Projekte

GROß STEINORT / SZTYNORT DUŻY

Die neugotische Erbbegräbniskapelle der Familie von Lehndorff, Bestandteil der ehemaligen Gutsanlage von Lehndorff in Groß Steinort / Sztynort Duży und erschaffen vom Erbauer des Neuen Museums in Berlin, Friedrich August Stüler, war zuletzt akut einsturzgefährdet. Die Schwesterstiftung der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS), die Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF), hat den Bau mit seiner qualitätvollen neugotischen Architektur vor einigen Jahren übernommen, damit dieser nicht unwiederbringlich verloren geht. 2017-19 konnten mit Hilfe der DPS dringend notwendige Notsicherungsarbeiten an dem Baudenkmal durchgeführt werden.

Die neugotische Erbbegräbniskapelle der Familie von Lehndorff ist Bestandteil der ehemaligen Gutsanlage von Lehndorff in Groß Steinort (Sztynort Duży) mit Herrenhaus, Wirtschaftshof und Schlosspark. Im Dezember 2013 übernahm die Schwesterstiftung der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS), die Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF) das Mausoleum vom Landkreis Angerburg / Węgorzewo und damit nach dem Herrenhaus einen weiteren Teil des historischen Lehndorff-Anwesens. Der Bau mit der Architektur einer Kapelle war in einem bedenklichen Zustand und völlig dem Verfall preisgegeben.

Architekt des Sakralbaues war mit Friedrich August Stüler ein Schüler von Karl Friedrich Schinkel und einer der maßgeblichen Baumeister des preußischen Königshauses im 19. Jh.

Nachdem Schloss Steinort im Februar 2019 von der Gesellschaft Pałac w Sztynorcie Sp. z o.o., Olsztyn (Allenstein) mit der PNF als deren alleinigem Gesellschafter bis dahin direkt an die PNF übergegangen ist, ist die polnische Schwesterstiftung der DPS nun also Eigentümer von Mausoleum und Schloss Steinort.

2017-19 konnten die Auflagen des Denkmalamts zur Bauwerkserhaltung durch Realisierung einer Notsicherungsmaßnahme erfüllt werden, die sich auf Dach und oberer Abschluss Außenfassade konzentrierte. Jedoch mussten, da die Dachkonstruktion viel maroder war, als angenommen, Zimmererarbeiten in weitaus höherem Maße als geplant ausgeführt werden, was zu erheblichen Mehrkosten geführt hat. Das Projekt wurde realisiert mit privaten Spenden aus Deutschland (u.a. auch von der Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V.) und Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der DPS als Maßnahmenträger der Bundesmittel und Sonderspendenmitteln sowie Sachspenden Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger, Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Tragwerksplanung , der die Notsicherungsmaßnahme auch planerisch betreut hat.

Fast völlig vergessen drohte das Lehndorff-Mausoleum verlustig zu gehen. Das architektonische Kleinod ist jetzt wieder standsicher und hat ein dichtes Dach. Fortführungsmaßnahmen sind notwendig, um Außenfassade, Fensteröffnungen und Innenraumschale instand zu setzen und das Baudenkmal wieder nutzen zu können.

Dazu ruft die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz dringend zu weiteren Spenden auf!

Spendenkonto: Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, Deutsche Bank PGK AG Görlitz, IBAN: DE 42 8707 0024 0823 3660 05, BIC: DEUTDEDBCHE (als Verwendungszweck bitte Mausoleum Steinort angeben).

Ausklappen/Einklappen

Die Kapelle steht in Groß Steinort (PL – 11-600 Sztynort Duży) auf einer kleinen Anhöhe unweit vom Ufer des mit dem größeren Dargeimer See (Jezioro Dargin) verbundenen Labab-Sees (Jezioro Łabap) und ist von einem kleinen Friedhof umgeben. Die Entfernung zum Lehndorff´schen Herrenhaus beträgt gute 500m Luftlinie. Zwischen Herrenhaus und Mausoleum liegt der kleine Steinort See. Um vom nördlichen Ufer des Steinorter Sees, an dem sich das Herrenhaus erhebt, zu der Kapelle zu gelangen, geht es auf Fußwegen um diesen See herum bis zu dessen Südufer. Dort an südwestlichem Standort in einem Wäldchen steht solitär die Erbbegräbniskapelle. Seit Auflassung des Friedhofs war der Landzugang zum Mausoleum erschwert, d.h. der Fußweg wuchs immer wieder zu und musste zur Erschließung des Mausoleums regelmäßig in den Sommermonaten frei geschneist werden.

Ausklappen/Einklappen

Die Erbbegräbniskapelle wurde im Auftrage des Grafen von Lehndorff 1855/56 nach Plänen und Vorgaben von dem preußischen Baumeister Friedrich August Stüler (1800 – 1865) errichtet, einem der maßgebenden Berliner Architekten seiner Zeit. Dem eigentlichen Bau ging ein länger währendes Ringen um Form, Gestalt und Größe voraus. Wenngleich diese Erbbegräbnisstätte in den Jahren des Hauptschaffens von Stüler nicht die primäre Bedeutung hatte, wurden selbst bis zum Detail hin Einzelheiten von Stüler oder einem Mitarbeiter seines Büros im Sinne des Architekten abgeklärt. Dazu Auskunft gibt ein Brief vom 9. Juli 1855 zur Übergabe des endgültigen Entwurfes Stülers durch den Mitarbeiter seines Büros, den Architekten H. Lauenburg an den Grafen Lehndorff.

In der Kapelle fanden die Mitglieder der Familie der von Lehndorffs ihre Ruhe, und auf dem umliegenden Gelände wurden Verwandte, Bedienstete und Leute aus dem Dorf begraben.

Nach dem über Steinort hinweg gegangenen Sturm der Geschichte ist heute der Friedhof verwaist und das Gruftgeschoss des Mausoleums leergeräumt, letzteres bis auf darin jetzt zu ihrem Schutz untergebrachte Grabkreuze vom Friedhof. Das Bauwerk diente den Steinortern viele Jahre als Kapelle und Kirchraum. Schließlich ungenutzt, war die Kapelle bis zur Übernahme durch die PNF dem Vandalismus ausgesetzt.

Im Rahmen der Aktivitäten zur Rettung des Schlosses Steinort stieß das Team des Lehrstuhls Tragwerksplanung der Technischen Universität Dresden auf die Lehndorff´sche Kapelle. Das Schloss Steinort ist u.a. Gegenstand der Lehre in dem Vertiefungsseminar „Statisch-konstruktive Sanierung historisch wertvoller Bauwerke“ in der Ausbildung der Architekturstudenten der TU Dresden. Der Name Stülers, die idyllische Lage der Kapelle und zugleich ihre bedauernswerte Situation zogen sofort das Interesse der Studenten auf sich. Seit Oktober 2015 tragen Professor Jäger und seine Studenten den Hauptanteil an der Rettung des Lehndorff-Mausoleums in Steinort. Sie bereiten auch seine Teilnutzung vor, um es ab 2018 vor allem in den Sommermonaten der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Eigentümer des am 20. Juni 1986 als Masurische Kapelle von 1858 in das Denkmalregister mit der Nummer 504 aufgenommenen Bauwerkes ist inkl. des Friedhofs, der am 10.01.1989 mit der Bezeichnung „Ev. Friedhof auf dem Isthmus zwischen den Seen unter der Registriernummer XIX, Nr. 617 eingetragen“ wurde, seit Dezember 2013 die PNF. Sie übernahm das Baudenkmal vom Landkreis (Powiat) Angerburg / Węgorzewo. Die Unterzeichner des Vertrags waren Landrätin (Starosta) Halina Faj und Dr. Eugeniusz Gorzyca, damals Geschäftsführer der PNF, die bereits als Gesellschafter der GmbH fungiert, die Eigentümer von Schloss Steinort ist. Die Sicherung des Schlosses hatte in den zurückliegenden Jahren immer die Priorität, sodass keine Mittel für die Kapelle bereitgestellt werden konnten. Die Akquisition von Spenden ist zudem wegen der großen Entfernung und des bisher „Wenig-Bekannt-Seins“ äußerst schwierig. Auch der Verein Lehndorff-Gesellschaft Schloss Steinort e.V. konzentriert sich vor allem auf das Herrenhaus und hat dort bereits erhebliche Mittel zur Gefahrenabwehr eingesetzt. Staatliche Zuwendungen sind bisher vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem polnischen Kulturministerium in das Schloss mit gleichem Ziel geflossen.

Aus diesem Grunde hatte der Lehrstuhl Tragwerksplanung im Jahr 2016/17 seine Aktivitäten zur Einwerbung von Spenden für die Rettung der Kapelle verstärkt. Im Ergebnis konnten ca. 20.000 EUR Finanzmittel und 1.800 EUR Materialspenden eingeworben werden. An der Notsicherungsmaßnahme 2017ff. war die TU Dresden mit beteiligt, die diese zugleich für die Ausbildung der Studenten der Architektur als Anschauungs- und Arbeitsobjekt nutzt. Damit erfüllt die Kapelle einen weiteren Nutzungszweck. Gleichzeitig übernimmt die TU Dresden über studentische Arbeiten die Gestaltung und Aufstellung der geplanten Ausstellungstafeln zur Geschichte der Erbbegräbniskapelle.Bauherrbevollmächtigter und Hauptplaner des Notsicherungsmaßnahmenprojekts war Prof. Dr. Ing. Wolfram Jäger, auch mit seinem Büro Jäger Ingenieure in Dresden-Radebeul

Den Auftakt der Notsicherungsarbeiten am Mausoleum markierte am 23. September 2017 eine von der TU Dresden organisierte kleine ergreifende Feier mit ökonomischer Segnung der Kapelle. An dem Tag, an dem auch das Ende der Steinorter Sommerausstellung von Hannah Wadle „Der Chronist unserer Träume“ begangen wurde, die bei den internationalen Gästen der Saison beliebt war, hatte die Baufirma Hohl Construction mit zwei Zimmermännern aus Deutschland mit den Sicherungsarbeiten am Dach angefangen. Dadurch, dass die Zufahrt zum Mausoleum durch Baugerät unpassierbar gewesen ist, sind die Gäste mit einem kleinen Schiff gebracht worden. Am 14. Juli 2018 wurde mit Teilnahme zahlreicher Besucher das Richtfest für die Dachstuhlkonstruktion der Kuppel des Mausoleums gefeiert, die wie sich herausstellte so geschädigt war, dass sie weitgehend zu erneuern gewesen ist. Bedingt durch die umfangreicheren Schäden wurden die Zuwendung der Bundesrepublik sehr dankenswert aufgestockt und weitere Spendenmittel vom Bauausführer Prof. Jäger eingeworben und verlängerte sich die Fertigstellung der finanziell weiterhin nur in der Mindestvariante möglichen Sicherungsarbeiten bis Ende Juli 2019.

Ausklappen/Einklappen

Der Bau ist in rotem Backstein verkleidet. Insgesamt präsentiert die Kapelle sich in neogotischer Gestaltungsform. Der Grundriss und die an den acht Ecken angelegten Strebepfeiler sind auch aus statischen Gründen gewählt worden, um den Gewölbeschub sicher abtragen zu können.  Die Fassadenachsen weisen jeweils eine hohe Spitzenbogenöffnung mit Rautenverglasung und Dreieckübergiebelung mit Occulusöffnung darin auf.

Der Bau besteht aus einem achteckigen Untergeschoss mit nach innen eingezogenen Strebepfeilern und Zeltgewölbe sowie einem Kapellenraum, bei dem durch ein eingezogenes rundum verlaufendes Gurtgesims ein Doppelgeschoss angedeutet ist, mit in die Wand-Ecken eingestellten schmalen kapitellbekrönten Säulen. Ein filigran gestaltetes Sternrippengewölbe überspannt den Kapellenraum.

Ausklappen/Einklappen

Der Bau zählt zu den wenigen im heutigen Osten von Polen erhaltenen aus der deutschen Vergangenheit. Er ist zusammen mit den Grablegungen ein Artefakt der deutsch-polnischen Geschichte dieser Region. Und er ist zugleich ein Denkmal der Architekturgeschichte und des Wirkens eines großartigen Architekten in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Ausklappen/Einklappen

Durch das undichte Dach drangen die Niederschläge direkt ins Gebäude ein und drohten das wunderbare Netzgewölbe zum Einsturz zu bringen. Vor dem Eigentumsübergang an die PNF war die Zinkdeckung entfernt worden, und das Niederschlagswasser hatte ungehindert in den Bau eindringen können, was zu erheblichen Frostschäden in den Kämpferbereichen des einmaligen Gewölbes führte. An den feuchten Stellen der Raumschale platzte der Putz immer weiter ab. Was die Dachkonstruktion betraf, hatte sich die Substanz der Fußschwelle und der Fußpunkte der Sparren strukturell sehr stark abgebaut. Der Kaiserstiel stand vor dem Kollaps, wie sich im Zuge der Arbeiten ab Herbst 2017n herausstellte. Wo das historische Dachgebälk frei lag, war es noch intakt. Die Dachschalung wies Leckstellen auf und das Dachgesims war ausgefroren und mit fehlender Mauerabdeckung überkommen. Dringend waren die Dachkonstruktion reparatur- und die Dachhaut abdichtungsbedürftig. Zwechgiebel des oktogonalen Baues waren bereits aus dem Lot und partiell absturzgefährdet. Das Gruftmauerwerk ist noch im Verband, so dass es hier nicht zum Wasseraufstau in der Gruft kommt. Es wird vermutet, dass bodenseitig das eindringende Niederschlagswasser zum See hin abfließt.

 

Ausklappen/Einklappen

Im Oktober 2015 war mit Studenten der Technischen Universität Dresden unter Leitung von Professor Wolfram Jäger eine Exkursion veranstaltet worden, die der Erkundung des baulichen Zustandes und der Bauaufnahme diente. Auf Grund der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit wurde das Bauwerk mit einem 3D-Laserscanner aufgenommen. Parallel wurde eine Diplomarbeit zur Herausarbeitung der Sanierungskonzeption und Realisierung zeitlich versetzter Bauabschnitte vergeben. In ihr wurden die denkmalpflegerische Zielstellung herausgearbeitet und zugleich die für einzelne Abschnitte benötigten Finanzmittel ausgewiesen und damit eine für die Realisierung flexible Planungsunterlage dargestellt.

Für die Vorarbeiten erforderliche Gelder wurden von dem die Maßnahmen durchführenden Tragwerksplaner Professor Jäger aus von ihm speziell dafür eingeworbenen Spenden finanziert und durch entsprechende Eigenleistungen realisiert und ebenso z.T. für die Hauptarbeiten.

Vom zuständigen Denkmalamt wurde eine Liste der Gefahrenstellen und notwendigen Maßnahmen aufgestellt, die es schrittweise umzusetzen galt und gilt.

Die Sanierung/Sicherung wird laufend durch studentische Arbeiten abgesichert und durch Beiträge wissenschaftlicher Mitarbeiter, die auf dem Gebiet versiert sind, ergänzt (jew. von der TU Dresden). Nach Bestandsaufnahme und Vorentwurf für die Sanierung wurde mit den Arbeiten im September 2017 begonnen. Schwerpunkt war die Verhinderung eines Kuppel-Einsturzes. Die Phasen einer geplanten vollständigen Sanierung und Restaurierung lassen sich nach der Grundsicherung ggf. über mehrere Jahre strecken, ohne dass dies der Substanz schadet.

Ausklappen/Einklappen

Die erste Etappe bildete die dringend notwendige Sanierung der Dachkonstruktion mit Sicherung der Zwerchhäuser. Dieser Abschnitt bedurfte einer Förderung durch Dritte (Einrüsten des Baus, Arbeitsboden herstellen, Sanierung Dachkonstruktion, Ergänzung der Schalung, Abdichtung mit Dachpappe, Abdeckung der Mauerkronen mit Zinkblech nach Reparatur/Ergänzung zerfrorener Bereiche).

Folgende Sicherungsarbeiten wurden 2017-19 zur dringend notwendigen Wiederherstellung der Standsicherheit im Detail durchgeführt:

  • Einrüsten des achteckigen Baus mit einem optimierten Auslegergerüst, Herstellung eines Arbeitsbodens im Dach
  • Anlegen eines Schnürbodens zur Ausführung der notwendigen Abbundarbeiten
  • Erneuerung der hölzernen Mauerlatte mit Sicherung der Zugkraftübertragung
  • Sanierung der Sparren sowie des liegenden Stuhles (der Dachstuhl an sich ist Denkmal der Zimmermannskunst in der Region. Der Stuhlkranz musste wegen seines sehr schlechten Substanzzustands letztendlich doch wie die Schwelle erneuert werden) und Erneuerung Dachschalung
  • Sanierung und Ergänzung der Mauerkronen einschließlich Sims sowie Abdeckung mit Zinkblech
  • Maurermäßige Instandsetzung Zwerchgiebel
  • Erneuerung Wassereinlauftöpfe in Zinkblech (Herstellung von Wasserspeiern aus PVC und Ripprohre zur provisorischen Wasserableitung anbringen wird sobald nächste Spenden generiert werden können, noch folgen).
  • Dachabdeckung mit (heutzutage asbestfreien) Eternitschindeln.

Aus Kostengründen wurde 2017-19 verzichtet auf:

  • eine Metalldachneueindeckung
  • die volle Ausführung der Dachklempnerarbeiten einschließlich Dach- und Giebelspitzen
  • Metallfallrohre
  • die komplette Mauersanierung von außen.

Stattdessen wurde noch folgende Teilleistung realisiert:

  • Erarbeitung und Aufstellung von ca. acht Postern zum Bauwerk, zur Kapellengeschichte und zur Geschichte des Ortes.

Die Kosten für die Notsicherungsmaßnahme (erste Etappe) Wiederherstellung der Standsicherheit Mausoleum, gefördert mit Mitteln der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien, waren zuerst knapp kalkuliert auf 61.400,00 €. Der Finanzierungsplan für die Ausführungsarbeiten sah 22.300,00 von der DPS, davon 19.300,00 € Mittel der Beauftragten für Kultur und Medien und 3.000,00 € Spenden, 20.000,00 € Eigenmittel des bevollmächtigten Bauherrn TU Dresden in Form von durch Professor Jäger eingeworbenen Spenden, 18.300,00 € Eigenleistung des Bauherrnbevollmächtigten und 800,00 € Materialspenden vor. Ein Förderantrag 2017 an das Polnische Ministerium für Kultur und das nationale Erbe (MKiDN) zur Gesamtinstandsetzung blieb unbewilligt, sodass kein größerer Bauabschnitt möglich geworden ist. Sodann stellte sich heraus, dass die Arbeiten an der Dachkonstruktion des Mausoleums aufgrund des erst nach Gerüststellung feststellbaren höheren Schadensgrades wesentlich umfangreicher gewesen sind. Durch Einwerbung zusätzlicher privater Spenden und eine Aufstockung der Bundesförderung konnte der Kostenrahmen auf rund 100.000,00 EUR erweitert werden. Durch Mehrkosten infolge des schlechten Bauzustands der Dachkonstruktion und der Zwerchgiebel sind die Baukosten bis Ende Juli 2019 auf 176.000.00 EUR gestiegen.

Wesentliche Grundlagen für die Vorbereitung der Arbeiten waren die Bestandsaufnahme und die Schadensdokumentation, die von Studenten der Fakultät Architektur der TU Dresden unter fachkundiger Anleitung durchgeführt worden sind. Besonders zu nennen sind dabei die Diplomarbeiten von André Weichelt und Sandy Klemm.

Die statische Berechnung für die Sanierung des Dachstuhls wurde von Jungingenieuren der Jäger Ingenieure GmbH Radebeul/Weimar erarbeitet sowie ein Leistungsverzeichnis erstellt.

Die denkmalrechtliche Genehmigung und die Baugenehmigung wurden der TU-Dresden, Fakultät Architektur, Lehrstuhl Tragwerksplanung vertreten durch Professor Jäger als vom Denkmaleigentümer PNF bevollmächtigten Bauherr auf der Grundlage der in Dresden erarbeiteten Planunterlagen mit dem Maßnahmenprogramm im Sommer 2017 erteilt.

Grundlage für die denkmalpflegerische Zielstellung ist die Diplomarbeit von Sandy Klemm. Danach werden keine Veränderungen am architektonischen Erscheinungsbild vorgenommen. Die fehlenden und zerfrorenen Ziegel wurden und werden weiter handwerklich ersetzt. Als Dachhaut war eine Zinkdeckung vorgesehen, jedoch nicht aus Einzelplatten (wie früher), sondern aus Bahnen mit Falz. Wegen der Kosten hatte bei der Notsicherung jetzt eine Eternitschindeldeckung zu genügen.

Ausklappen/Einklappen

Fortführende Arbeiten werden sein: zunächst Installierung Wasserspeier und Regenfallrohre, weitere Instandsetzung Außenfassade, Wiederherstellung Fenster, sodann Einbau einer Eingangstür mit Schmiedegitter, die einen Einblick in den Kapellenraum, sein Gewölbe und die Grabkreuze gestattet. Dann Egalisierung des Fußbodens im Gruftgeschoss und Herrichten des Treppenabganges, vorher losen Putz abschlagen und säubern des Gruftgeschosses, lose Partien im Mauerwerk mit Mörtel auswerfen.

Die Arbeiten zur weiteren Sanierung bis zur Fertigstellung in Jahresscheiben können teilweise im Rahmen studentischer Bausommer und von Eigenleistungen – finanziert aus eigens dafür vom Lehrstuhl Tragwerksplanung der Fakultät Architektur der TU Dresden eingeworbenen Spendenmitteln – ausgeführt werden. Fenster und Türen sollen im Rahmen von Meisterstücken der Ausbildung zum Handwerksmeister angefertigt werden.

Es ist das Ziel, zusammen mit den Einwohnern von Steinort und den Freunden von Ort und Schloss die Nutzung der Kapelle als Andachts- und Kirchraum wiederherzustellen. Dabei erfolgt die Ausgestaltung des Kirchraumes mit Grabkreuzen, Grabinschriften (im Staatsarchiv in Leipzig umfänglich überliefert) und kirchengeschichtlichen Informationen.

Die Ausstellung, die das Gruftgeschoss einmal aufnehmen soll, wird Informationen zur Geschichte Steinorts und seiner Herren und Bewohner vermitteln und zugleich von der Initiative der Einwohner Steinorts – unterstützt von Studenten der TU Dresden – zur Wiedergewinnung der Kapelle berichten. Die Gestaltung durch Studenten der TU Dresden soll in Abstimmung mit dem Schlosseigentümer erfolgen, um Redundanzen auszuschließen und die Attraktivität zu sichern. Der Gruftraum soll ganztags, unabhängig von der Jahreszeit, zugänglich werden. Eine Betreuung in den Sommermonaten ist durch die Honorar-Hilfskraft der DPS für Schloss Steinort und Einwohner des Ortes vorgesehen. Im Winter soll für Interessierte von verantwortungsvollen Bewohnern der Zugang bei Bedarf und zu kirchlichen Anlässen ermöglicht werden. Dazu soll auch am Ortseingang am Abzweig des Feldweges zur Kapelle eine Orientierungstafel aufgestellt werden, die die notwendigen Informationen dazu bereitstellt. Der Eintritt ist grundsätzlich frei.

Der Kirchenraum im Erdgeschoss soll als Andachtsort für Einwohner und vor allem Touristen im Sinne einer Schifffahrtskirche dienen. Dazu ist geplant, in Eigeninitiative mit Unterstützung des Jagdpächters und der Forstwirtschaft eine Anlegestelle zu errichten, die den direkten Zugang für Segler und Bootsfahrer vom Lababsee ermöglicht.

Infolge der Mehrkosten, die sich bei den Notsicherungsmaßnahmen 2017-19 ergeben haben, und da das Untergeschoss des Mausoleums feuchter als gedacht ist, konnten die Ausstellungstafeln, die darin mit Fertigstellung der Notsicherung aufgestellt werden sollten, zunächst nurmehr im äußeren Umfeld platziert werden.

Die Lehndorff´sche Erbbegräbniskapelle soll in die Gesamtkonzeption zur Revitalisierung von Schloss Steinort und seiner Umgebung eingebunden werden. Sie wird integraler Bestandteil wegen ihrer architekturgeschichtlichen Bedeutung und der Zeugniskraft im Hinblick auf Leben und Führung des Gutes Steinort. Die Erbbegräbnisstätte soll im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit einen festen Platz einnehmen und zur Erhöhung der Anziehungskraft des Schlosses und seiner Umgebung beitragen.

Einschlägige Reiseveranstalter sowie der örtliche Tourismusverband sollen über die Wiederbelebung der Kapelle, ihre besondere Bedeutung und auch Nutzung als ökumenischer Andachtsraum informiert werden, damit sie diese in ihr Angebot mit aufnehmen und die Touristen auf das Kleinod aufmerksam machen können. Geeignetes Bildmaterial für Reiseprospekte und Internetauftritte soll zur Verfügung gestellt werden.

Die Bruttokosten zur Gesamtinstandsetzung des Mausoleums dürften sich inzwischen auf ca. 300.000,00 EUR belaufen, von denen jetzt 176.000,00 EUR abgearbeitet sind.

Ausklappen/Einklappen

  • Ausführender Baubetrieb: Fa. Budowlana „Hohlbud“, PL-11-610 Pozezdre
  • Eigentümer: Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF), Warschau / Warszawa
  • Bauherr: Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger, Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Tragwerksplanung, Dresden
  • Fachliche Beratung: Woiwodschaftskonservator in Allenstein (Olsztyn), Delegatur Lyck (Ełk), Leszek Godzieba (Leiter), ul. Mickiewicza, PL – 11 19-300 Ełk
Ausklappen/Einklappen

  • Börsch-Supan, Eva; Müller-Stüler, Dietrich: Friedrich August Stüler 1800 – 1865. (Werkverzeichnis) herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin. Deutscher Kunstverlag: München, Berlin 1997
  • Familienarchiv von Lehndorff, Steinort, Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Bestand 21950, Akte 254
  • Jäger, Wolfram; Weichelt, André: Kurzdokumentation zur Erbbegräbniskapelle der von Lehndorffs in Steinort, unveröffentlicht, Dezember 2015 aktualisiert 2017 (die Abhandlung diente für die Darstellung des DPS-Förderprojekts Mausoleum Steinort als Informationsgrundlage)
  • Klemm, Sandy: Das Mausoleum in Groß-Steinort – Vertiefende Untersuchungen zur Baugeschichte, Bestandsdokumentation, Fassadenschäden und Sanierungsempfehlungen. Diplomarbeit, TU Dresden, Fakultät Architektur, Juli 2016
  • Weichelt, André: Mausoleum Steinort. Diplomarbeit. TU Dresden, Lehrstuhl Tragwerksplanung, unveröffentlicht, Februar 2016
Ausklappen/Einklappen