Projekte

MARIENFELDE / MARIANKA

Von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz 2008, 2011, 2015 und 2016 gefördertes Projekt Pfarrkirche Marienfelde/Marianka, Polen.

Die Kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul in dem zu dem Städtchen Preußisch Holland/Pasłęk eingemeindeten Dorf Marienfelde/Marianka im ehemaligen Westpreußen befand sich 2007 in einem schlechten Bauzustand. Die Dächer der gotischen Kirche waren undicht und eindringende Nässe gefährdete die wertvollen mittelalterlichen Wandmalereien, die zu dem Zeitpunkt noch weitgehend übertüncht gewesen sind. Mit Mitteln des Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung (BKM) und der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz gelang es, 2008 das Dach des Kirchenschiffs zu sanieren. Die Zimmerer-/Holz-, Dachklempner-und Dachdeckerarbeiten wurden unter fachlicher Aufsicht des Denkmalamts und flankiert vom Regionalbeauftragten der DPS fachgerecht nach internationalen Denkmalstandards ausgeführt. Die erfolgreich umgesetzte Maßnahme löste zwei unmittelbar nachfolgende Bauabschnitte aus, in denen mit Mitteln der polnischen öffentlichen Hand das Chor- und Turmdach instand gesetzt wurden. Für 2011 wurde die DPS, die mit zwei Spenderreisen den Kontakt zu der sehr gastfreundlichen Kirchengemeinde und ihrem engagierten Pfarrer Jan Sindrewicz aufrecht hielt, gebeten, sich der Freilegung und Konservierung der wertvollen spätmittelalterlichen Malereien an der Südwand der Pfarrkirche mit Aposteldarstellungen nahezu in Lebensgröße anzunehmen. Und wieder gelang es, für die Maßnahme Fördermittel von BKM zu aquirieren und über die DPS auszureichen und dadurch eine Folgemaßnahme ohne deutsche Beteiligung auszulösen, die in der Freilegung und Konservierung der Wandmalereien an der nördlichen und östlichen Innenwand der Kirche bestand, die leider viel fragmentarischer sind als auf der Südseite. 2015 konnte mit finanzieller Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und einer Privatspenderin aus Südbayern, die in dem Dorf groß geworden ist, an der Westwand die Vorhangmalerei aus dem 19. Jh. links und rechts des Orgelprospekts weitgehend restauriert und eine dendrochronologische Untersuchung der in der Kirche verwendeten Konstruktionshölzer des wertvollen Baudenkmals vorgenommen werden. Letztere hat Resultate gezeitigt, mit denen sich die bisher erforschte Datierung der Backsteinkirche weiter präzisieren lässt.

Nunmehr erfolgt 2016 hauptsächlich die restauratorische Behandlung der Oberfläche der Ostwand mit mittelalterlicher Wandmalerei. Diese Teilmaßnahme wird wiederum mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland und der DPS als Maßnahmenträger realisiert. Von dem umtriebigen Pfarrer, der jahrelang in einer süddeutschen Gemeinde gewirkt hat, wurde synergetisch die Rudolf-August Oetker-Stiftung für die Wiederherstellung der restaurierungsbedürftigen wertvollen Orgel der Marienfelder Kirche gewonnen.

Für die Etappe 2016 mit der restauratorischen Bearbeitung der freigelegten wertvollen Wandmalereien an der Ostwand der Kath. Pfarrkirche Marienfelde/Marianka“ in ehemaligen Westpreußen bittet die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz zur finanziellen Entlastung von Kirchengemeinde und Stiftung um Spenden auf ihr Konto unter dem Kennwort Marianka.

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Marienfelde, polnisch Marianka, ist ein Dorf nördlich von Preußisch Holland/Pasłęk, das im früheren südlichen Ostpreußen, zwischen Danzig (Gdansk) und Allenstein (Olsztyn) liegt (ca. 70 Km südöstlich von Danzig).

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In dem am Beginn des 14. Jahrhunderts gegründeten Dorf Marienfelde befindet sich eine große und stattliche mittelalterliche Pfarrkirche. Die Errichtung des heutigen Baus erfolgte im 14. Jahrhundert. In der Spätgotik erhielt der Chor reiche Zellengewölbe nach Vorbild der Danziger Kirchen. Die Architektur reicht über den Rahmen einer normalen Dorfkirche hinaus, möglicherweise erklärt sich die Größe des Gotteshauses durch den Umstand, dass es sich auch um einen Wallfahrtsort handelte. Dies könnte das Engagement der Elbinger Komturei des Deutschen Ordens bei der Ausstattung der Kirche (belegt durch Wandmalereien (ca. 1432-67) erklären. Nach der Einführung der Reformation 1525 im Herzogtum Preußen wurde auch Marienfelde zu einer evangelischen Pfarrkirche. 1723 erhielt das Langhaus eine flache Holzdecke. 1839 wurden die Fenster vergrößert und 1892 erfolgte eine erste Restaurierung. Nach 1945 gelangte die Kirche an die Katholische Pfarrei St. Joseph in Preußisch Holland/Pasłękund und wurde Filialkirche.

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Der über 42m lange Bau besteht aus einem Westturm, einem mächtigen Langhaus in Form eines flachgedeckten Saalbaus und einem Polygonalchor im Osten. Obwohl in zwei Abschnitten errichtet, wirkt die Architektur der Kirche einheitlich und in sich abgestimmt. Bemerkenswert sind die spätgotischen Zellengewölbe im Chor sowie die Wandmalereien mit überlebensgroßen Apostelfiguren im Langhaus. Ein Teil der Wandmalereien wurde 1893 freigelegt. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass die gesamte Kirche mit Ausmalungen versehen ist. Diese wurden im Rahmen des Restaurierungsprojekts 2008 – 2011 freigelegt und konserviert und seitdem restauratorisch gesichert.

In der Kirche haben sich noch zahlreiche Ausstattungsstücke des 15. bis 18. Jahrhunderts erhalten. Bemerkenswert ist eine mittelalterliche Sakramentsnische mit einer bemalten Tür (Schmerzensmanndarstellung) und dem originalen Schloss aus dem 15. Jahrhundert (restaurierungsbedürftig). Der reich gestaltete Hauptaltar (mit Abendmahlsdarstellung als Hauptbild) stammt von 1682 und steht auf einer gemauerten mittelalterlichen Mensa. Weiterhin finden sich in der Kirche eine Kanzel sowie eine Taufkammer, 1692 von Isaac Riga aus Königsberg gefertigt, und auf der Westempore eine Orgel aus dem 18. Jahrhundert (restaurierungsbedürftig).

Aus einer „Architektonischen Studie zur Kirche P.W. St. Peter und Paul in Marianka“, verfasst unter der Leitung von Prof. Assoc. Eva Łużyniecka, Breslau/ Wrocław 2009:

„Das Gebäude gehört zu einer Gruppe von ländlichen Pfarrkirchen, die in großer Zahl am Ende der ersten Hälfte des dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert errichtet wurden, und zwar im heutigen Nordosten von Polen. In dieser Gruppe können Pfarrkirchen einen geraden oder polygonalen Chorabschluss aufweisen. Die ersten Kirchen mit polygonalem Schluss wurden im späten dreizehnten Jahrhundert und dem ersten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts erbaut.

Ein Teil der Kirchen hatte die Sakristei an der Nordseite des Presbyteriums angebaut (Sarnów, Orzechowo, Bobrowo, Golub, Świerczynko, Srebrniki, Salmia), aber manchmal auch an der Südseite (Wąbrzeźno). In einigen Fällen wurde ein Westturm errichtet (Golub, Świeczynko, Przeczno, Srebrniki). Ergänzend dazu wurde manchmal eine Vorhalle hinzugefügt, auf der Nordseite (Golub) oder Südseite (Bobrowo). Die Kirche in Marianka ist ein komplexer Bau. Neben Kirchenschiff, polygonalem Chor mit Sakristeianbau an der Nordseite und Turm besitzt der Bau eine Nord- und Südeingangshalle.

Stand der Forschung (bis 2015):

Die erste architektonische Beschreibung der Kirche stammt aus dem späten neunzehnten Jahrhundert[1] und findet sich in einer allgemeinen Studie über die ostpreußischen Kunstdenkmäler. Nachfolgende Autoren haben sich darauf bezogen. Das Gebäude wurde mit dem Entstehungsjahr 1334 verbunden, das man später vereinzelt auf den Chorbau bezog. Ein gesonderter Aufsatz bezog sich auch auf Relikte der Wandmalereien im Inneren der Kirche[2]. Diese Malereien waren auch anschließend Gegenstand von Studien polnischer Forscher.[3]

Besonderes Augenmerk wurde auf das Gewölbe des Altarraums gelegt, das bislang um das Jahr 1515 datiert und mit einem Meister namens Matz verbunden worden ist.[4] Es war auch der Gegenstand der Analyse der Bezüge dieses Gewölbes  zu der Kirche aus dem Jahre 1342, mit dem der Beginn der Bau des Kirchenschiffs verbunden worden ist.[5] Die Kirche in Marianka wurde auch im Dehio-Handbuch in den beiden Ausgaben des 20. Jhs. aufgeführt. Sie ist hier genannt als Backsteingebäude aus der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts, das später wieder aufgebaut wurde und beschrieben als einschiffiger Baukörper mit dreiseitig geschlossenen Chor im Osten und quadratischem zentriertem Turm im Westen. Es wurde behauptet, dass die Balkendecke des unteren Turmgeschosses in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts ornamental bemalt worden ist. Man glaubte, der Chor wäre der älteste Teil der Kirche und stamme aus vor 1334 und sein Zellengewölbe datiere 1515. Nach Ansicht der Autoren wurde das Kirchenschiff nach 1342 gebaut, ohne Gewölbe und 1733 mit einer Bretterdecke geschlossen. Weiterhin wurde angenommen, die Sakristei sei auf der Nordseite auf rechteckigem Grundriss mit Gewölbe in der zweiten Hälfte des 14. Jhs. entstanden.  Die Eingangshalle auf der Südseite wäre anschließend entstanden.[6]

Die Geschichte der Kirche ist für die Zeit, in der sie der evangelischen Gemeinde diente, in einer umfassenderen Studie über die Geschichte der ostpreußischen Kirchen beschrieben.[7] Die Entwicklung der Kirchenarchitektur wurde in einem vierbändigen Werk über die gotische Architektur in Polen veröffentlicht.[8] Sie trennt drei Phasen der Konstruktion: Chor, Sakristei, Kirchenschiff. Die erste Phase war danach im vierten Quartal des vierzehnten Jahrhunderts, zusammen mit dem Turm und vermutlich der nördlichen und südlichen Vorhalle. Nach Ansicht der Autoren entstand in der letzten Phase, der zweiten Dekade des sechzehnten Jahrhunderts, das Gewölbe im Presbyterium.

Jüngste architektur- und kunstgeschichtliche Analysen zur Kirche in Marianka wurden vor zwei Jahren veröffentlicht in einem Buch, in dem die mittelalterliche Architektur in den Bereichen Preußen diskutiert wird.[9] In dieser Arbeit leitet der Autor Altersbestimmungen von den Gebäudefunktionen ab. Die wichtigsten Daten sind online veröffentlicht. Den aktuellen Studien zufolge sind im zweiten Quartal des vierzehnten Jahrhunderts zunächst der Chor und die Sakristei im Norden entstanden. Dann, um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts das Kirchenschiff mit je einer Vorhalle im Norden und Süden und dem Turm im Westen.

Beschreibung der Forschung:

Das Team, das für dieses Thema von Prof. Eva Łużyniecką 2009 gegründet wurde, bestand aus Studenten der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Danzig,-Michalina Kasprzycka und Margaret Biernacka und Wissenschaftlern, die mit dieser Fakultät verbunden sind: Dr. Alexander Piwek, Tomasz Karpowicz MA, MSc und MA Krzysztof Bogucki und mgr Carolina Pilichowska.

Bei der Bearbeitung des Themas wurden mehrere Forschungsmethoden angewendet. Basis bildete das klassische Verfahren der historischen Forschung mit Durchführung der Recherche von Literatur schriftlichen Quellen, ikonographischen Quellen, kartografischen Daten,-Architekturforschung in situ, Analyse der Struktur der Wände und Details, Vergleiche stratigraphischer und technologischer, funktionaler und struktureller Analysen des Gebäudes. In zwei Fällen wurden einige Messungen mit vereinfachter Analog-Fotogrammetrie mit Computergrafikprogrammen korreliert, vor allem mit Auto-CAD-Aufmaßen. Die letzte Phase der analytischen Untersuchung ist der Versuch der Datierung des Objektes und die architektonische Rekonstruktion (Nachvollziehung) der einzelnen Bauteile und des Gesamtbaues.

Die Postulate der bisherigen Grundlagenforschung:

Auf der Grundlage der Studie wurden sechs Bauabschnitten festgestellt und ein Versuch ihrer Datierung unternommen.

I. Phase (gotisch) – vor 1334

Die erste Kirche war ein kleines Gebäude. Es hatte die Größe des heutigen Presbyteriums mit Strebepfeilern und der Sakristei an der Nordseite. Anhaltspunkte geben die Maße der hier verwendeten Ziegel, die sich von dem an Kirchenschiff, Turm und Vorhallen unterscheiden. Hinzu kommt die Fugenmasse zwischen den Wänden von Chor und Schiff. Die erste Kirche wurde von einer Westwand geschlossen, von der später Fragmente wiederverwendet werden, um das Kirchenschiff zu bauen. Der Innenraum war tonnengewölbt, worauf Spuren hindeuten.

Die kleine Kirche wurde zusammen mit der Sakristei aufgebaut. Die Ziegel beider Bauteile weisen die gleiche Größe auf. Die Sakristei hatte nur einen Eingang (mit Blick auf das Innere der Kirche). Einen Eingang von der Westseite gab es erst zu einem späteren Zeitpunkt. In der Nordostwand wurde später ein Tabernakel entfernt.

II. Phase (gotisch) – nach 1342

Es entstanden das Hauptschiff, die Nordvorhalle und der untere Teil des Turms. Der Ausbau verlief in zwei Phasen. Zuerst wurde das Schiff gebaut wurde jedoch in einer anderen Höhe als die aktuelle. Die Wände sind von der Außenseite mit zwei diagonalen Strebepfeilern an den westlichen Ecken des Kirchenschiffs verstärkt. Die Längswände innen sind mit Vertiefungen (Nischen) versehen, die aus statischen Gründen, d.h zur Wandaussteifung installiert worden sein dürften. Es wird ein offener Schiff-Dachstuhl angenommen. Weitere Studien sind erforderlich, um mehr Kenntnisse zu erlangen.

Die zweite Stufe der ersten Phase bildete die Erhöhung des Kirchenschiffs, um entsprechende Fenster einbauen zu können. Die Südseite war wahrscheinlich mit sechs kleinen Fenstern ausgestattet gewesen. Deren zwei sind unverändert geblieben und zwei weitere rekonstruiert und den Originalen am nächsten. Die Existenz von zwei zentralen Fenstern in diesem Stadium ist nur eine Hypothese. In der Nordwand gab es nur drei Fenster, bedingt durch die nördliche Vorhalle.

III. Phase (Spätgotik) – ca. 1515

Dazu gehört der Bau des Chorgewölbes. Wir wissen nicht, warum es neu errichtet wurde.

IV. Phase (Barock) – ca. 1723

Die Änderungen betrafen hauptsächlich den Innenraum des Kirchenschiffs. Wahrscheinlich wurden die Empore im Westen (Orgel) und Emporen an den Längswänden des Langhauses eingebaut. Es besteht die Vermutung, dass während dieser Zeit das Kirchenschiff eine neue Bretterdecke erhielt. In weiteren Studien müssen diese Kenntnisse überprüft werden und ob sie auch später entstanden sein kann.

V. Phase (Neugotik) – nach 1874

Wahrscheinlich sind in dieser Zeit (obwohl dies nicht sicher ist) die Längsemporen im Kirchenschiff abgebaut worden. Dies erlaubte eine Änderung der Fenstergröße. Aber es ist nicht sicher, ob diese Arbeit nicht im zwanzigsten Jahrhundert entstanden ist. Dies erfordert auch weitere Forschung.

Außerdem wurden die gotischen Eingänge verändert.

Der Turm wurde etwa um die Hälfte der bisherigen Höhe aufgestockt und mit architektonischen Details ähnlich der bestehenden versehen. Wahrscheinlich wurde damals auch eine neue Bekrönung auf den Giebelspitzen von Kirchenschiff und Vorhallen hergestellt. Und das Gesims der Südwand des Kirchenschiffes wurde repariert.

VI. Phase (modern) – nach 1946

Die Arbeit umfasste die Reparatur der historischen Substanz. Ersetzen der Steine der untersten Teile der Nordwand des Kirchenschiffs und der Sakristei-Mauerkrone (vor allem im Bereich des Fensters). Größere Ergänzungen im unteren Teilen der Westwand des Turms und beim nordwestlichen Diagonal-Strebepfeiler. Ein neuer Stützpfeiler wurde an der Südwand des Kirchenschiffes gresetzt. Und es erfolgte ein Austausch der Ziegelsteine auf den Schrägflächen der Strebepfeiler.

Gab es über der Sakristei Emporen?

Eines der primären Ziele der Forschung ist, die Hypothese von der Existenz der Emporen über der Sakristei der Kirche in Marianka zu klären. Solche Galerien gab es in mittelalterlichen Kirchen in verschiedenen Formen. Eine interessante Lösung dieser Art ist die Pfarrkirche in Elbing. An die Chorpartien wurde im Süden die Sakristei mit einer Empore und auf der Nordseite eine Kapelle mit Empore gebaut. Die Südempore ist als Doppelempore ausgebildet.

War über der Nordvorhalle eine Empore?

Eine weitere interessante Fragestellung ist, ob über der nördlichen Vorhalle der Kirche in Marianka eine Empore existierte und was ihre Funktion war. Eine Empore über der Sakristei und knapp über der nördlichen Vorhalle wurde in der Kirche in Reszel gebaut. Im Erdgeschoss wurde ein Portal platziert mit Segmentbögen.

Funktionen des Chors

Ein weiteres interessantes Forschungsproblem ist das Erscheinungsbild der ursprünglichen Westwand des Chors und die Antwort auf die Frage, ob der Chor für einige Zeit als eigenständiges Kirchengebäude fungieren konnte?“

[1] A. Boetticher, Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreussen, z. 3, Das Oberiand, Königsberg 1893, s.66-70.

[2] A. Boetticher, Die Wandmalereien in der Kirche zu Marienfelde, Kreis Pr.Holland, [w:] SAP, 1893, s.16-20.

[3] J. Domasławski, Pomorze Wschodnie, [w:] J. Domasławski, A. Karłowska -Kamzowa, M. Kornecki, H. Małkiewiczówna, Malarstwo gotyckie na Pomorzu, Poznań 1984, s.121 -162 oraz J. Domasławski, A. S. Labuda, A. Karłowska -Kamzowa, Malarstwo gotyckie na Pomorzu Wschodnim, Warszawa-Poznań 1990.

[4] A. Ulbrich, Kunstgeschichte Ostpreussesns von der Ordenszeit bis zur Gegenwart, Königsberg 1932

[5] B.Schmid, Die Bau- und Kunstdenkmäler der Ordenszeit in Preussen, T.2, Pommeranien, das Oberland und das Grosse Werder, Marienburg 1941, s.124.

[6] Dehio (opr. E.Gall) Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Deutschordensland Preussen, München -Berlin 1952, s. 144-145, M. Antoni (opr.), Dehio-Handbuch der Kunstdenkmaler West- und Ostpreussens,Berlin 1993, s. 398-399

[7] W.Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreussens, 1.2, Bilder der Ostpreussischen Kirchen, öóttingen 1968, s.75

[8] Architektura gotycka w Polsce, T.4, (oprać) M.Arszyński, T.Mroczko, Warszawa 1995, s.157

[9] Chr. Herrmann, Mittelalterliche Architektur im Preussenland, Untersuchungen zur Frage der Kunstlandschafł und Geographie, Petersberg 2007, s. 588, 589.

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Die Pfarrkirche in Marienfelde/Marianka ist ein für ländliche Verhältnisse außergewöhnlich großer und qualitätsvoller Bau, dessen Denkmalwert insbesondere durch die umfangreich erhaltenen mittelalterlichen Wandmalereien gesteigert wird.

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Aufgrund der Prioritätenliste des Baugutachtens (Ingenieurbüro Henryk Kozłowski aus Starogard Gdański, erstellt im Januar 2008) ist von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz mit Mitteln des Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien Ende 2008 als erste Maßnahme die Instandsetzung des undichten Schiff-Daches in Angriff genommen worden, um das Innere der Kirche vor weiterem Feuchtigkeitseinritt zu schützen. Mit der anteiligen Förderung wurde die Grundvoraussetzung für die spätere Restaurierung der wertvollen Wandmalereien zu einem Teil erfüllt. Dank dieser Anschubförderung durch die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz mit BKM-Mitteln konnte die Kirchengemeinde 2009 mit finanzieller Unterstützung des Marschallamtes die Instandsetzung der Dachflächen über Chor und Turm realisieren.

Nach dem Gutachten sind folgende von der DPS geförderte Maßnahmen 2008 am Schiff-Dach ausgeführt worden:

  • Austausch einzelner von Pilz- und Schädlingsbefall betroffenen Balken im Dachwerk des Langhauses.
  • Neueindeckung mit keramischen Flachdachziegeln, Typ niederländischer Narvik.
  • Erneuerung der Traufbretter und Dachentwässerung.

Nachdem die Kirchengemeinde es mit Hilfe der Kath. Pfarrei in Preußisch Holland (Pasłęk) geschafft hat, nach der mit Unterstützung der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und mit Mitteln der deutschen Bundesregierung ermöglichten Instandsetzung des Schiffdachs 2009 die Sanierung des Chor- und Turmdachs folgen zu lassen und damit die gesamte Kirche von oben trocken zu bekommen, hat sie 2008 – 2011 die figurale und ornamentale Dekoration an der Nord-, Süd- und Ostseite (letztere ist die Wand mit dem Triumphbogen) und auch Reste einer bescheidenen monochromen Dekoration rund um eine Wandnische im Norden und an der Ostwand des Chors freilegen und konservieren lassen.

Das ikonografische Programm der Wandmalerei beinhaltet die Darstellung des Apostelzyklus mit fast lebensgroßen Figuren vor zweifarbigem Rankenornament (Südwand und Westteil der Nordwand), die Szene der Verkündigung vor zweifarbigem Hintergrund (nördliche Zone der Schiffostwand), Szene Christus, Gott Vater und Hl. Barbara in ornamentaler Rahmung vor zweifarbigen Pflanzenrankenornament (südlicher Abschnitt der Schiffostwand), die Darstellung der Maria Magdalena in Ekstase mit ornamentaler Rahmung (Ostteil der Nordwand), die Darstellung der Maria mit Kind (in der ersten Fensterlaibung der Südwand von Osten), heraldische Darstellungen, die den Stiftern der Ausmalung zugeordnet werden (zwei Wappen an der Südwand und eines an der Nordwand) und Weihekreuze an der Nordwand.

An der westlichen Wand wurden bei den bisherigen Erforschungen keine Hinweise auf Spuren gotischer Wandmalerei gefunden. Es ist hier auf Ebene der Orgelempore eine Wanddekoration in Knochenleimfarbtechnik in Form einer dunkel roten Vorhangmalerei mit Quasten und Fransen vorhanden, die an die Westseite des Orgelprospekts angrenzt und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sein dürfte.

2011 konnte mit der Mitteln des Beauftragten für Kultur und Medien und der DPS als Maßnahmenträger das Projekt „Freilegungs- und Konservierungsarbeiten an der spätgotischen Wandmalerei auf der südlichen Kircheninnenwand“ in Angriff genommen und abgeschlossen werden. Mit finanziellen Anteilen dabei waren die Kommune und Pfarrei in Pasłęk. Im Jahr 2010 hatte sich der internationale Denkmalverband ICOMOS der Bedeutung der Wandfresken entsprechend vor Ort mit der Thematik der Erhaltung der Wandmalerei und einem restauratorischen Maßnahmenkonzept für die nachhaltige Bewahrung und Präsentation der Kirche auseinander gesetzt.

Die gotische Wandmalerei wurde auf ziemlich unebenen und dadurch schattenbildenden Oberflächen angebracht, hervorgerufen durch eine ungleiche Antragung von Kalkputz und Tünche. Die Farben waren Protein gebunden und wurden wahrscheinlich auf die frische Tünche gemalt (Fresko). In einer zweiten Phase wurden Details dazu gemalt. Dieses Verfahren hat Auswirkungen auf den Erhaltungszustand und das aktuelle Erscheinungsbild der freigelegten Malereien – gemalte Details der zweiten Stufe haben sich mit dem Träger weniger verbunden und sind deshalb meist zerstört (wie beispielsweise Gesichtszüge.). Eine unglückliche Wahl von Pigmenten – die Verwendung von Bleipigmenten (höchstwahrscheinlich Mennige und Gelb), die in einer alkalischen Umgebung nicht stabil sind – führte zu Farbveränderungen (Schwärzungen) bei einigen Elementen der Wandmalereien (bei Nimbus-Darstellungen und an Kleidungsfragmenten). Die Dekoration wurde in mehreren Etappen und unter Hinzuziehung mehrerer Künstler mit unterschiedlichem künstlerischem Niveau erstellt. Es ist nicht bekannt, ob die unteren Wandzonen ebenfalls bemalt waren. Deren historische Oberflächen waren bei der Erneuerung des Fußbodenbelags ersetzt worden. (z.B. könnte es dort einen Kratzputzschmuck gegeben haben, wie er bei mittelalterlichen Kirchen an Außenfassaden als dekoratives Motiv typisch war.

Die bisher an den gotischen Malereien durchgeführten Restauratorarbeiten[1] umfassten die Entfernung der Überfassungsschichten (Tünche und monochrome Sekundärübermalungen), Reinigungsarbeiten, Entfernung fehlerhafter Putz-Reparaturen Putz, Festigung von Putzlockerungen Wiederherstellung ursprünglicher Farbzusammensetzungen.

Neben der nach Feuchteschäden an den Wänden u.a. infolge jahrelanger Dachundichtigkeiten notwendigen Bearbeitung der bereits 1892 partiell an der Südwand freigelegten Apostelfiguren Peter und Paul, Andreas und Johannes sowie Jakobus d.Ä.und Thomas konnte unter Leitung der Restauratorin Dr. Joanna Arszyńska das bislang nur schemenhafte erkennbare Apostelpaar Jakobus d.J. und Philippus im Bereich der Orgelempore wieder eindrucksvoll sichtbar gemacht werden. Frau Arszynska assistierten bei den Freilegungs- und Konservierungsarbeiten vier junge Restauratorinnen sowie vier angehende Restauratoren-Studentinnen der Universität Thorn (Toruń).

Eine wundervolle Entdeckung war das Wandbild Maria mit dem Jesuskind, das in der Laibung der östlichen Fensteröffnung an der Südwand frei gelegt werden konnte. Die anmutige Darstellung ist im „Schönen Stil“ gehalten und mit Rankendekor umgeben, das nach Entfernung der Überputzung respektive Übertünchung jetzt wieder in voller Pracht, d.h. auf der gesamten Fläche der Südwand bewundert werden kann. Die Rankenmalerei wurde im östlichen Bereich aufwendig zweifarbig in den Farben rot und grün begonnen und nach Westen nur mehr rot gefasst fortgeführt.

Die Arbeiten, die im Zeitraum Juli bis Oktober 2011 an der Wandmalerei auf der Südseite vorgenommen wurden, waren, neben den Freilegungen, rein konservatorisch. Sie haben eine Angleichung der Fehlstellen auf der Wandoberfläche und die Egalisierung von Rissen im Putz und Mauerwerk mit beinhaltet. Dadurch ist das Wappen links des Hl. Thomas, durch das sich ein Riss zog, wieder besser erkennbar geworden. Das Wappen hat rechts des Hl. Thomas seine Entsprechung. Die Wappen wurden bereits zuvor identifiziert als die der Deutsch-Ordensmänner Heinrich Reuß von Plauen, der zuletzt 1441 bis 1467 Kommandeur in Elbing gewesen ist, und Nicolas (Nicolaus) von Lubichau Creytzen. Bei den Freilegungsarbeiten 2011 sind außerdem zwei verkleiderte Öffnungen an der Südwand zutage getreten, davon zwischen den Apostelfiguren „Jakobus d.Ä. und Thomas“ eine schmale Nische mit Treppenansatz.

Dem letzten Bearbeitungsabschnitt an der Südwand bleibt vorbehalten, wie die ergänzten ungefassten und daher noch weißen Fehlstellen der Wandmalerei gestaltet werden. Ob die für die Restaurierung vorbereiteten Fehlstellen farblich beigefasst oder rekonstruiert werden, wird im Einzelnen noch mit den Denkmalbehörden abzustimmen sein.

Andere Arbeiten, die 2008 – 2011 in der Kirche ausgeführt werden konnten, betrafen die Entfernung von Zement-Sockelwandputz-, -mörtel und -böden, die in der Vergangenheit, neben Dach-/Deckefeuchteschäden die Hauptursache der Schädigung und Zerstörung der Wandmalereien gebildet haben. Die Wandfeuchte hatte sich auf eine Höhe von 3m über Bodenniveau erstreckt. Der betonversiegelte Boden um die Außenfassade und die Beton-Gehwegsteine sind durch auf Sand verlegten Feldstein ersetzt worden.

Die Wiederherstellung der unteren Wandoberflächen erfolgte mit gelöschtem Kalk als Kalkputz und Kalkmörtel. Der Fußboden teilweise zementsichtig und mit Keramikfliesen im Zementbett wurde durch einen durchlässigen Belag, d.h. unglasierte keramische Bodenfliesen und wiederverwendete Ziegel im Sandbett ersetzt.

Die Denkmalrechtliche Genehmigung umfasst die noch erforderlichen abschließenden Restaurierungsarbeiten an den freigelegten und bislang lediglich konservatorisch behandelten Wandmalereifragmenten um diese nachhaltig zu sichern.

Nachdem an der Südwand wieder acht prachtvolle Aposteldarstellungen zu betrachten sind, besteht bei der Kirchengemeinde freilich ein starker Drang, noch die vier restlichen Apostelfiguren, die vermutlich auf die Nordwand gemalt worden sind und von denen deren zwei schemenhaft erkannt werden können, ebenfalls freizulegen und restauratorisch zu bearbeiten.

Die spätgotischen Wandmalereien in der St. Peter und Paulkirche in Marienfelde stellen eine Seltenheit in der Woiwodschaft Ermland-Masuren dar. Erst durch die geförderten Freilegungs- und Konservierungsarbeiten ist das Bildprogramm wieder sichtbar und die Voraussetzung dafür geschaffen worden, dass sich die polnische Kunstwissenschaft intensiver damit auseinandersetzen kann.

Die kleine Kirchengemeinde der Pfarrei Paslek ist als Eigentümerin von St. Peter und Paul durch die Fördermaßnahme um eine Attraktion reicher geworden. Mit dem Bildprogramm auf der Südwand hat der Bau das Potenzial zu einem kulturtouristischen Anziehungspunkt zu werden, vor allem wenn auch das übrige Inventar restauratorisch instand gesetzt sein wird. Die Wandmalerei dürfte jedenfalls als Sehenswürdigkeit der Region zum Oberlandkanal hinzukommen und die kulturelle Identität der Dorfbewohner von Marienfelde stärken.

Für die kleine Gemeinde bedeutet die Unterhaltung des großen Kirchengebäudes eine erhebliche Belastung, weshalb auch im Laufe der Jahrzehnte durch mangelnde Instandhaltung bauliche Schäden (insbesondere Feuchtigkeitsprobleme) eintraten. Daher ist es umso erfreulicher, dass die Pfarrei bereit ist, das umfassende Restaurierungskonzept mitzutragen und – im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten – sowohl Finanzmittel als auch ehrenamtliche Arbeitskraft der Gemeindemitglieder für die Restaurierung der Kirche einzubringen. Besonders vorbildlich ist die bereitwillige Zusammenarbeit des Eigentümers (Katholische Kirche) mit der Kommune, dem Denkmalamt, den Restaurierungsexperten der Universität Thorn/Toruń sowie der Abteilung Architekturgeschichte und Denkmalpflege an der Technischen Hochschule in Danzig/Gdańsk.

[1] Nach Entfernung der Überfassungen kamen interessante Elemente der ursprünglichen Architekturgliederung zum Vorschein – verschiedene große Öffnungen und Aussparungen in den Wänden, die Einfluss auf das Erscheinungsbild des Innenraums hatten.

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Teilmaßnahme 2015 (Etappe VIIa)

Die von der DPS mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland geförderte Teilmaßnahme 2015 beinhaltete die Restaurierung der historistischen (neugotischen) Vorhangmalerei an der Westwand links und rechts des Orgelprospekts und damit auf Emporenhöhe sowie die dendrochronologische Untersuchung von Konstruktionshölzern zur Präzisierung der Bestimmung der Entstehungszeiten der Kirche in Marienfelde.

Frühere Reparaturen an der Vorhangmalerei auf der Westinnenwand des Schiffs  waren insbesondere an den äußeren Falten des aufgemalten Vorhangs durchgeführt worden. Der sichtbare Teil der Malerei war gut erhalten, hier gab es keine großen Verluste der Malschicht. Es waren jedoch zahlreiche kleinere Verluste gegeben, vor allem dort, wo die Polychromie infolge Wassereintrag durch undichte Dächer geschädigt und vertikaler Schmutzstreifen kontaminiert war. Die angewandte Maltechnik (Knochenkeimfarbe auf Kalk) war schwer zu reinigen.

Der restauratorische Teil der Etappe VIIa wurde im August und September 2015 realisiert.  Ausführende Restauratorin war wiederum Prof. Dr. Joanna M. Arszyńska. Die Maßnahme beinhaltete folgende Arbeiten an der dekorativen Malerei auf der Westwand der Peter-Paulkirche:

  1. Beseitigung der sekundären Aufschichtungen auf dem monochromen Hintergrund der Vorhangmalerei mittels der Methode der mechanischen Beseitigung der zahlreichen monochromen Malschichten die oberflächlich mit Wasser angefeuchtet wurden. Diese Methode ermöglichte eine Reduzierung der Bestäubung der Umgebung. Nach der Beseitigung der Beschichtung wurde die Oberfläche des Putzes im leicht feuchten Zustand zu Ende gereinigt.
  2. Durchführung einer Versuchsreihe zur Ermittlung der optimalen Methode der Reinigung der Wandmalerei. Dabei erwies sich als Verfahren zur Beseitigung der Verschmutzungen und Grinde mit das sanfte Überrollen der Malereioberfläche mit laufend gewechselten wasserfeuchten Wattebäuschen als am wirksamsten. Besonders empfindliche Stellen benötigten eine zusätzliche Behandlung.
  3. Reinigung des Wandmalerei mit der im Verlaufe der Versuchsreihe festgelegten Methode.

  4. Freilegung der durch spätere Übermalungen verdeckten Teile der Wandmalerei. Die Schichten der monochromen Übermalungen und Putze wurden nach Befeuchtung der Oberfläche mit Wasser mechanisch beseitigt. Die Oberfläche der von den Übermalungen befreiten Erstfassung der Vorhangmalerei ist sehr versehrt. Dieser Zustand erlaubt aber die Bestimmung der ursprünglichen Kontur und Form der Vorhangdarstellung. Die freigelegten Fragmente können also als Anhaltspunkte für die geplante Rekonstruktion der fehlenden Teile der Dekoration und Neuordnung der Komposition dienen.

  5. Durchführung von Versuchen zur Festigung der Farbschicht zwecks Wahl einer optimalen Methode zur Anwendung. In Anbetracht der hohen Wasserempfindlichkeit der Malschicht wurden die besten Ergebnisse bei Verwendung einer 4% Lösung Paraloid B 72 in Toluol erzielt. Diese Lösung wurde vorsichtig mit einem breiten Pinsel aufgetragen. Im Falle einer so geringen Sättigung bewirkt dieses Präparat keine Verdichtung der Malereistruktur und keine Veränderung des Glanzes der Oberfläche. Es tritt nur eine geringe Steigerung der Farbwirkung auf. Die Wirkung hinsichtlich der Festigung der Wandmalerei ist zufriedenstellend.
  6. Festigung der Malschicht. Diese Maßnahme wurde unter Anwendung der erprobten Methode ausgeführt. Die genannte Lösung wurde zweimal in mehrstündigem Abstand aufgetragen. Nötigenfalls kann dieses Verfahren im Folgejahr, vor dem Beginn der weiteren geplanten Arbeiten, wiederholt werden.
  7. Ergänzung der Fehlstellen im Schichtträger. Während der Beseitigung der Aufschichtungen wurden außerhalb der bemalten Flächen und in Nachbarschaft tieferer Mauerrisse zahlreiche Beschädigungen des Schichtträgers festgestellt. Sie wurden mit einem Mörtel aus örtlichen Sand und vieljährigem Löschkalk ausgefüllt. Die Oberfläche der Ausfüllungen wurde der im Originalzustand erhaltenen Umgebung angeglichen.
  8. Dokumentation der Arbeitsleistung.

 

Der zweite Teil der 2015 durchgeführten Etappe VIIa, die dendrochronologische Untersuchung, wurde von Aleksander Konieczny aus Thorn vorgenommen. Er nahm 76 Holzproben, davon 60 von Kiefernholz- und 16 von Eichenholzelementen. Bei der Auswahl der Stellen zu Beprobung wurde das Prinzip der Entnahme von Holzproben aus unterschiedlichen Holzteilen und mit Waldkante (wo möglich mit Rindenresten) angestrebt.

Bei 14 von 18 Proben vom Chordachstuhl war der letzte Jahresring erhalten, davon 4 sogar mit Rindenresten. Die dendrochronologische Auswertung hat ergeben, dass fast das gesamte Chordachwerk in den Herbst-Wintermonaten zum Jahreswechsel 1364 / 1365 geschlagen wurde. Nur in einem Fall wurde eine Fällung im Frühjahr 1365 festgestellt. Die Bauarbeiten am Dachstuhl des Chores können demnach frühestens nach der letzten Fällung im Frühjahr 1365 begonnen worden sein. Darüber hinaus lässt sich aus den Ergebnissen der dendrochronologischen Untersuchung schließen, dass das Dachwerk über dem Chor komplett erhalten und niemals verändert/umgebaut oder eingehender saniert wurde. Das Chordachwerk war eine Art offene Konstruktion, d.h. nicht für die Aufnahme einer Holzdeckenkonstruktion vorgesehen. Das wichtigste Argument für den offenen Charakter des Chordachwerks liefert der reich profilierte achteckige Kaiserstiel aus Eichenholz, auf dem sich die Diagonalstreben des polygonalen Chorabschlusses stützen (sie sind mit Eisennägeln am Kaiserstiel befestigt). Die Verzierung der Eichensäule wäre überflüssig, wenn das nicht zum Anschauen bestimmt gewesen wäre. Bei der Untersuchung musste auf die Entnahme einer Holzprobe vom Kaiserstil wegen des schlechten Zustands der Holzkonstruktion an dieser Stelle verzichtet werden.

Während der Errichtung des Dachwerks über dem Langhaus um 1440 wurde auch der Chordachstuhl verstärkt durch Hinzufügung zusätzlicher Zugbalken mit profilierten Köpfen. In späterer Zeit, wahrscheinlich beim Einbau des Zellengewölbes, wurden Zugbalken wieder entfernt. Die Auswertung des Langhausdachwerks ergab, dass hier fast das gesamte Bauholz aus einer Winterfällung 1439 / 1440 stammt. Nur drei der 16 genommenen Holzproben  wurden mit 1436 -1438 / 1439 anders datiert. Daraus lässt sich folgern, dass die Zimmererarbeiten am Dachstuhl des Langhauses frühestens im Frühling des Jahres 1440 begonnen wurden. Das verwendete Bauholz ist von besonders hoher Qualität, ausgewählt aus lang wachsenden Bäumen  mit schmalen Jahresringen und viel Harz. In der Regel wuchsen die Bäume vor der Fällung hundert Jahre und einige Jahrzehnte. Aufgrund der hohen Materialqualität haben die Hölzer die Zeit bis heute fast ohne Insektenschäden überstanden. Bauholz zur Abstützung der Nordsparren des Schiffdachstuhls datiert von 1577 / 1578. Wenn man eine Zweitverwendung dieses Materials ausschließt, lässt sich annehmen, dass die Stützen frühestens im Jahre 1578 hinzugefügt worden sind.

Aus der Konstruktion des Turmhelms wurden 11 Holzproben entnommen, die auf eine einzelne Fällung im Winter 1473 / 1474 hinweisen. Das gleiche Resultat brachte die Datierung der Kieferkonstruktion im Turminneren, auf der das gesamte Dachwerk des Turms ruht. sowie des Glockenstuhls aus Eichenholz. Das Bauholz des Turms wurde also nicht gesammelt, sondern in einer Fällungskampagne beschafft. Das Eichenholz wurde teilweise aus über hundertfünfzigjährigen Eichen gezimmert. Aus den Elementen der Eichenkonstruktion des ursprünglichen Holzturms, die in den Mauern des heutigen Backsteinturms stecken, wurden 5 Holzproben entnommen. Leider hatte keines der untersuchten Hölzer eine Waldkante, so dass kein genaues Fälldatum ermittelt werden konnte.  Der jüngste datierte Jahresring in dieser Probengruppe bildete sich im Jahr 1305. Nachdem mindestens ein Dutzend der Jahresringe des Splintholzes oder sogar Jahrzehnte fehlen, bleibt zu vermuten, dass der ursprüngliche Holzturm früher oder gleichzeitig mit dem Bau des Chors 1365 entstanden sein könnte.

Im Ergebnis stellt Konieczny fest:

Der Bau der Kirche und des Westturms ist in mindestens 6 Phasen erfolgt: 1. Erbauung des Chors beendet mit dem Abbund des offenen Dachwerks im Jahre 1365 oder kurz danach; 2. Anbau des Langhauses mit der Errichtung des Dachwerks 1440 oder kurz danach; 3. Errichtung von zwei gemauerten Geschossen des Westturms unter Beibehaltung des früheren Eichenglockenstuhls – vor 1474; 4.  Erbauung einer neuen Holzkonstruktion im Turminneren, die auf dem Mauervorsprung des 2. Geschosses ruht, zusammen mit dem Turmdachwerk und Einbau eines neuen Glockenstuhls aus Eiche im Jahre 1474 oder kurz danach (vermutlich zu dieser Zeit wurde der alte für eine Übergangszeit belassene Glockenstuhl beseitigt, dessen Fragmente noch bis heute in den Mauern stecken); 5.  Aufstockung des Turms um zwei Geschosse in Backstein um die früher ausgeführten Holzkonstruktionen herum – nach 1474: 6. Einzug des Zellengewölbes über den Chorwänden – vermutlich zu Anfang des 15. Jhs.

 

Restaurierungsetappe 2016 (VIIb)

Der Restaurierungsabschnitt VIIb ist ab Sommer 2016 erfolgt. Es wurden die kleineren Fehlstellen der Vorhangmalerei auf der Westwand ergänzt und die größeren Fehlstellen rekonstruiert. Außerdem erfolgte eine koloristische Angleichung der Vorhangmalerei an die umrahmende Wandfläche und an die Farbgebung der übrigen Wände der Kirche.

Die Arbeiten 2016 beinhalteten sodann die abschließende restauratorische Bearbeitung der Ostwand des Schiffs. Sie umfassten auch die Wiederherstellung des im unteren Bereich der Ostwand entfernten Wandputzes und dessen farblicher Fassung sowie eine Wand- und Deckenneufassung im Chorraum. Die gelbe Sichtfassung wurde auf der Grundlage historischer Putzfragmentbefunde ersetzt, um die Farbharmonie herzustellen, die im Schiffinnenraum gegeben war, als man die gotischen Wandmalereien noch nicht überfasst hatte. Die Arbeiten umfassten auch die Reste der Bemalung um der Sakraments-Nische (an der Nordost-Wand der Kirche).

Die Ostwand-Malerei erstreckt sich über eine Fläche von ca. 2 800 dm2, d.h. mit der Szene „Verkündigung“ (nördliche Abschnitt der Wand des Triumphbogens), und der Szene „Christus, Gott Vater und Hl. Barbara“(südlicher Wandabschnitt am Triumphbogen) und ornamentale Begleitteile.

Zustand der Wandmalereien an der Ostwand vor der Restaurierung:

1. Szene „Verkündigung“ im nördlichen Teil der Ostwand:

Die ursprüngliche Darstellung erstreckte sich fast über die gesamte Oberfläche der Wand (oberhalb der Horizontallinie, über der der alte Putz entfernt wurde, d,h. ca. 2,5 m über Bodenniveau). Es gibt Verluste an der Kante des Triumphbogens, direkt unter der Decke in der Nähe der Vertikalrisse und an der Ecke zur Nordwand.

Relativ gut erhalten sind die Wandmalereien auf den Wandflächen, die an den Triumphbogen angrenzen. Sie waren in geringerem Maße Feuchtigkeit ausgesetzt. In einem viel schlechteren Zustand befand sich die Malschicht, die in engerem Kontakt zur Nordwand steht. Die Partien, die länger Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen sind, wiesen eine konturlose verwaschene Polychromie auf. Es waren auch durch Versalzung verursachte Verfärbungen vorhanden.

Auch besser erhaltene Malpartien weisen Fehlstellen und kleinere Mängel auf, die in erster Linie durch unvorsichtigen Umgang mit denselben im 19. Jh. entstanden sind. Zu erkennen sind Schädigungen, die durch Entfernung von Putz- und Malschichten mit Kelle und Hammer und Beseitigung der Erhebungen auf der Tünche entstanden waren, so dass beispielsweise bei den figürlichen Darstellungen Gesichtszüge, Haarmodellierung etc. verlorengegangen sind. Der Zustand der Polychromie macht es schwer, sich verlorene Teile wie die Hände von Maria vorzustellen. Solche Details sind nur durch Analyse der Fehlstellen der Malerei und partiell rekonstruierbar gewesen.

2. Szene „Christus, Gottvater und die Heilige Barbara“ auf dem südlichen Abschnitt der Ostwand:

Es gibt hier ziemlich umfangreiche Verluste auch oberhalb der Linie, unter der der alte Wandputz bis ca. 2,5 m über Bodenniveau entfernt worden ist. Der größte Verlust entstand im 17. Jh. dort, wo Kanzelkorb und -baldachin an der Wand angebracht wurden, d.h. rechtsseitig. Andere Verluste resultieren aus statisch bedingten Rissen – einer davon verlief diagonal entlang der Linie des Triumphbogens und zwei andere nahmen einen vertikalen Verlauf. Umfangreiche Verluste sind weiterhin an einer Wandöffnung vorhanden, die später zugemauert worden ist.

Durch Entfernung von Putz- und Malschichten mit Kelle und Hammer und Beseitigung der Erhebungen auf der Tünche im 19. Jh. hat es hier Verluste an Wandmalerei gegeben.

Das restauratorische Maßnahmenprogramm 2016 an Ostwand und Altarraum im Detail:

  • Rekonstruktion der Farbfassung auf dem unteren Teil der Ostwand des Kirchenschiffs mit der Farbe OPTOMAL Silisan Optolith der Firma Hufgard; Anpassung von Farbabstufungen an den oberen Wandteilen mit dem Fabrikat kolory[1]: 1. S 1005 – Y30R (331) 71 und S 0907 – Y30R (51) 74)
  • Rekonstruktion der Farbfassung der unteren und oberen Wandbereiche des Chors: Wände, Gewölbe und Fensterlaibungen nach dem Entfernen alter Farbe; die Wandfarbe ist an den erhaltenen historischen Tünchebefund angepasst worden. Die Wände wurden mit der Farbe: S 1005 – Y30R (331) 71 behandelt, die Gewölbe, Triumphbogen und Fensterlaibungen mit: S 0804 – Y10R (21) 80
  • Wiedereingliederung Farbigkeit Triumphbogen nach Befund
  • Retuschen/Ergänzung Farben der an der Triumphbogenwand erhaltenen Wandmalerei-Partien
  • Partielle Wiederherstellung Ornamentik am Triumphbogen (Ergänzung
  • Fehlstellen der Farbschicht bei den erhaltenen Teilen der Ornamentik).
  • Wiederherstellung der dekorativen Rahmung der Sakraments- Nische
  • Dokumentation der Arbeitsleistung.

Genaue Angaben zu den zu bearbeitenden einzelnen Parteien sind während der Arbeiten situativ erstellt worden, je nach Beschädigung und Art der Malerei.

Die Gesamtkosten der Etappe VIIa und VIIb betrugen 40.000 EUR brutto. Auch Etappe VIIb wurde unter Leitung der Restauratorin Prof. Dr. Joanna M. Arszyńska, Toruń ausgeführt, die aus einer beschränkten Ausschreibung wie in den Etappen zuvor mit dem preisgünstigsten Angebot als Siegerin hervorgegangen war und dadurch am tiefsten in das Projekt eingearbeitet ist.

[1] Alle Farben-Zahlen von BASF Color Sensation Wand-System.

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Für die Kirche in Marienfelde sind in den kommenden Jahren weitere Restaurierungsabschnitte geplant. Die Grundmauern sollen vor aufsteigender Feuchtigkeit geschützt und partielle Schädigungen der Fassade beseitigt werden. Als nächste Schritte sind die Erneuerung der Fußbodens sowie 2017 und 2018 die restauratorische Endbearbeitung der Wandmalereien an der Süd- und Nordwand vorgesehen (Restaurierungsetappen VIII und IX). Außerdem stehen neben dem Abschluss des Orgelsanierungsprojekts Restaurierungsmaßnahmen an Altar, Kanzel und Sakramentsnische an. Dazu soll die Kirche moderne Elektroinstallationen sowie ein neues Beleuchtungssystem erhalten. Schließlich soll durch eine Neugestaltung des Kirchhofes und die Wiederherstellung der Umfriedung die Kirche ein ästhetisches und gepflegtes Umfeld erhalten.

Die Gesamtleitung des Projektes lag bis zuletzt bei Frau Prof. Dr. Habil. Ing. Romana Cielątkowska († 22. Januar 2016), die Inhaberin des Lehrstuhls für Architekturgeschichte und Denkmalpflege an der Technischen Universität Danzig/Gdańsk und Leiterin des Arbeitskreises „Gemeinsames Kulturerbe“ beim polnischen Nationalkomitee von ICOMOS war. Damit wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dem Projekt einen Modellcharakter für den Umgang mit dem deutsch-polnischen Kulturerbe zu geben.

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  • Technische Universität Danzig/Gdańsk: Technische Dokumentation, Erstellung des Arbeits- und Ablaufplans, fachliche Koordination und Überwachung des Gesamtprojektes (bis Januar 2016 Prof. Dr. Habil. Ing. Romana Cielątkowska († 22. Januar 2016), Inhaberin des Lehrstuhls für Architekturgeschichte und Denkmalpflege)
  • Universität Thorn/Toruń, Institut für Denkmalkunde: Vorbereitung und Durchführung der restauratorischen Arbeiten (Wandmalereien (Prof. Dr. Joanna M. Arszyńska)
  • Dendrochronologische Untersuchung: Aleksander Konieczny, Thorn/Toruń
  • Bauherr: Katholische Kirchengemeinde Marianka – Kath. Pfarrei St. Joseph  Pasłęk – vertreten durch Pfarrer Jan Sindrewicz
  • Fachliche Betreuung für die DPS: Prof. Dr. Christofer Herrmann, Kunstgeschichtliche Fakultät Universität Danzig

 

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