HIRSCHBERG / JELENIA GÓRA – BAD WARMBRUNN / CIEPLICE ŚLĄSKIE ZDRÓJ
Die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) förderte 2025 im Jelenia Góra (Hirschberg) zugehörigen Cieplice Śląskie-Zdrój (Bad Warmbrunn) die Wiederherstellung der historischen Fassadengestaltung des Baudenkmals Landhaus ul. Kazimierza Pulaskiego 16 (Wrangelstr. 16) als städtebaulich beispielgebendes Musterprojekt zur Revitalisierung der Villenkolonien im Hirschberger Tal / schlesische Sudeten.
Die von der Die Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) 2025 geförderte Wiederherstellung eines Teils der Fassadengestaltung des Landhauses Landhaus ul. Kazimierza Pulaskiego 16 (Wrangelstr. 16) in Cieplice Śląskie-Zdrój (Bad Warmbrunn) ist als beispielgebendes städtebauliches Revitalisierungsprojekt in der Region Hirschberger Tal /schlesische Sudeten einzuordnen. Ausgangspunkt für das zwischen 1912 und 1914 entstandene Landhaus ul. Kazimierza Pulaskiego 16 ist der starke Aufschwung des Tourismus in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. Adel und Bürgertum entdeckten in dieser Zeit für sich zunehmend landschaftlich reizvolle Regionen im eigenen Land. Besonders das damals preußische Hirschberger Tal gewann an Bedeutung. Der Adel modernisierte bestehende Landsitze, und auch das wohlhabende Bürgertum folgte dem Trend zur Sommerfrische und zum Wintersport. Infolge dieser Entwicklung entstanden zahlreiche Villenkolonien, insbesondere in Bad Warmbrunn und Hirschberg, aber auch in den umliegenden Gebirgsorten.
Die von der DPS geförderte Villa in Bad Warmbrunn liegt nahe dem Kurpark und steht exemplarisch für die letzte Phase der Villenbebauung vor 1914. Während frühere Bauten stark vom großstädtischen Wilhelminismus geprägt waren, setzte um 1908 eine kritische Neubewertung dieses Stils ein. Führende Persönlichkeiten wie Günther Grundmann forderten eine stärkere Orientierung an regionalen Bauformen. Ziel war eine Architektur, die Klima, Landschaft und kulturelle Identität berücksichtigte. Dies führte zu neuen Bauvorschriften und einem regional geprägten Landhaustypus mit asymmetrischem Grundriss, horizontal gegliederter Fassade, Mansarddächern, Holzverschalungen und farbig gestalteten Ornamenten, wie sie auch bei der Villa ul. Kazimierza Pulaskiego 16 zu finden sind.
Bad Warmbrunn, polnisch Cieplice Śląskie-Zdrój, liegt am Fuß des Riesengebirges in der Woiwodschaft Niederschlesien, ca. 70 Km von Görlitz. Warmbrunn wird von vier Gebirgsketten umgeben und ist der älteste und einer der beliebtesten Kurorte in Polen. Er ist seit Jahrhunderten für seine Heilthermalquellen berühmt und seit 1975 ein Ortsteil von Hirschberg (Jelenia Góra). Das Wohngebäude ul. Kazimierza Pulaskiego 16 befindet sich im südlichen Teil von Jelenia Góra (Hirschberg), im Ortsteil Cieplice. Es liegt in einer Wohnsiedlung mit regelmäßigem Straßenraster, östlich einer Nord-Süd-Straße und des Kurparks Cieplice. Das Gebäude befindet sich in einem dünn bebauten Gebiet auf einem von einem Garten umgebenen Grundstück. Es grenzt im Norden und Süden an ähnlich große, ebenfalls von Gärten umgebene Landhaus-Gebäude.
In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. erfuhr der Tourismus in Mitteleuropa eine deutliche Ausweitung. Während zuvor insbesondere gebildete Kreise des Bürgertums und des Adels im Rahmen der sogenannten Grand Tour Reisen nach Südeuropa unternahmen, verlagerte sich das Interesse zunehmend auf landschaftlich attraktive Regionen innerhalb der eigenen Länder. Im Königreich Preußen rückte dabei insbesondere das schlesische Hirschberger Tal in den Fokus. Der Adel begann, bestehende Landsitze und Schlösser im Tal zu modernisieren und baulich zu erweitern. Gleichzeitig orientierte sich auch das wohlhabende Bürgertum zunehmend an adeligen Lebensformen. Aufenthalte zur Sommerfrische im aufstrebenden Kurbad Warmbrunn / Cieplice sowie winterliche Sportaufenthalte in den Gebirgsorten Schreiberhau / Szklarska Poręba und Krummhübel / Karpacz galten als gesellschaftlich privilegiert.
Mit dem Anschluss der Kreishauptstadt Hirschberg an das Eisenbahnnetz im Jahr 1866 sowie der touristischen Erschließung des bis dahin nur eingeschränkt zugänglichen Riesengebirges nahm die Attraktivität der Region weiter zu. Die Reisezeit von Berlin nach Hirschberg verkürzte sich erheblich. In der Folge entstanden im gesamten Tal zahlreiche Beherbergungsbetriebe, wobei selbst abgelegene landwirtschaftliche Anwesen Gästezimmer anboten. Die Region erlangte zusätzliche Bekanntheit durch Schriftsteller und Künstler wie E. T. A. Hoffmann, Theodor Fontane sowie Carl und Gerhart Hauptmann. Darüber hinaus zog die landschaftliche Qualität des Hirschberger Tals zahlreiche Künstler und Architekten an, die die neu entstehenden Villenviertel architektonisch prägten.
Nach der Reichsgründung im Jahr 1871 entwickelten sich das Hirschberger Tal und die Orte entlang der schlesischen Sudeten zu einer bevorzugten Wohn- und Aufenthaltsregion für pensionierte Offiziere und Vertreter der gehobenen bürgerlichen Schichten. In dieser Phase entstanden zahlreiche Villenkolonien, insbesondere in Bad Warmbrunn und Hirschberg, aber auch in Gebirgsorten wie Schreiberhau, Krummhübel und Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój). Diese Quartiere wurden als geschlossene städtebauliche Einheiten geplant und zeichneten sich durch klar strukturierte Straßenführungen sowie formal gestaltete Platzräume aus. Die Villen folgten dem wilhelminischen Repräsentationsstil und wiesen typische Elemente wie Erker, Giebel, Fachwerkdetails und häufig ergänzende Remisengebäude auf. Die zugehörigen Gärten waren gegenüber den zuvor üblichen, solitär in der Landschaft stehenden klassizistischen Landhäusern deutlich kleiner parzelliert.
Mit dem Ersten Weltkrieg kam diese Entwicklung weitgehend zum Erliegen. Die Bautätigkeit nach 1918 setzte nur zögerlich ein und erreichte weder in gestalterischer noch in handwerklicher Hinsicht das Niveau der Vorkriegszeit.
Die Villenkolonie in Bad Warmbrunn
Die betrachtete Villa befindet sich in einem zwischen 1909 und 1914 entwickelten Quartier am Rand des Warmbrunner Kurparks und ist repräsentativ für die letzte Phase der Villenbebauung im Hirschberger Tal vor dem Ersten Weltkrieg. Die bis etwa 1908 errichteten Villen orientierten sich überwiegend an klassischen wilhelminischen Vorbildern, wie sie auch in den Berliner Villenvororten verbreitet waren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde diese architektonische Ausrichtung im Hirschberger Tal jedoch zunehmend kritisch hinterfragt. Der spätere Provinzialkonservator Schlesiens, Professor Günther Grundmann, zählte zu den maßgeblichen Vertretern dieser Kritik, die den großstädtisch geprägten Baustil als unvereinbar mit der regionalen Kulturlandschaft betrachteten.
Diese Haltung wurde durch die künstlerische Ausrichtung der Warmbrunner Holzschnitzschule unter der Leitung von Cirillo Dell’Antonio gestützt. Die Schule war sowohl im Bereich der Bau- und Innenausstattung als auch in der Gestaltung des öffentlichen Raums tätig und verstand sich zugleich als Gegenposition zur akademisch geprägten Kunst. Der naturalistisch-naive Stil sowie die bewusste Bezugnahme auf regionale Volkskunst machten die Holzschnitzschule zu einer wichtigen Impulsgeberin der Heimatschutzbewegung in Niederschlesien, die sich um 1910 europaweit formierte. Ziel dieser Bewegung war es, regionale Bautraditionen und kulturelle Eigenheiten in eine zeitgemäße architektonische Formensprache zu überführen.
Parallele Entwicklungen lassen sich auch im damaligen Polen beobachten. Der Maler, Architekt und Kunsttheoretiker Stanisław Witkiewicz entwickelte ab den 1890er Jahren in Zakopane im Tatragebirge einen Haustypus, der traditionelle Holzbauweisen mit zeitgenössischen architektonischen Elementen verband und stark von den Ideen der Heimatschutzbewegung beeinflusst war.
In Schlesien führten diese Strömungen zu Forderungen nach einer grundlegenden Erneuerung der architektonischen Stilistik. Günther Grundmann formulierte diese Positionen um 1910 in seinem Werk „Kunstwanderungen im Riesengebirge“, in dem er die Übertragung großstädtischer Bautypen auf ländliche Kontexte kritisierte. Statt äußerlicher Anpassung forderte er eine innere, funktionale Übereinstimmung von Bauform, Materialwahl, Klima, Landschaft und Nutzung. Als beispielhaft beschrieb er die Entwicklung vom Wanghotel zur Hampelbaude der Gebrüder Albert, die einen neuen, landschaftsbezogenen Baustil im Riesengebirge begründete.
Ab etwa 1908 führten diese Impulse zur Einführung neuer Bauordnungssatzungen, unter anderem in Bad Warmbrunn. Ziel war es, den Typus des modernen Landhauses in eine regional geprägte architektonische Form zu überführen. Die Grundrissform richtete sich nach der Nutzungsfunktion und war daher asymmetrisch angelegt. Die Fassaden wurden horizontal gegliedert, um einen Bezug zur topografischen Schichtung des Gebirges herzustellen. Mansarddächer ermöglichten die Ausbildung eines zweiten Vollgeschosses, das zugleich eine klassische Gliederung des Baukörpers in Sockelzone, Hauptgeschoss und Dachzone erzeugte, obwohl die Gebäude weiterhin drei Vollgeschosse aufwiesen. Die Mansarddachgiebel wurden mit Holz verschalt und im Sinne der Heimatschutzbewegung farbig gefasst sowie ornamental gestaltet.
Das Landhaus in der ehem. Wrangelstraße 16, heute ul. Kazimierza Pulaskiego 16 wurde zwischen 1912-14 durch das Architektur- und Baugeschäft Schwanitz, Voigtsdorfer Strasse, Bad Warmbrunn, errichtet, und zwar auf eigene Rechnung, d.h. ohne Auftrag eines Investors. Der Architekt ist unbekannt, die Bauakten sind nach 1945 verloren gegangen. Eine diesbezügliche Recherche in den einschlägigen niederschlesischen Archiven blieb bis dato erfolglos. Es handelte sich um eine Etagenvilla, dessen Bewohner üblicherweise Berufe ausübten, die der weit gefassten Mittelschicht zugerechnet wurden (Verkäufer, Krankenschwestern, Lehrer, Ingenieure sowie pensionierte und ehemalige Militärangehörige). Bei Schwanitz lag der Fokus auf der Vermietung an vermögende Rentner aus Berlin. Zunächst war das Haus von einem Generalmajor a.D. Zimmermann bewohnt, und zwar bis 1927 und mit gesamter Entourage, also mit Kutscher, Koch, Dienstmädchen und mehr. Der Speisefahrstuhl stammt aus dieser Zeit. Dann wurde das Haus von einer Familie Letzel übernommen, die es zumindest teilweise als Pension nutzte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der damit verbundenen Grenzverschiebung gerieten die Kurorte und Villenkolonien zunehmend in Verfall. Unter den Bedingungen der kommunistischen Verwaltung kam es insbesondere bei den groß dimensionierten Villen zu erheblichen Verlusten an historischer Substanz. Unsensible Umbauten und die Aufteilung in kleinere Wohneinheiten führten zu nachhaltigen Schädigungen der Gebäude, ganze Straßenzüge verfielen. Auch nach dem politischen Umbruch ab 1989 setzte keine umfassende positive Entwicklung ein. Die Gebäude wurden vielfach zu geringen Preisen an die jeweiligen Bewohner veräußert, die entweder nicht über die notwendigen Mittel oder über das Interesse an einer denkmalgerechten Instandsetzung verfügten. Die häufig ungünstigen baulichen Aufteilungen erschwerten Sanierungsmaßnahmen zusätzlich. So erging es auch der Villenkolonie in Bad Warmbrunn.
Ein denkmalaffiner Architekt aus Norddeutschland, der schon seit längerer Zeit sein zweites berufliches Standbein im Hirschberger Tal gefunden hat, wollte etwas an dieser Situation ändern, indem er mit der ul. Kazimierza Pulaskiego 16 eines der Bad Warmbrunner Landhäuser erwarb, um es denkmalpflegerisch vorbildlich wiederherzustellen. Er wollte damit für andere Landhauseigentümer, einen Impuls setzen, es ihm möglichst nachzutun. Er erwarb 2017 die erste Wohnung in dem Objekt und bis 2020 den Rest. Ab 2021 führte er dann sukzessive die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes durch.
Das Landhaus in der ul. Kazimierza Pulaskiego 16 war bis 2025 lediglich als Bestandteil des Flächenschutzes der Villenkolonie gelistet. Es wurde 2025 als Einzeldenkmal in die Denkmalliste aufgenommen und wird jetzt als Einfamilienhaus und Planungsbüro genutzt.
Der Bau erhebt sich auf asymmetrischen Grundriss. Die Asymmetrie ist einer bestmöglichen Raumaufteilung geschuldet, d.h. nutzungsfunktional bedingt. Das Gebäude wurde quadratisch und zweigeschossig (mit ausbaufähigem Dachgeschoss) errichtet. Das Sockelmauerwerk ist in Granit ausgeführt, der Korpus besteht aus Ziegelmauerwerk. Das Basisgeschoss ist verkleidet mit Zierziegelverblendern. Darüber setzt im Hochparterre ein breites horizontales Putzband an. Das Obergeschoss weist eine Brettverschalung auf (Bautzener Schalung), die nach oben hin in eine Holzverschindelung übergeht. Das Gebäude war ursprünglich bis vor Höhe Holzverschalung umlaufend mit einem Spalier versehen. Die Dachüberstände und schindelgedeckte Verdachungen über den oberen Fensterstürzen sind im Gebirge typisch.
Beim Bau wurde auf jegliche Putzornamentik verzichtet. Die Fenster wurden ursprünglich mit Holzjalousien versehen. Die nicht mehr zu rettenden verbliebenen Originalfenster wurden bereits durch neue, dem historischen Vorbild entsprechende Holzfenster ersetzt. Im Dachgeschoss, in den Vorsprüngen sowie an der Ost- und Nordfassade wurden einige Öffnungen mit einflügeligen Fenstern versehen, deren oberer Teil wie bei den verwendeten Mehrflügelfenstern symmetrisch unterteilt ist.
Dachgauben und Anbauten, die das Dachgeschoss erhellten, versah man mit Pultdächern. Die Dachtraufen wurden an der Unterseite ringsum mit einer schablonierten, bemalten Applikation in Form geometrischer Details im Jugendstil verziert (Rosetten in sechseckigen Feldern mit radialer Unterteilung, eingefasst von einem gestreiften, gestrichelten Rand, getrennt durch längliche, rautenförmige Polygone, jeweils drei in einer Reihe). In Höhe Oberlicht der oberen Fenster, das heißt zwischen Brettverschalung und Verschindelung, formte man die Fassaden-Holzverkleidung als glatten horizontalen Streifen aus, um Schablonenmalerei in Gestalt von Jugendstilornamentik darauf zu applizieren. Diese wurde zweiteilig gestaltet, d.h. im unteren Teil dem geometrischen Jugendstildekor verpflichtet, während sie im oberen Teil mehr der vegetabilischen Variante entsprach. Die Ornamentmalerei wurde weißfarben aufgetragen, der Anstrich der gesamten Fassaden-Holzverkleidung mintgrün. Mit der gediegenen Farbigkeit, dem zarten Abheben der Ornamentmalerei vom mintgrünen Hintergrund wurde dem Landhaus ein vornehmes Aussehen verliehen.
Der Haupteingang im nördlichen (mittleren) Vorbau erhielt eine ziegelgedeckte Walmverdachung und wurde über eine mehrstufige Treppe mit zwei parallel zur Fassade verlaufenden Läufen von Osten und Westen erreicht. Metallgeländer mit beidseitigen Voluten waren an der Fassade angebracht.
An der östlichen Ecke der Südfassade wurde die zweigeschossige, geschlossene Veranda angeordnet. An der Nord- und Ostfassade sind die Lüftungsschächte erhalten. Sie wurden mit einem aufwändig gestalteten Lüftungsgitter verkleidet.
Über dem Eingang und den beidseitigen Fensteröffnungen erstreckt sich ein dreifach geneigtes Dach mit unregelmäßigen Dachflächen und belegt mit keramischen Görlitzer Ziegeln, die ein spitzenartiges Muster aufwiesen. Die Dachspitze bildete eine filigran gestaltete Fiale mit einem konkaven Okulus, dessen Innenseite mit einem an eine Baumkrone erinnernden Rosettenmotiv bemalt war. Der Landhausbau mit gestufter Fassade inkl. Giebelrisaliten wurde mit einem hohen, sechsteiligen Mansarddach überfangen, das die Dachtraufe betont.
Der Haustürrahmen ist mit einer einflügeligen Holzrahmentür versehen, die mit schlichten geometrischen und floralen Jugendstilornamenten verziert ist.
Die Eingangshalle ist mit Terrazzo ausgelegt. Eine einläufige Terrazzotreppe mit profilierten Stufen führt ins Erdgeschoss und ins Untergeschoss, während man über eine zweiläufige Treppe mit Zwischenpodesten zu den oberen Stockwerken gelangt. Die Podeste zwischen den Geschossen und die Treppe zum zweiten Obergeschoss sind aus Terrazzo, die Treppe zum Dachboden hingegen aus Holz. Ein fast vollständig aus Holz gefertigtes Geländer aus flachen, breiten Balustern in Bretterform mit profiliertem Handlauf ergänzt das Treppenhaus. Die Baluster sind abwechselnd angeordnet: Volle Baluster verlaufen von der Setzstufe bis zum Handlauf, während kürzere, halbkreisförmige Baluster auf halber Höhe enden.
Die Innenräume sind in den Stockwerken über einen gemeinsamen Flur miteinander verbunden, von dem aus alle Zimmer zugänglich sind. Zusätzliche Durchgänge (im östlichen Bereich) verbinden die ursprünglich für repräsentative Zwecke vorgesehenen Räume. Die Räume sind mit breiten Holzdielen und Parkett ausgelegt und von schlichten, schmucklosen Decken mit profilierten, facettierten Zierleisten versehen (im Inneren wurden historische Elemente erhalten und restauriert, wobei moderne Materialien zum Einsatz kamen). Die Türrahmen sind in allen Räumen einheitlich: aus Holz, mit einem schlichten Sturz und einem segmentförmigen Gesims, verziert mit Längsrillen. Die Holztüren sind im oberen Bereich verglast. In den Enfilade-Räumen sind die breiten Türrahmen mit zweiflügeligen Schiebetüren ausgestattet. Die dekorativen Kachelöfen, deren Formen je nach Etage und Raumnutzung variieren, sind erhalten geblieben.
Der historische Charakter und weitgehend die funktionale Anordnung des Gebäudes wurden bewahrt, was den Wert der erhaltenen Authentizität beweist.
Die stilistische Einzigartigkeit des Gebäudes manifestiert sich in der Verwendung einfacher und sparsamer Fassadenkompositionen, die im Kontrast zu reichen, markanten architektonischen Details stehen. Dazu gehören die grünglasierten Keramikfensterbänke und dekorativen Metall-Lüftungsgitter, ein ungewöhnlicher Giebel über dem Eingangsdach und vor allem der bemalte Besatz am unteren Rand der Dachtraufe und teilweise an den Säumen der Vorsprünge. Der malerisch geformte Baukörper, ergänzt durch pflanzengeometrische Ornamentik, korrespondiert im Detail mit der umliegenden Grünfläche und fügt sich dem Konzept eines Hauses mit Garten als Erweiterung der umgebenden Landschaft ein.
Der Architekt gewährleistete die stilistische Konsistenz des Gebäudes sowohl in seiner äußeren als auch in seiner inneren Struktur.
Eine Kombination aus historisierenden Formen und Elementen der einheimischen Architektur mit reichen Jugendstildetails hebt das Gebäude von den umliegenden, historisierenden und charakteristischen Formen des 19. Jhs ab. Darüber hinaus wurden die historischen Gebäude in unmittelbarer Nähe durch zeitgenössische Nachkriegsarchitektur ersetzt. Die bestehenden, unveränderten Gebäude zeichnen sich durch einen hohen Grad an Authentizität aus. Das betreffende Gebäude hat seine ursprüngliche Struktur weitgehend bewahrt, und die neu hinzugefügten Elemente greifen den Stil des Originals auf und spiegeln den Charakter der Entstehungszeit wider.
Das Wohngebäude fügt sich in das städtebauliche Gesamtbild des Villenviertels ein. Die Gebäude sind entlang eines regelmäßigen Straßenrasters angeordnet und befinden sich auf großen, von Grün umgebenen Grundstücken.
Das zwischen 1912 und 1914 entstandene Landhaus in der ehem. Wrangelstraße 16, heute ul. Kazimierza Pulaskiego 16 ist ein vollständig erhaltenes und typisches Beispiel der zur Zeit seiner Errichtung entwickelten „Heimatschutz“-Bewegung. Es ist das letzte ungeteilte und vollständig erhaltene Gesamtensemble inkl. Wirtschaftsgebäude und samt Parzelle in Bad Warmbrunn (Cieplice Śląskie-Zdrój). Seine Architektur entspricht dem regional geprägten historistischen Landhaustypus mit asymmetrischem Grundriss, horizontal gegliederter Fassade, Mansarddächern, Holzverschalungen und farbig gestalteten Ornamenten. Alle Bodenbeläge, die wandfeste Ausstattung, sowie die Türen und Beschläge sind noch original erhalten, eine Seltenheit in Polen!
Das Baudenkmal ist ein wichtiger Bestandteil sowohl der historischen Gebäude des Viertels als auch des gesamten städtischen Baubestands. Als integraler Bestandteil beider stellt es ein greifbares Zeugnis der Vergangenheit und ein bedeutendes Element der lokalen kulturellen Identität dar.
Nachdem dank denkmalgerechter Instandsetzung in den letzten Jahren die Qualität der Architektur des Landhauses wieder zum Vorschein gekommen ist, wurde der Bau 2025 wegen seiner architekturgeschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung als Einzeldenkmal in das Denkmalregister aufgenommen.
Der Denkmalschutz hat der späthistoristischen Landhausarchitektur in der Region bislang nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die ihr gebührt. Dadurch sind viele der Häuser in ihrem Erscheinungsbild beeinträchtigt und kommt dem Landhaus ul. Kazimierza Pulaskiego 16 ein Alleinstellungsmerkmal zu. Es stellt ein beispielgebendes Musterprojekt zur Revitalisierung der Villenkolonien im Hirschberger Tal / schlesische Sudeten dar.
Bei dem Haus wurde von 1945 bis 2020 am Gemeinschaftseigentum rein gar nichts gemacht. Man ließ die Substanz gnadenlos verfallen und „hauste“ lediglich in ihr. Und wenn etwas an den Wohnungen gemacht worden ist, dann mit Baumarkt-Methoden, ohne Rücksicht auf Bestand, gerade im Mansardgeschoss regelrecht tragisch. Die Fenster sind ebenfalls ein gutes Beispiel. Strukturelle Schäden wies der Dachstuhl auf, gerissene Schornsteine, verrottete Deckenbalken und schwere Wasserschäden komplettierten das Schadensbild. Die Remise (als Autogarage) war akut einsturzgefährdet. Viele tragende Elemente waren völlig verrottet durch ein jahrzehntelang undichtes Dach. Auch wenn es hart klingt, die Schäden waren teilweise so weit fortgeschritten, dass ein „normaler“ Eigentümer wohl eher an Abriss hätte denken können.
Instandsetzungsmaßnahmen 2021 bis 2024 (ohne Beteiligung DPS)
Als erstes wurde das gesamte hydraulische Netz erneuert. Bei den Heizanlagen fand ein Austausch durch moderne Kondensatkessel statt. Außerdem wurde die Hauselektrik komplett erneuert und ergänzt um Alarm- und Brandmeldesysteme. Dabei wurde das letzte vorhandene Textilkabel im Kupferrohr saniert und wieder eingebunden. Parallel begann der Hauseigentümer mit der Aufarbeitung und Freilegung sämtlicher historischer Dielen und des Parketts, wobei er beschädigte Elemente durch historisch korrekten Ersatz aus vergleichbaren Bodenbelagsteilen ersetzte. Außerdem startete er mit der Instandsetzung aller historischer Türen, dem Rückbau moderner Eingangstüren und der Neuanfertigung der historischen Haupteingangstüren, Das Mansardgeschoss erhielt die historischen Haupteingangstüren, die auf dem Dachboden eingelagert waren, zurück. Sofern notwendig erfolgte die Instandsetzung der historischen Kachelöfen und insbesondere Schornsteineinführungen. Es folgten der Austausch und Ersatz sämtlicher Fenster nach dem Vorbild der letzten vorhandenen Originale. Vorbesitzer hatten die meisten historischen Fenster durch Kunststofffenster ersetzt. Insgesamt sind es 52 Fenster plus der Großverglasung des Wintergartens als Einzelanfertigung eines Tischlers. Das Mansardgeschoss erhielt eine Dämmung zum Dachboden sowie Innenwanddämmung und -neuverputz. Die hölzerne Dachkonstruktion wurde durchrepariert, nur wo nötig ausgetauscht und erneuert. 2021 kam es zur Neueindeckung der Mansarddachflächen mit historischen Biberschwänzen, die der Architekt chargenweise gebraucht in der Region angekauft hatte. Mit den Dacharbeiten einher gingen Neuaufmauerung und -verputz der Schornsteinköpfe. Die Maßnahmen 2022 beinhalteten Sanierung des Putzbands Hochparterre mit Anstrich nach Befundlage, eine Neuanfertigung der Haustür nach historischem Vorbild, die konstruktive Instandsetzung des Vordachs über dem Haupteingang einschließlich Neueindeckung mit Turmbiber (historisches Material war nicht mehr verfügbar). Demontage und Neusetzung der originalen Fensterbänke, Verfugung, Kupferverblechung und die Neuverblechung der Ortgänge schlossen 2023 an. Alle hier genannten Arbeiten, die dem Haus viel von seinem historischen Erscheinungsbild zurückgaben, bestritt der Eigentümer nur mit Eigenmitteln und in Eigenleistung.
Als es schließlich um die wichtige Wiederherstellung der Farbigkeit der Außenfassade ging, kam der Eigentümer 2024 auf die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) mit der Bitte um finanzielle Unterstützung zur Realisierung dieser Maßnahme zu. Für so viel Initiative, wie sie vom Eigentümer an den Tag gelegt wurde, kann man nur dankbar sein, so dass die Stiftung ihre Unterstützung zusagte. Förderbedingung war allerdings die Eintragung der Landhausvilla als Einzeldenkmal in das Denkmalregister und anschließend die Einholung der denkmalrechtlichen Genehmigung für die Wiederherstellung der Fassadenpolychromie gewesen.
„Es ist leider tragisch“, schrieb uns der Hauseigentümer, „wie mit dieser Architekturströmung in der Region umgegangen wird. Es sind viele Gebäude strukturell intakt. Wenn man aber kein konservatorisches und städtebauliches Zeichen setzt, werden in absehbarer Zukunft diese Objekte ebenfalls mit Styropor zugeklebt. Die Bewohner und besonders der hiesige Denkmalschutz wissen es einfach nicht besser, dabei sind durchaus die Finanzen mittlerweile vorhanden. Es fehlt allein das Beispiel.“ Und hier gibt es dieses Beispiel nun also.
Dank sorgfältiger Befunduntersuchungen konnte die originale Fassadenfarbigkeit und -ornamentik festgestellt werden. Die Befundergebnisse lassen nicht nur eine vollständige Wiederherstellung des ursprünglichen äußeren Erscheinungsbilds des Landhauses zu, sondern geben auch für die polnische Denkmalpflege wichtige Impulse, um sich hoffentlich bald intensiver konservatorisch um die Villen -und Landhauskolonie in Bad Warmbrunn zu kümmern. Jedenfalls ging die Registrierung des Landhauses als Einzeldenkmal und die Erteilung der denkmalrechtlichen Genehmigung zu einer aus Kostengründen zunächst nur partiellen Wiederherstellung der Polychromie der Außenfassade (Straßenseite) erstaunlich schnell, das heißt innerhalb nur eines Vierteljahres vonstatten, nicht zuletzt da sich der Eigentümer intensiv dahinterklemmte. Die Fördermaßnahme Wiederherstellung der Farbigkeit und Ornamentik der Westfassade (Straßenfassade) gelangte somit im Herbst 2025 zur Ausführung. Wie in der Denkmalpflege üblich, wurde eine Farbmusterachse erstellt und anhand dieser dann mit der Denkmalbehörde die Fassung des Fassadenoberflächen final festgelegt.
Noch gibt es eine ganze Reihe von weitgehend in der Grundsubstanz intakten Villen-Kolonien in der Region, wenn auch ganz überwiegend in einem bedauernswerten Zustand. Die einst farbenfroh gestalteten Fassaden sind in postsozialistischen Brauntönen gehalten, die aufwändig gestalteten Details wie Spaliere und Fensterläden sind verloren, die Leichtigkeit und Eleganz dieser Gebäude ist dahin. Nur einem aufmerksamen und kenntnisreichen Betrachter erschließt sich noch die einstige Schönheit dieser Gebäude. Daher würde es oft schon ausreichen, nur wenige charakteristische und stiltypische Elemente bzw. Farben zu restaurieren, um das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder neu zu erlangen. Ein beispielhafte Mustersanierung, wie in der ul. Kazimierza Pulaskiego in Bad Warmbrunn ist hierfür von großem Nutzen, auch um dem Denkmalschutz ein Beispiel zu geben. Mit dem Haus an der ehem. Wrangelstrasse kann erreicht werden, dass ein Beispiel dieser Architekturströmung exemplarisch und vollständig wiederhergestellt wird.
Durch die freudlose und düstere gegenwärtige Ausstrahlung dieser Gebäude wird nicht der eigentliche Wert und Potential erkannt, dadurch wird momentan weiterhin diese wertvolle Substanz aus Unkenntnis zerstört. Durch „die Macht des guten Beispiels“ (Peter Joseph Lenné) könnte mit der Wiederherstellung der Villa ein nachhaltiger Impuls geschaffen werden, um eine Trendwende im Umgang mit dieser wertvollen Gebäudekategorie einzuleiten. Mittlerweile wohnt im Hirschberger Tal eine neue Generation von Bewohnern in diesen würdevollen Häusern, es fehlt allein das gute Beispiel um potenzielle Investoren anzuleiten. Es besteht durchaus die Hoffnung, dass bei nachfolgenden Restaurierungsunterfangen an vergleichbaren Objekten das Gebäude ul. Kazimierza Pulaskiego 16 als Best Practice Example vorbildhaft wirken kann.
Die von der DPS geförderte Teilmaßnahme konzentrierte auf die Instandsetzung und Rekonstruktion der historischen Farbfassung der Holzverschalung an der Außenfassade der Gebäude-Westseite inkl. der Ornamentmalerei.
Besagte Holzverschalung wurde abgenommen und, bis auf intakte Teile, wegen des hohen Schadengrads entsorgt und erneuert. Erhaltbare Bestandsholzelemente wurden repariert, nicht mehr verwendbare Elemente nachgebaut. Unter der erneuerten Holzverschalung wurde zur Abdichtung eine Mineralwolldämmung angebracht. Spenglerarbeiten gingen mit den Holzarbeiten einher. Die Ornamentmalerei an der Westfassade im holzverschalten Obergeschossbereich wurde nach an anderen Gebäudeseiten entdeckten Befundspuren wiederhergestellt. Die Holzverschalung wurde zweifach grundiert und dreifach gestrichen (Remmers AQUA IG 15 Imprägnierung, 100 ml/m², Holzquerschnittsschutz – Remmers Hygro Blocker und Deckanstrich gemäß den Empfehlungen für Remmers Aqua VL66). Für 2026 in den Plan genommen wurde noch die Rekonstruktion der an der Unterseite der Traufe der Westfassade verlorengegangenen Schablonenornamentmalerei gemäß an des Befunds, der sich an der Nordostecke des Gebäudes erhalten hat.
Die Baukosten für die Wiederherstellung der ursprünglichen Polychromie der Westfassade betrugen rund 30.000 EUR und wurden finanziert mit einer Zuwendung der Senta-Weygandt-Stiftung, Görlitz an die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS), die als Maßnahmenträger für diese Zuwendung fungierte sowie Eigenmitteln und Eigenleistung des Denkmaleigentümers.
Der Eigentümer hat gleich anschließend noch das Sockelgeschoss der Westfassade mit einem Speziallaser reinigen lassen. Für 2026 vorgenommen wurden noch einige wenige Details, wie Verfugungen etc. und schließlich die ursprüngliche Einspalierung der Westfassade.
Der Eigentümer und Bauherr beabsichtigt, alle Außenseiten seines Landhauses zeitnah voll umfänglich wiederherzustellen.
- Projektierender Architekt: Christopher Schmidt-Münzberg, Architekt, An der Kirche 7 – D-27809 Lemwerder / Bremen
- Ausführende Baufirma: P.P.U.H. SANECO, uI. Kiepury 11/53, PL 58-506 Jelenia Góra (Abbruch-, Holz-, Abdichtungs-, Metall-, Montage- und Malerarbeiten)
- Fachliche Kontrolle: Niederschlesischen Woiwodschaftskonservator der Denkmäler, Außenstelle Hirschberg (Jelenia Góra)
- Denkmaleigentümer und Bauherr: Christopher Schmidt-Münzberg, An der Kirche 7 – D-27809 Lemwerder / Bremen www.schmidtmuenzberg.de