der Dachstuhl mittlerweile ohne Mauerlatte (die ist weggefault) auf der Mauerkrone auf.

Die 2. Notsicherungsmaßnahme wurde fachlich vorbereitet und betreut von dem in Brandenburg a.d. Havel ansässigen Architekturbüro Dr. Krekeler Generalplaner GmbH und dem Statiker Dipl.-Ing. Peter Krämer vom Berliner Ingenieurbüro Krämer in Zusammenarbeit mit dem Warschauer Architekturbüro festgrupa Sp. z o.o..

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Nachdem die PNF rechtzeitig einen Förderantrag 2011 an das polnische Kulturministerium für die weitere Notsicherung gestellt hat, wurde ihr von diesem im September 2011 eine Zuwendung in Höhe von 50.000 EUR bewilligt, um die Dächer vor dem Winter mittels einer neuen ziegelroten Dachpappen-Noteindeckung dicht zu bekommen. Im Zuge dieser mit einem Eigenmittelanteil von 10.000 EUR bestehend aus von der DPS eingeworbenen zweckgebundenen deutschen Spenden mitfinanzierten Maßnahme war ebenfalls noch vor dem Winter 2011/12 die Wasserabführung vom Gebäude zu verbessern. Seitdem ist das Herrenhaus von oben dicht und die Schwammausbreitung im Frühjahr/Sommer merklich zurückgegangen. Für die 3. Notsicherungsmaßnahme fachlich verantwortlich zeichnete das Architekturbüro festgrupa Sp. z o.o..

Am 6. Oktober 2011 wurde in Allenstein eine Kooperationsvereinbarung der PNF und DPS mit den regionalen Entscheidern in der Woiwodschaft feierlich unterzeichnet. Mit der Allensteiner Kooperationsvereinbarung erklären der Woiwode, Marschall, Staroste und Bürgermeister von Angerburg/Wegorzewo ihre Unterstützung des von beiden Stiftungen verfolgten Nutzungskonzepts zu Schloss Steinort mit Museum und internationaler Jugendbauhütte sowie zum späteren Zeitpunkt Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege.

Am 17./18.11.2011 konnte die DPS in Görlitz zusammen mit den Mitorganisatoren PNF, Fundacja Dobro Kultury aus Slubice und Görlitzer Fortbildungstzentrum für Handwerk und Denkmalpflege e.V. eine vom Auswärtigen Amt maßgeblich geförderte sowie mit einer Zuwendung der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der Unterstützung der Stadt Görlitz bedachte internationale Denkmalkonferenz mit dem Titel „Erhaltung des europäischen Kulturerbes – Denkmalgerechte Revitalisierung funktionslos gewordener Schlossbauten am Beispiel des Projekts Schloss Sztynort / Steinort in Polen“ durchführen. Die Wahl auf Görlitz als Tagungsort im Dreiländereck Polen, Tschechien, Deutschland hatte mit der Hauptzielgruppe der Teilnehmer und damit zu tun, dass hier den regionalen Entscheidern (Vize-Marschallin, Staroste, Bürgermeister Angerburg, Vertreter der Woiwodschaft), die das Schicksal von Schloss Steinort mitbestimmen können, zwei von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geförderte Einrichtungen vorgeführt werden konnten, die PNF und DPS in vergleichbarer Form in ihrem Nutzungskonzept für Steinort angedacht haben, und zwar das Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege e.V. und die Jugendbauhütte Görlitz. Dankenswert hatten der damalige polnische Kulturminister Bogdan Zdrojewski und die damalige Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit und Staatsministerin im Auswärtigen Amt Cornelia Pieper MdB, die Schirmherrschaft über die Denkmalfachtagung übernommen. Staatsministerin Pieper ist es dann auch gewesen, die aufgrund ihres von den verstorbenen DPS-Vorstandsvorsitzenden Prof. Andrzej Tomaszewski und Prof. Gottfried Kiesow für Schloss Steinort entfachten Interesses den Weg zur Entwicklung und Antragstellung für die internationale Denkmalkonferenz bereitet hat, an der an beiden Tagen jeweils 120 Personen teilgenommen haben, davon wie erhofft, jeweils die Hälfte aus Polen (mehr zu der Tagung, u.a. die vollständige Tagungsdokumentation siehe auf dieser Homepage unter Presse und Termine).

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Sie beinhaltete die fachgerechte Um- und Neueinlagerung sowie den ersten Teil der konservatorischen Sicherung der originalen barocken bemalten Deckenbretter (rund 1.500 qm). Diese waren zwar vor einigen Jahren aus dem Schloss ausgebaut worden, um ihre Substanz zu sichern, jedoch im Speichergebäude am Herrenhaus denkmalunverträglich eingelagert gewesen.

Die Teilmaßnahme erfolgte im Herbst 2012 und wurde finanziert mit 40.000 EUR vom polnischen Kulturministerium, einer Förderung des Beauftragten für Kultur und Medien in Berlin in Höhe von 19.500 EUR und deutschen zweckgebundenen Spenden in Höhe von rund 10.000 EUR als Eigenmittelanteil. Die ausgeführten Arbeiten umfassten im Detail die konservatorische Vorbereitung der Bretter für den Transport in eine geeignete Lagerhalle (u.a.Vorfixierung der abpudernden Malschichtoberflächen), den Transport selbst und in der Lagerhalle die Schädlingsbekämpfung durch Begasung, Reinigung und Fixierung der Malschichtoberflächen. Die Arbeiten wurden planerisch vom Warschauer Architekturbüro festgrupa Sp. z o.o. betreut. Die konservatorischen Arbeiten und die Überwachung des Transports und der Desinfektion der Deckenbretter wurden von der Restauratorin Barbara Kulczynska-Nowak aus Allenstein vorgenommen. Notwendige weiterführende konservatorische und die restauratorischen Arbeiten sind in einer nächsten Maßnahmenetappe auszuführen. Die Deckenbretter sollen nach ihrer vollständigen Konservierung und Restaurierung und wenn die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen sind, wieder in ihrer ursprünglichen Funktion in Schloss Steinort eingebaut werden, und zwar möglichst in situ.

Als weitere Maßnahme 2012 konnte ein Projekt „Rückschnitt des Wildwuchses im historisches Schlosspark“ realisiert werden. Die Arbeiten wurden von der Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege mit Unterstützung der Jugendbauhütte Brandenburg/Berlin in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bei einem zweiwöchigen Einsatz mit Genehmigung der Denkmalbehörde im Juli 2012 ausgeführt. Die erfolgreiche Aktion, bei der historische Parkwege und Sichtachsen freigelegt wurden, erfolgte mit 40 deutschen Jugendlichen unter fachlicher Anleitung und stieß bei der Bevölkerung und in den lokalen Medien auf besonders positive Resonanz.

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2013 standen als Maßnahmen die Sicherung der Mauerkronenbereiche vor allem am Kernbau, die Sicherung der Keller und eine konservatorische Notsicherung der erhaltenen polychromen Putzteile zwischen den Deckenbalken im ersten Stock des Kerngebäudes an. Die Fachoberleitung der Maßnahmen 2013 oblag dem Architekturbüro festgrupa in Warschau. Der Förderantrag 2013 an das polnische Kulturministerium für diese Teilmaßnahme wurde Ende Januar 2013 bewilligt. Die inzwischen dritte Zuwendung des Ministeriums für Schloss Steinort betrug 50.000 EUR und war zur finanziellen Absicherung der Teilmaßnahme mit einem Eigenmittelanteil von rund 15.000 EUR zu komplementieren, der aufgrund der in Ermangelung polnischer Eigenmittel einmal mehr von deutscher Seite aufzubringen gewesen ist.

Die formale Grundlage für die umgesetzten Maßnahmen 2013 ist die Baugenehmigung Nr. 6/2008 des Marschallamts Wegorzewo vom 11.01.2008 für Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten am Herrenhaus Sztynort (Objektkategorie XI) auf dem Grundstück 39/1 in Groß-Steinort gewesen. Die Maßnahmen 2013 basierten außerdem auf einem im Auftrag des Woiwodschaftsdenkmalamts Olsztyn erstellten technischen Gutachten von August 2009 zum Bauzustand des Schlosses in Bezug auf dessen statisches System sowie Schwammbefall und Feuchtigkeitsschäden (Verfasser des Gutachtens sind die Dr.-Ing. Architekten Marcin Górski, Ph.D.. Wieslaw Slowik, M. und Sc. Architekten Paul Kinsner, Eng. Czeslaw Krajewski, Warschau 2009) sowie der von dem die Gesamtbaumaßnahme betreuenden Architekturbüro festgrupa, Warschau im Februar und März 2013 erstellten Fotodokumentation.

Für die  Sicherungsarbeiten 2013 galten wiederum folgende denkmalrechtliche Bestimmungen: „Schloss Steinort ist im Register der Denkmäler unter Nr. 603 vom 17. Januar 1962 eingetragen. Die Begründung der Eintragung basiert auf der einzigartigen Struktur des Dachstuhls. Mit der Entscheidung KL. WKZ 534/48/d/79 vom 19. Juni 1979 sind Schloss und Park denkmalgeschützt. Gelände und Gebäude der historischen Gutsanlage Steinort fielen rechtlich unter die Bestimmungen des Gesetzes vom 23. Juli 2003 über den Schutz und die Erhaltung der Denkmäler, wodurch die gesamte Anlage denkmalgeschützt ist. In Übereinstimmung mit Art. 36, Pragraf. 1. Absatz 1 dieses Gesetzes bedarf es für Restaurierungs- und Bauarbeiten an der in das Register eingetragenen Denkmalanlage und in deren unmittelbarer Umgebung einer denkmalrechtlichen Genehmigung.“

Ziel bei dem Projekt 2013 war es, wie bei den Erhaltungsarbeiten ab 2009 nach technischen Lösungen zu suchen, die einen maximalen Grad an Erhaltung der authentischen historischen Strukturen ermöglichten und gleichzeitig rational und für den Eigentümer finanziell leistbar gewesen sind.

Die Sicherungsarbeiten Mauerkronenbereich und Keller wurden nach beschränkter Ausschreibung von der Baufirma Przedsiębiorstwo Budowlane „Skorłutowski” sp. j. Jerzy i Ewa Skorlutowscy in Olsztyn ausgeführt.

Die Kellerarbeiten

Das Schlossgebäude ist teilunterkellert. Die Keller sind dem Kernbau und Westflügel zugehörig. Sie erheben sich unter dem Kernbau auf Fundamenten aus runden Feldsteinen. Die Fundamente der Seitenflügel bestehen indes aus Mischmauerwerk. Die ältere Unterkellerung dürfte der Kernbau besitzen. Der unterkellerte Bereich weist die unterschiedlichsten Mauerwerkstrukturen und Arten auf. Es handelt sich um Mischmauerwerk bestehend aus Feldsteinen, Bruchstein und Ziegelbruch. Die Keller sind mit Tonnengewölben ausgestattet. Es gibt unterschiedliche Wandstärken: Außenwände bis zu 145 cm, Längsinnenwände 75 bis 95 cm. Tür-und Fensteröffnungen in den Kellerwänden sind ziegelgewölbt. Mit der Unterkellerung entstand das Problem eines möglichen Wassereintritts aus Oberflächen- und Dachabwässern. Deutlich schlechter präsentierte sich der Zustand der Grundmauern, wo diese dem Druck des Grundwassers ausgesetzt waren. Untere wassergetränkte Zonen der Grundmauern waren durch Frosteinwirkung besonders geschädigt, was sich negativ auf die Wandstruktur darüber auswirkte. Eine Trockenlegung der Grundmauern blieb in Verbindung mit der notwendigen Verstärkung der Fundamente, die auf einem Gemisch aus Ton-Lehmschichten liegen, jedoch nachfolgenden Sicherungsetappen vorbehalten.

Ebenso schlimm war der Zustand der Wände des Untergeschosses in den Bereichen neben den Kellerfenstern. Durch Bodenablagerungen angestiegenes Gelände führte zu Durchfeuchtungen von Sockelzone und Kellern, und eine fehlende intakte Kanalisation machte die Kellerfensterschächte zu einer Art „Trog “ für Regen- und Schmelzwasser. Vor allem bei starken Regenfällen floss so Wasser in die Keller und wusch den Mörtel aus den Fugen. Dies führte zu einer Schwächung der Ziegel und Bindefestigkeit der Mörtel und damit Destabilisierung der Wandstruktur.

Horizontale und vertikale Mauersperren fehlten, so dass  das Stein-und Ziegelmauerwerk kein Hindernis für die kapillare Feuchtigkeit gewesen ist.

Aufgrund des Fehlens von organischem Material zur Entwicklung und Verbreitung  von Pilz- und Schwammbefall gab es in den Kellern keine Anzeichen auf diesbezügliche Schäden. Pilzbefall in höheren Teilen des Gebäudes lässt jedoch den Schluss zu, dass trotz der vorhandenen Tonschichten mit septischen Eigenschaften die Kellergewölbefugen hier als eine Schwachstelle auszumachen sind.

In den letzten Jahren hatte es einige ernsthafte Teileinbrüche von Keller-Ziegelwänden und -decken gegeben. Durch Erdrutsch entstandene Bodenlöcher im Erdgeschoss konnten bei den in den letzten Jahren erfolgten Notsicherungsmaßnahmen vorübergehend gesichert werden. Die Keller-Sicherungsarbeiten 2013 konzentrierten sich darauf, das weitere Absacken von Kellerwänden und -decken zu verhindern, u.a. durch Lokalisierung der Schwachstellen und Verfüllung entstandener Bodenlöcher mit Sand.

Wände und Böden im Erdgeschoss sind mit Ton-Vollziegel gebaut. Verwendet sind zwei Arten von Backstein: Ziegel des 17. bis 18. Jhs. – manuell hergestellt, nicht sehr formschön in unregelmäßiger Form und Größe und Ziegel des 19. Jhs., in regelmäßiger exakter Form. Es ist charakteristisch, dass der Mörtel der älteren Wandbereiche stärker und der Mörtel der jüngeren Wandzonen schwächer ist, was durch das Niveau der Erosion der beiden Materialien bestimmt werden kann. Partiell wurden Hohlräume der Wände und Gewölbe verfüllt und teileingestürzte Kellerwände und -gewölbe wieder aufgemauert, wobei die neu verwendeten Ziegel die Abmessungen der vorhandenen Ziegel aufweisen. Die bearbeiteten Raumschalen desinfizierte man nach Reinigung mit Adolith M (als 10 Prozent wässrige Lösung). Defekte Fugen wurden wiederum mit Kalkmörtel geschlossen.

Nachdem auch die Kellertreppe vom Kernbau in den Westflügel instand gesetzt wurde und die durch die vorgenommenen Aufmauerungen wieder sicheren Gewölbekeller mit elektrischem Licht ausgestattet worden sind, können diese Räume künftig bei der eingeschränkt möglichen Innenbesichtigung mit gezeigt werden.

Die Arbeiten im Mauerkronenbereich

Der gegenwärtige Zustand der Stockwerkswände ist sehr vielfältig. Bei der Beurteilung des technischen Zustandes der Wände sollten erwähnt werden:

  • Mängel und Schäden, die durch unsachgemäße Bau-und fehlende horizontale Versteifungen verursacht sind
  • Schäden, die durch aufsteigende Feuchtigkeit verursacht wurden
  • Schäden, verursacht durch nicht ordnungsgemäß vom Dach abgeführtes Regenwasser, verschärft durch die Frost-Tauwirkung.

Geschädigt sind viele Außenwände und hier vor allem die Außenputze bedingt durch eine mangelhafte bzw. fehlende Dachentwässerung. Dachaufbauten wie Brüstungen, Gesimse sind zum großen Teil zerstört und für eine Reparatur ungeeignet. Feuchter Putz ist abgefallen, der Mörtel aus den Fugen gewaschen und im Dachanschlussbereich der Fassaden zeigt das Schadensbild lose, gebrochene, gestauchte und durch Feuchte-Frosteinwirkung unbrauchbar gewordene Ziegel. Akut gefährdete Bereiche wurden als Bestandteil der Sicherungsmaßnahme 2013 repariert und ergänzt oder auch abgebrochen und wiederhergestellt.

Die Außenwand des Kernbaus hat eine Höhe von 10,3 m über. 0,00 m Bodenhöhe. Die Wandstärke der Mauerkrone beträgt 87-92 cm. Die Außenwanddicke entspricht 2 Vollziegeln. Auf der Krone liegt das Dachgebälk auf. Zwischen EG und OG des Gesamtbaues existiert ein Gurtgesims. Die Außenfassade wurde mit einem Dachsims abgeschlossen.

Der Zustand der neugotischen Fialen an der Vorderseite des Kernbaues mit jeweils 30-35 cm unterhalb der Spitzen angeordnetem Fenster mit aus Backstein in diagonaler Anordnung und auf Kante gelegten gemauertem Spitzbogen und der rahmenden Eckpfeiler war noch so gut, dass diese repariert werden konnten. Besonders geschädigte Fensterstürze wurden repariert. Insgesamt wurden 15 Fenstergewände bearbeitet, 11 an den Längs- und 4 an den Querfassaden. Es erfolgte eine Verstärkung des Wandmauerwerks durch darin eingelegte schmale Edelstahl-Gewindestäbe (System-Verstärkung Helifix). Stark mauerwerksgeschädigte Wandoberflächen wurden bis zu 30 cm tief abgetragen und wieder geschlossen. Hohlräume unter den Fensterbänken wurden zur Stabilisierung vermauert. Die Mauerkrone des Kernbaues ist auf der gesamten Länge und in den angrenzenden Bereichen mittels Bohrlochtränkung desinfiziert worden. Mauerkronensteine wurden ausgetauscht oder ergänzt. Die angrenzenden Wandzonen wurden ebenfalls desinfiziert (mit Adolith M). Die reparierten und erneuerten Mauerwerkpartien sind mit Kalkzementmörtel ausgefugt worden. Die Notsicherungsmaßnahme beinhaltete vor dem Hintergrund, dass mit  der baldigen Realisierung einer Vollsanierung gerechnet wird, kein Überputzen der sanierten Mauerwerkpartien.

Die Konservatorische Notsicherung erhaltener polychromer Wandputzteile zwischen den Deckenbalken im ersten Stock des Kernbaues

Diese Arbeiten sind von der Olsztyner Restauratorin mgr Barbara Kulczynska-Nowak im September 2013 ausgeführt worden. Die Sicherungsmaßnahme ist als Vorarbeit zur Reparatur der Mauerkrone des Kerngebäudes erfolgt. Es ging darum die letzten noch überkommenen historischen polychromen Wandfassungen zwischen den Deckenbalken zu konservieren und zu dokumentieren. Die gesamte von der Restauratorin bearbeitete Fläche beträgt etwa 80 qm.

Die Wandfriese wiesen zahlreiche Putzmängel auf. Der Putz haftet partiell lose am Träger (Ziegel), bis er abfällt. An offenen Hohlstellen zwischen Ziegeln und Wandputz ist Schwamm sichtbar. Die Ziegel sind häufig weich, spröde oder aufgespalten. Der Zustand der erhaltenen polychromen Putzelemente wurde von der Restauratorin als relativ gut bewertet.

Vor der konservatorischen Notsicherung der polychromen Wandputzteile zwischen den Deckenbalken im ersten Stock  wurde eine fotografische Dokumentation durchgeführt. Danach wurden die Oberflächen der Wände mit Boramon ALTAX und die Holzbalkenköpfe mit Biotin R (2,5% Ethylalkohol) eingeweicht. Dann erfolgte eine Reinigung der vorbearbeiteten Oberflächen mit der Bürste. Loser Mörtel, Staub und organische Verunreinigungen wurden so entfernt. Poröse Ziegel sind mit Silex OH (von Fa. Keim) an der Oberfläche gefestigt worden. Die Putzränder wurden mit fertigem Trassmörtel (Optolith) verstärkt. Anschließend wurden Putz-Konsolidierungsarbeiten durchgeführt, und zwar mit dem Bindemittel PLM M sowie Plextol 8500, das zum Verkleben der Putzoberflächen mit der Mauer Verwendung fand.

Die gereinigten und verstärkten polychromen Oberflächen wurden schließlich mit Schichten von Japanpapier mit 3% Methylcellulose gesichert.

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Dank des beharrlichen Engagements von Professor Dr.-Ing. Jäger von der Technischen Universität Dresden wurden dessen Bemühungen um die Finanzierung eines wertvollen Beitrags zur Erhaltung von Schloss Steinort durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück Ende 2013 belohnt. Als Inhaber des Lehrstuhls Tragwerksplanung der Fakultät Architektur der TU-Dresden wurden Prof. Jäger, der bei der Wiederherstellung der Dresdner Frauenkirche maßgeblich beteiligt war, von der DBU für dessen beantragtes Projekt 2014–2015 „Beseitigung anthropogen verursachter Schadensmechanismen an der Bauwerksgründung und modellhafte Instandsetzung derselben als Voraussetzung zum dauerhaften Schutz und Erhalt des Schlosses Steinort sowie dessen Adaption an die veränderten klimatischen Bedingungen“ 125.000 EUR bewilligt. Der für das Modellvorhaben mit der TU-Dresden als Maßnahmenträger erforderliche Eigenmittelanteil von 20.000 EUR wurde von der Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V. als Spenden an die DPS aufgebracht.

Schloss Steinort wird durch die veränderten Umweltbedingungen infolge erhöhten Niederschlags und einer Zunahme der Regendauer und -spitzen sowie des einhergehenden Frosts in Verbindung mit jahrzehntelang vernachlässigter Baupflege bis an die Grenze seiner Existenz belastet. In dem Modellvorhaben wurden Bau- und umweltschonende Verfahren insbesondere bei der Mauerwerkssanierung bei weitgehendem Erhalt der Originalsubstanz und der damit verbundenen Zeitschichten eingesetzt wie die Schaummörteltechnologie und das Verpressen mit zementfreiem Material. Weiterhin sind GFK-Stäbe zur Vernadelung eingesetzt worden.

Für die notwendige Sanierung und Erneuerung der Drainage wurde vom Schloss-Eigentümer, der Gesellschaft Pałac w Sztynorcie Sp. z o.o., Olsztyn der PNF ein die DBU-Fördermaßnahme flankierender Förderantrag 2014 an das Polnische Kulturministerium in Warschau gestellt. Der Antrag war vom  Kulturministerium auch bewilligt worden, jedoch hat die Gesellschaft Pałac w Sztynorcie Sp. z o.o. die für 2014 in Höhe von 71.000 EUR gewährte Zuwendung trotz aller Bemühungen letztendlich nicht in Anspruch nehmen können. Für den Bewilligungsstopp kommen einige Gründe in Frage. Eine Schwierigkeit lag sicherlich darin, das Konzept der flankierenden DBU-Fördermaßnahme für die polnischen Entscheider Denkmalmt und Ministerium nachvollziehbar und damit genehmigungs- und zuwendungsreif darzustellen. Dies ist zeitlich nicht gelungen. Schließlich ist es um ein innovatives Vorhaben mit Arbeiten auf der Grundlage der neuesten Erkenntnisse zu technischen Verfahren, Methoden und Produkten gegangen, so dass beim Denkmalschutz im Hinblick auf den Umgang mit der historischen Bausubstanz besondere Vorsicht geboten war. Daher galt es, sich 2014 auf die Ausführung des DBU-Förderprojekts zu beschränken.

Der Boden, auf dem Schloss Steinort steht, verliert mit steigendem Wassergehalt an Tragfähigkeit. 2011 von Prof. Jäger gewonnene Bodenproben haben gezeigt, dass mit zunehmender Tiefe der Boden weicher wird, was mit dem Wassergehalt zusammenhängt. In den unterkellerten Bereichen sind starke Rissbildungen und Bewegungen festzustellen. Im Inneren sind in diesem Bereich Teileinbrüche von statten gegangen, die unterschiedliches Ausmaß angenommen hatten. Sie konzentrierten sich auf den Kellerbereich des Hauptbaus (ein Grundbruch im Westflügel). Unter dem Nord-West-Eckturm waren im Keller Ausbauchungen und ein Mauerausbruch zu sehen. Durch Wassereintritt in den Keller war es zu Aufweichungserscheinungen des lehmig/tonigen Bodens und zum systematischen Ausspülen des Lehmmörtels aus dem historischen Grundmauerwerk aus Bruchsteinen gekommen.

Im Juli/August 2014 wurde von Prof. Jäger als erste Teilmaßnahme des DBU-Projekts das zuletzt einsturzgefährdete Mauerwerk des Nordwestturms statisch gesichert. Die Arbeiten beinhalteten eine Horizontalvernadelung mit Orica GFK-Ankern auf drei Ebenen mit Ankertaschen im Mörtelbett, eine Vernadelung der Mauerwerksrisse inkl. Verpressung mit Produkten der Fa. Kraus-Maffei, Italien, die Verpressung des Turmkellermauerwerks und die Erneuerung der Turm-Dachrinne inkl. provisorischer Wasserableitung. Die hochwertigen Baumaterialen sind dankenswert zum Teil als Materialspenden zur Verfügung gestellt worden.

Mitte Juli 2014 fand ein Kick Off-Meeting im EG der Treppenhalle statt, bei dem 70 interessierten Teilnehmern das DBU-Projekt vorgestellt wurde.

Die zweite von Prof. Jäger im Rahmen des DBU-Projekts durchgeführte Teilmaßnahme erfolgte im Dezember 2014 und beinhaltete die Notsicherung zweier teileingestürzter Keller (R-1.01 / -1.02) an der Vorderfrontseite des Kernbaus. Die Arbeiten beinhalteten die Sicherung eines eingestürzten Außenwandbereichs und die Notsicherung der Kellertonnen im Bereich der Kämpfer. Dazu wurde die marode äußerste Schicht des Mauerwerksgefüges abgetragen und nach Auffüllung der dahinter liegenden z.T. hohllagigen Schichten im Spritzbetonverfahren, bei dem der Beton mit einer Betonpumpe bis zur Düse gefördert und dort mit Druckluft an die Wand geschleudert wurde, als Zementwand erneuert. Im freigelegten Außenwandbereich wurde ein provisorischer Zugang zum An- und Abtransport von Baumaterialien geschaffen. Den Eingang schützte indes ein Arbeitszeltvorbau. Im Westflügel erfolgte zudem die Sicherung des Fundamentsbereichs, in dem sich bereits ein Grundbruch ereignet hatte. Außerdem wurde ein überwölbter Abgang aus dem Foyer in den Kernbaukeller freigelegt und gesichert.

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2015 wurden die Arbeiten in den Kellern fortgesetzt und abgeschlossen, wozu die bauliche Sicherung gefährdeter und u.a. teileingestürzter Kellerdurchgänge und -wandbereiche gezählt hat und ebenso die Aufbringung von Kalkputz auf den zuvor 2014 zur Sicherung von Wand- und Gewölbepartien eingebrachten Spritzbeton.

An der Schlossrückfront und am Nordwestturm wurde das Kelleraußenmauerwerk stabilisiert und eine vertikale Drainage am Nordwestturm eingebaut. Stabilisiert wurde mittels einer Spritzbetonlage mit Ankern und Bewehrungsnetz. Durch Sponsoring der Firma Weber – St. Gobain Deutschland/Polen ist nach Injektion des Mauerwerks als luftdurchlässige Abdichtung eine Weber- Dickschicht auf  einer Drainmatte aufgebracht worden.

Nach oben drückendes Grundwasser bei einer nicht mehr funktionierenden Drainage führt dazu, dass die Keller von Schloss Steinort temporär unter Wasser stehen, wodurch das Mauerwerk geschädigt wird. Erster Schritt  war die Planung der Regenwasserabführung und der Drainage nach Prognosen der Meteorologie für die nächsten 50 Jahre, insbesondere für entsprechende Starkregenspenden. Bei der Planung der Regenwasserkanalisation und der optional vorgesehenen Regenwasserbewirtschaftung  wurde auf  deren Einbindung in das technische Gesamtkonzept für das Schloss in enger Zusammenarbeit mit dem Generalplaner geachtet. Beim derzeitigen Stand  wird eine möglichst offene Gesamtlösung angestrebt.

Die Regenwasserabführung erfolgt in einem entsprechend dimensionierten Kanalsystem, mit Kontroll- und Absturzschächten, Reinigungsmöglichkeiten und einer Rückhaltung für eine spätere Regenwassernutzung, die sich bei der Größe des Komplexes und der zugehörigen Aussenanlagen wirtschaftlich rentieren wird. Die Kanalisation wird ingesamt auf konsolidiertem Boden aufgelagert um Defekte infolge von Setzungen von Wiederauffüllungen auszuschließen. Die Leitungen werden vollständig frostsicher verlegt.

Die vom Prof. Jäger in 2015 umzusetzende DBU-Teilmaßnahme beinhaltete die Wiederherstellung der Drainage für den Bereich westliche Zone Kernbau und Westflügel, die am stärksten nässegeschädigt waren. Um des Problems der aufsteigenden Feuchtigkeit Herr zu werden, erfolgte die Installierung der Flächendrainage in Kombination mit einer Ringdrainage außen (mit Ableitung des Wassers an der Böschung auf der Nordseite). Erd- und Kanalisationsarbeiten bildeten die größten Positionen dieser Leistung, die Ende September 2015 abgeschlossen wurden.

Im Zuge der Durchführung der Dränarbeiten wurde im Westflügel und durch Schürfe an dessen Nordseite ca. 4,20m tief ein alter Drainagekanal mit einer Holzrinne entdeckt und freigelegt. Der Holzkanal läuft am östlichen Ende im Westflügel aus und wird hier in das Gesamt-Drainagesystem eingebunden.

Die im Westteil des Schlosses eingebaute Flächen- und Ringdrainage gilt als Prinziplösung für die Gesamtdrainage. Dort wurden 2015 für die Flächendrainage nach Ausbau der Bodenbeläge und dem Erdaushub die Fundamente von innen verpresst, die Filterschicht eingebracht, der Flächenfilter mit Vlies abgedeckt und die Pflasterung mit Altziegeln vorgenommen. Geborgene Fußbodenziegel wurden nach dem Putzen wiederverwendet. Der Fußboden in Kellerraum -1.02 Kernbau ist jetzt mit einer Randrinne ausgestattet.

Nach Zusammenführung von Drainage und Schachtanlage mit Einbau eines neuen Schachtes  erfolgte die Wasserableitung in die Vorflut.

Die Drainagearbeiten wurden denkmalgerecht von bauarchäologischen Bestandsaufnahmen flankiert.

Wieder ist die ausführende Firma die polnische Firma Budowlana „Hohlbud“ aus 11-610 Pozezdre und das die Arbeiten von polnischer Seite flankierende Planungsbüro festgrupa in Warschau gewesen.

2015 war angedacht gewesen, außer den durch das DBU-Projekt finanziell abgedeckten Dränarbeiten nach der Planung von Prof. Jäger und wieder fachlich begleitet vom Architekturbüro festgrupa die Wiederherstellung der Flächendrainage unter Keller sowie der Ringdrainage außen fortzuführen und fertigzustellen und das gesamte Kellermauerwerk des Kernbaues zu sanieren. Die Steinort GmbH hatte dafür fristgerecht bis Ende Oktober 2014 einen Förderantrag 2015 an das Polnische Kulturministerium gestellt, diesmal von dem DBU-Projekt formal entkoppelt. Dennoch ist der Antrag abgelehnt worden. Ein Grund dafür dürfte gewesen sein, dass bis zu diesem Zeitpunkt das Maßnahmenprogramm für die beim Kulturministerium zur Förderung 2015 beantragten Arbeiten immer noch nicht so vollständig untersetzt vorgelegt werden konnte, wie es von polnischer Seite aus nötig gewesen wäre. Es dauerte zu lange, bis der polnische Tiefbauingenieur und die polnische Baufirma gefunden wurden, die in der Lage waren, die Vorgaben von Prof. Jäger 1:1 umzusetzen. Nachdem man diese Probleme nun in den Griff bekommen hat, ist für 2016 ein neuer Antrag an das Polnische Kulturministerium gestellt worden. Denn nur wenn die Dränarbeiten vollständig ausgeführt sind, kann die Bodenab- und -entwässerung voll umfänglich funktionieren.

Alle vorhandenen Pumpenschächte werden durch Reinigung und vollständige Wiederherstellung der Verbindungswege wieder gangbar gemacht. Anspruchsvoll bleibt die horizontale und vertikale Abdichtung des Kellermauerwerks. Wegen der Tonschichtenstruktur des Erdbodens in Steinort wird dort nach Regen immer wieder Wasser in das Mauerwerk eindringen können. Hohlräume im Grundmauerwerk werden verpresst. Zur Wasserabführung bringt Professor Jäger ein durchlässiges Material ein.

Zur Absicherung der Finanzierung der Fertigstellung der Drainage-, Keller- und Fundamentarbeiten, die. nach der erneuten Förderabsage des Polnischen Ministeriums für das nationale Erbe für 2016 nun 2017 erfolgen soll, wird ein. Eigenmittelanteil von mindestens 10 bis 15 Prozent erforderlich, den, so lange der EU-Förderantrag des Investors nicht bewilligt ist und somit nicht mit EU-geförderten Arbeiten begonnen werden kann, einmal mehr die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) mit privaten Spenden aus Deutschland aufzubringen haben wird. Da die DPS auch die laufenden Bauunterhaltskosten zu finanzieren hat, wozu beispielsweise die monatliche Miete für die denkmalgerecht eingelagerten historischen Deckenbretter zählt, bis diese wieder in das Schloss eingebaut werden können, oder die Begleichung der Kosten für die Alarmanlage und der Winterfestmacharbeiten 2015 (u.a. Kontrolle und Ertüchtigung der Regenrinnen und Notabstützung Dachstuhl und Deckenbalken), sind die DPS und ihre mittellose polnische Schwesterstiftung PNF ständig auf Spenden angewiesen.

2015 wurden außerdem unter Leitung von Prof. Jäger  in dem von dem vorherigen Eigentümer innen als Betonrohbau hinterlassenen Ostflügel des Schlosses einfache Büroarbeits- und Übernachtungsmöglichkeiten in den OGs eingerichtet und ein provisorisches Informationszentrum im EG für interessierte Steinortbesucher vorbereitet aus von ihm dafür erschlossenen Spendengeldern und Sachspenden.

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Inzwischen existiert also das Projekt des polnischen Investors, die ehemalige Gutsanlage mit dem Yachthafen, die sich nicht im Eigentum der Stiftungen befinden, zu einem Resort auszubauen. Der Eigentümer von Schloss Steinort, die Gesellschaft Palac w Sztynorcie Sp. z o.o. mit der Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF) als ihr alleiniger Gesellschafter sowie die Schwesterstiftung Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) arbeiten bei dem Resort-Großprojekt dahin gehend mit dem Investor zusammen, dass dieser Schloss Steinort als dessen Pächter denkmalverträglich saniert und dafür, einen Teil zur Durchführung von Tagungen kommerziell nutzen kann. Der Kernbau bleibt weitgehend der öffentlich kulturellen Nutzung in der Trägerschaft der PNF vorbehalten. Ein erstes Konzept für den kulturell nutzbaren Teil mit Vorplanung liegt vor, u.a. vom Architekturbüro Dr. Krekeler Generalplaner GmbH, das auch ein detailliertes Raumbuch erarbeitet hat, in Zusammenarbeit mit PNF, DPS und Lehndorff-Gesellschaft.

Auch die ehemalige Gutsanlage und den Hafen zu erwerben, um die Gesamtanlage denkmalverträglich zu sanieren und kulturell zu nutzen, war der PNF mit ihrer Palac w Sztynorcie Sp. z o. o. und der DPS finanziell nicht möglich gewesen. Nachdem der Investor des Resorts glaubhaft vermittelt hat, dass der EU-Förderantrag 2017 für das Projekt Umwandlung der ehemaligen Gutsanlage in ein Resort auch ohne das Schloss gestellt werde und bis zur Antragsfrist für den EU-Förderantrag kein tragfähiges besseres Nutzungskonzept vorlag, nicht zuletzt für eine rein unkommerzielle Nutzung, z.B. für das von Unterstützern der Erhaltung der ehemaligen Gutsanlage mit dem Schloss und Park gewünschte Wissenschaftskolleg, und nachdem 2015 und 2016 beantragte öffentliche polnische Fördermittel für eine weitere Sicherung des Herrenhauses ausgeblieben sind, sahen PNF und DPS in dem mit dem Investor kurz vor Abgabe des EU-Antrags geschlossenen Pachtvertrag für das Schloss die einzige Lösung, um dessen Zukunft zu sichern.

Die Stiftungen haben mit dem Investor auch aushandeln können, dass der historische Park denkmalgerecht erhalten und genutzt wird und bei der Umnutzung der Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Gutsanlage und Errichtung geplanter Neubauten das historische Erscheinungsbild von Schloss und Gesamtanlage zu bewahren und mit der PNF zu beraten ist. Und zweifelsfrei werden beide Stiftungen darauf achten, dass bei der Umgestaltung der ehemaligen Gutsanlage in ein Resort inkl. der Sanierung von Schloss und Garten die denkmalrechtlichen Genehmigungen eingehalten werden.

Die Palac w Sztynorcie Sp. z o. o. der PNF als Verpächter des Schlosses hat sich das Recht gesichert, sehr zeitnah von dem Pachtvertrag mit dem Investor des Resortprojekts zurückzutreten, sollte dieser als Pächter nicht in der zweiten Jahreshälfte 2017 mit der Instandsetzung des Schlosses beginnen.

Realisiert werden könnte mit beträchtlichen EU-Mitteln ein Arbeitsplätze und viele Besucher versprechendes Resort-Großprojekt, das im übrigen noch weitere Erholungs- und Freizeit-Standorte im masurischen Seengebiet mit anderen Investorenpartnern beinhaltet, deren Teilprojekte ebenfalls Bestandteil des EU-Förderantrags sind. Hauptprojekt ist jedoch das Steinort-Resort mit dessen Investor als Leader eines aus mittelständischen Firmen bestehenden Konsortiums. Schloss und Park Steinort können an der EU-Förderung eines solchen Gesamtprojekts mit dem Titel „Steinort Park“ aus einem Sonderprogramm zur Stärkung der mittelständischen Wirtschaft in Ostpolen partizipieren.

Da der Ausgang der Prüfung des von dem polnischen Investor gestellten EU-Förderantrags ungewiss ist, muss weiterhin Ziel sein, nachdem seit Übernahme von Schloss Steinort 2009 durch die PNF und ihre Palac w Sztynorcie Sp. z o. o. bis einschließlich 2015 rund 500.000 EUR an privaten Spenden und öffentlichen Fördermitteln zur Rettung dieses Baudenkmals mit seiner deutsch-polnischen Geschichte und seiner besonderen Bedeutung für das deutsche Gedächtnis aufgewendet worden sind, mit gezielten kleineren Sicherungsmaßnahmen den Zustand des Schlosses sukzessive soweit zu stabilisieren, dass die bauliche Voraussetzung für eine schnellstmögliche Realisierung der angestrebten Gesamtsanierungsmaßnahme (geschätzte Kosten ca. 8 bis 10 Mio EUR) mit Fördermitteln, ggf. von der EU, gegeben ist.

Deshalb ist im Herbst 2016 ein Förderantrag 2017 der Palac w Sztynorcie Sp. z o.o an das Polnische Kulturministerium gestellt worden, der als Teilbauabschnitt die folgenden dringenden Sicherungsarbeiten vorsah: die  Fortführung und Fertigstellung der Drainage unter Keller, eine von drei Etappen zur nachhaltigen Instandsetzung der notgesicherten wertvollen Dachstuhlkonstruktion des Mittelbaues (Kernbau) und die Notsicherung der Oberflächenpolychromie der Deckenbalken und Wandfriese durch Reinigung und Abkleben mit Japanpapier. Das Woiwodschaftsdenkmalamt in Allenstein / Olsztyn war gebeten, den Förderantrag 2017 an das polnische Kulturministerium zu unterstützen, damit Schloss Steinort nicht verloren geht! Jedoch ist leider auch der Förderantrag 2017 in Warschau abgesagt worden.

Für die Erbringung des für die notwendigen Maßnahmen erforderlichen Eigenmittelanteils ruft die DPS zu Spenden für Schloss Steinort auf! Jeder Betrag hilft! Wir bitten Spenden unter dem Kennwort Schloss Steinort auf das DPS-Konto bei der Deutschen Bank in Görlitz IBAN: DE 80 8707 0024 0823 3660 00, SWIFT/BIC-Code: DEUTDEDBCHE zu überweisen und danken allen Spendern vielmals im Voraus.

 

Die Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V. hat 2015 einen Imagefilm herausgebracht, der ausschliesslich durch Spenden der Familie Lehndorff und von Freunden finanziert wurde mit dem Ziel, weitere Unterstützer für das Projekt Steinort zu gewinnen. Der Film ist unter dem Link https://www.youtube.com/watch?v=T39eziCFvow auf You Tube anzuschauen.

Die am 03.05.2017 in Steinort eröffnete Ausstellung „Chronist unserer Träume: Schloss Sztynort 1947- 2017 / Kronikarz naszych marzeń: Pałac w Sztynorcie 1947-2017“ (Mai bis Oktober 2017) beleuchtet aktuell den zeitgeschichtlichen Werdegang des geschichtsträchtigen Orts Steinort bis heute.

Link zur Ausstellungswebsite:  http://stnort.org/index.html

Ausstellungsbroschüre zum Download:

http://stnort.org/assets/chronicler_of_our_dreams_stnort_exhibition_booklet.pdf

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  • Planerische Betreuung: Architekt Dr. Marcin Górski, Architekturbüro festgrupa Sp. z o.o., Warszawa (Warschau) (seit Winter 2009/2010)
  • Architekturbüro Dr. Krekeler Generalplaner GmbH, Brandenburg a.d. Havel (seit 2. Notsicherungsmaßnahme 2010)
  • Statiker: Ingenieurbüro Krämer, Dipl.-Ing. Peter Krämer, Berlin (seit 2. Notsicherungsmaßnahme 2010)

Die drei Büros bilden die Arbeitsgemeinschaft „Architekturbüro festgrupa – Dr. Krekeler Generalplaner GmbH – Ingenieurbüro Krämer“

  • Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger, Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Tragwerksplanung, Dresden (seit 2011)
  • Ausführender Baubetrieb 1. bis 3. Notsicherungsmaßnahme (Winter 2009/2010 bis Herbst 2011): Warminskie Przedsiebiorstwo Budowlane S.A. (Ermländisches Bauunternehmen AG), Olsztyn (Allenstein)
  • Ausführender Baubetrieb 5. Notsicherungsmaßnahme (2013) und 6. Sicherungsmaßnahme (2015 –  Gerüststellung Nordwestturm): Przedsiębiorstwo Budowlane Skorłutowski Sp.J. Jerzy i Ewa Skorłutowscy, Olsztyn (Allenstein)
  • Ausführende Baubetriebe 6. Sicherungsmaßnahme (2014 – Nordwestturm): Firma Himmel und Papesch Bauunternehmung GmbH u. Co. KG (Bebra), Niederlassung Spezialtiefbau Süd Büro Chemnitz (Nordwestturm)
  • Ausführender Baubetrieb 6. Sicherungsmaßnahme (2014 – Tiefbauarbeiten) und 7. Sicherungsmaßnahme (2015 – Tiefbauarbeiten) ): Fa. Budowlana „Hohlbud“, 11-610 Pozezdre
  • Restauratorin: mgr Barbara Kulczynska-Nowak, Allenstein – Dipl.- Konservatorin (seit 4. Notsicherungsmaßnahme Herbst 2012)
  • Bauüberwachung: Ing. Tadeusz Cichonski, Olsztyn (Allenstein)
  • Bauherr: Gesellschaft Pałac w Sztynorcie Sp. z o.o., Olsztyn (Allenstein)
  • Fachlicher Betreuer für die DPS: Prof. Dr. Christofer Herrmann, Universität Danzig
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  • Antje Vollmer. Doppelleben – Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und Ribbentrop. Frankfurt am Main 2010 (415 S.)
  • Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (Hrsg.). Erhaltung des europäischen Kulturerbes – Denkmalgerechte Revitalisierung funktionslos gewordener Schlossbauten am Beispiel des Projekts Schloss Sztynort / Steinort in Polen. Görlitz 2011 (133 S.) (Dokumentation DPS-Tagung 17-18.11.2011 in Görlitz mit selbigem Titel)
  • Imagefilm der Lehndorff–Gesellschaft Steinort e.V.: https://www.youtube.com/watch?v=T39eziCFvow
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