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LANGENAU / ŁEGOWO

Die Dorfkirche der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria in Langenau / Łegowo, die ihre bemerkenswerte manieristische Ausstattung bewahrt hat, wurde 2020 erstmals von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) gefördert. Nachdem bereits 2014 die Dächer der Kirche instandgesetzt werden konnten, bekam der Denkmaleigentümer, die in Posen ansässige Polnische Provinz von der Verkündigung des Herrn in der Gesellschaft des katholischen Apostolates (Pallottiner), 2020 die Mittel zusammen, um die schadhafte Außenfassade zu sanieren. Die DPS unterstützte das Projekt als Maßnahmenträger einer Zuwendung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und in selbiger Konstellation 2021 den Beginn der Restaurierung der wertvollen Holzausstattung (zwei Außentüren und zwei Fensterschmuckrahmen).

Im Jahr 2017 war der Denkmaleigentümer der Langenauer Kirche, die in Posen ansässige Polnische Provinz von der Verkündigung des Herrn in der Gesellschaft des katholischen Apostolates (Pallottiner) erstmals an die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz herangetreten, um eine Förderung zur Restaurierung von Teilen der wertvollen Innenausstattung zu beantragen (Kanzel) und bereits drei Jahre zuvor an die Beauftragte für Kultur und Medien wegen einer Zuwendung für die Sanierung der Kirchendächer. Beide Förderanliegen waren damals aus verschiedenen Gründen erfolglos geblieben. Das gesamte Dach konnte dann mit Mitteln der EU und der deutschen Kurienhäuser erfolgreich saniert werden. 2018 und 2019 gelang es, sieben der zehn Fenster zu restaurieren. Die verbliebenen drei Fenster wurden 2020 im Zuge der Instandsetzung der Außenfassade aufgearbeitet.

Der Pallottiner-Orden wurde 1846 als Bestandteil der Vereinigung des Katholischen Apostolates vom Hl. Vinzenz Pallotti in Rom gegründet und ist heute päpstlich anerkannt (Ordenskürzel SAC). Die Gemeinschaft entstand zur Verbreitung, Vertiefung und Erneuerung des Glaubens und ist heute auf allen Kontinenten vertreten. Die Vereinigung „Unio“ bestand von Anfang an aus Laien, Ordensleuten und Priestern, die nach ihren je eigenen Möglichkeiten die Aufgaben der Vereinigung mittrugen, womit Pallotti die bis dahin streng hierarchische Struktur in der kath. Kirche aufbrechen wollte. In Langenau wird das Provinziat Posen der Gemeinschaft durch den Pallottiner Priester und zugleich Pfarrer der örtlichen Kirchengemeinde (550 Mitglieder) Piotr Ramusiewicz SAC vertreten.

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Das Dorf Langenau / Łegowo liegt südlich der Danziger Bucht, zwischen Graudenz / Grudziądz im Süden, Marienwerder /Kwidzyn im Westen, Osterode / Ostróda im Osten und Elbing / Elbląg im Norden, in der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Grenze zur Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Es ist Ortsteil der Gemeinde Freystadt / Kisielice im Kreis / Powiat Deutsch-Eylau / Iława.

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Eine Erstkirche wurde vermutlich im 14. Jh. erbaut (die nachfolgenden Informationen über die Geschichte der Kirche stammen größtenteils aus der Masterarbeit von Witold Iwaszkiewicz, die unter der Leitung von Dr. Michał Woźniak an der Nicolaus-Kopernikus-Universität in Toruń, Fakultät für bildende Künste, Witold Iwaszkiewicz, mit dem Titel „Manieristische Einrichtung der post-evangelischen Kirche in Łęgówo, Toruń 1993, verfasst wurde).

Der Bau der heute bestehenden Kirche begann wahrscheinlich um 1600. Ein Jahr später wurde der Hauptaltar fertiggestellt, wie aus der darauf angebrachten Inschrift hervorgeht. Um 1603 wurden die Haupt-Bauarbeiten abgeschlossen. Nach Angaben von Experten wurden die Arbeiten an der Innenausstattung 1604 abgeschlossen. Nach der Reformation war die protestantische Adelsfamilie von Polentz auf Schönberg der Eigentümer des Gutes Langenau. Alexander von Polentz war der Gründer der Kirche.  Bereits um 1600 hatte er eine Gruft unter dem Chor und die Sakristei anbauen lassen, die zunächst als Begräbniskapelle und Patronatsherrenloge diente. Vor 1679 brannte es in der Kirche erstmals. In den nächsten Generationen wurde der Bau unter Bewahrung seiner ursprünglichen architektonischen und dekorativen Gestalt „renoviert“. Besonders beachtenswert scheint in dieser Zeit der Besuch des preußischen Chronisten und Kartografen Christoph Hartknoch (1644 – 1687) gewesen zu sein. Er beschrieb in seiner Chronik als erster die Kirche ausführlich und bezeichnete sie als „Perle in Preußen“. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche mit einem Außenputz als Quaderrustika ausgestattet.

Auf Initiative des damaligen Verwalters von Kalnein in Langenau wurden 1704 Kirchengemälde von den Brüdern Gabriel und Joachim Schwarten aus Hamburg restauriert. 1736 brannte der Chor nieder. In der Gruft wurde Reinhold von Thadden-Trieglaff, Generalleutnant und Kommandeur der Festung Glogau unter Friedrich dem Großen, beigesetzt.

Die letzte Nachfahrin der Familie der Langenauer Linie von Polentz, Karoline von Polentz, heiratete 1850 ihren Nachbarn Albert Louis Hans von Beneckendorff und von Hindenburg auf Neudeck / Ogrodzieniec (bis 1934 gehörte dieses 8 km von Langenau entfernte Dorf Generalfeldmarschall und Reichspräsident und zuletzt Reichskanzler Paul von Hindenburg, dessen Sohn, Generalleutnant Oskar von Beneckendorf und von Hindenburg, der letzte Eigentümer des Anwesens war. 1945 wurde Schloss Hindenburg von Soldaten der Roten Armee geplündert und in Brand gesteckt und seine Ruine 1950 abgerissen).

Ein weiteres Feuer brach am 24. Juli 1861 in der Langenauer Kirche aus und verursachte schwere Schäden, die 1862 beseitigt werden konnten. Dabei wurden vier ovale Deckengemälde abgenommen und an den Wänden im östlichen Teil der Kirche aufgehängt. Der Kirchturm wurde nach Entwurf des preußischen Baumeisters Schmundt in Marienwerder im neugotischen Stil umgebaut, wobei dem Haupthelm vier Ecktürme hinzugefügt wurden. 1902 wurde eine Restaurierung des Hauptaltars durchgeführt (Unterschriften der Auftragnehmer auf der Rückseite).

Helene von Hindenburg war 1920 gezwungen, das Gut zu veräußern. Sie verkaufte es an den Staat, der die Landwirtschaft als Domäne weiter betrieb. Paul Gerhard Goertz (1887 – 1945) aus Schwetz, Westpreußen, später der letzte deutsche Besitzer der Güter Eichmedien, Kreis Sensburg, und Powarben, Kreis Königsberg-Land, war von 1920 bis 1922 Generalbevollmächtigter des Pächters von Langenau und dann bis 1933 selbst Pächter der Domäne. Als Ehrengabe der Provinz Ostpreußen wurde Gut Langenau 1933 dem Reichspräsidenten übereignet. Das Gutshaus aus dem 18. Jh., errichtet um 1740 – 1750 und neogotisch überformt 1862/63, existiert heute nicht mehr.

Die letzte größere Restaurierung der Langenauer Kirche fand zwischen 1934 und 1936 statt, finanziert aus Mitteln der damaligen Besitzer des Landguts von Hindenburg. Abgesehen von der Erneuerung der Turmüberdachung in einer dem Original ähnlichen, jedoch vereinfachten Form, des Umbaus des Eingangs in die Sakristei, des Anbaues südliche Vorhalle mit Eingang in den unter der Kirche untergebrachten Heizungskeller und der Erneuerung von Außen- und Innenputz, wurde das Innere der Kirche gründlich instandgesetzt. Von 1935-36 erfolgte durch den Maler Prof. Ernst Fey aus Berlin-Lichterfelde die Restaurierung (Neu-Ausmalung) der Raumschale. Zwei historische Fotos zeigen, dass die Felderdecke davor monochrom hell gefasst war. Es ist davon auszugehen, dass in dieser Zeit auch die Restaurierung der aufwendig gestalteten Türen vorgenommen wurde. Diese Annahme wird durch erhaltene Archivinformationen über die Erneuerung der Türrahmen unterstützt. Indem man damals die Wappen derer von Hindenburg und derer von Sperling, der Familie, aus der die Frau des Reichspräsidenten stammte, in der Kirche anbrachte, machte man diese für die kurze Zeit bis zum Kriegsende zur „Hindenburg-Gedächtnis-Kirche“.

Im Schloss Langenau war Reichspräsident Paul von Hindenburg ein häufiger Gast, der die Renovierung der Kirche in den 1930er Jahren finanzierte. Die Kirche in Langenau spielte während der Hindenburg-Präsidentschaft die Rolle einer „Kapelle“ für alle, die den Reichspräsidenten besuchten, so dass sie sicher im Hintergrund aller Ereignisse verflochten werden kann. In der Chronik der Schule in Langenau wird über Besuche von Adolf Hitler in Langenau und über seine Teilnahme an den Hindenburg-Totenmessen berichtet.

1945 ging die im Zweiten Weltkrieg unversehrte Kirche in die Hände der Katholiken über und erhielt den Namen „Unbefleckte Empfängnis der Allerheiligsten Jungfrau Maria“. Sie diente zuerst als Filialkirche für die Pfarre in Kisielice (ehem. Freystadt), um daraufhin zur Pfarrkirche zu werden. 1949 wurde die Kirche in das Denkmalregister eingetragen (1973 aktualisiert). Seit 1975 ist die Kirche den pallottinischen Priestern in Posen anvertraut.

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Der Bau ist äußerlich schlicht gestaltet. Das Schiff ist satteldachgedeckt und mit spitzbogigen Fensterlaibungen ausgestattet. Der geostete Chor steht auf polygonalem Grundriss. Die Außenwände der Kirche sind aus Ziegel und Feldstein errichtet. Die Westfassade wird durch den vor den geschweiften Giebel gezogenen Turm mit Spitzhelm und zwei flankierenden viertelkreisförmig heraustretenden Treppentürmen akzentuiert. Die Fassaden sind mit einer Putzquaderung geziert, die nach 1945 nicht mehr instandgesetzt worden war.

Die (neu-) gotischen Fensteröffnungen weisen im Schiffinneren skulpierte polychromierte Spätrenaissance-Fensterrahmungen auf. Auch die hölzernen Außen- und Innentüren sind mit aufwendigem Spätrenaissance-Schmuckdekor versehen. Eine getäfelte Felderdecke mit heraldischem Fries schmückt den Innenraum der Kirche. Die Kanzel entstand wie die beiden Emporen (Nord- und Westempore) mit reich geschnitzter Herrschaftsloge und das Gestühl ab 1601.

Untersuchungen haben ergeben, dass Altar- und Kanzelmalereien aus der Werkstatt von Antonius Möller in Danzig stammen. Es existierte ein interessantes Altarbild von Möller, eine Darstellung des Jüngsten Gerichts, 1601 gemalt, das später durch ein Bild der Muttergottes von Tschenstochau ersetzt wurde. Der Hochaltar trägt noch die deutsche Inschrift „Lobe den Herrn“.

Das Orgelgehäuse aus dem 15. Jh. war stark beschädigt und wurde wohl durch eine schlichtere Gestaltung ersetzt. Die jüngere Orgel selbst ist aber offenbar funktionsfähig.

Die bemalte Decke zeigt ein Feld, das mit einem Wappen besetzt ist, allerdings nicht mit dem Hindenburgischen. Ein anderes Deckenfeld dicht an der Empore beinhaltet noch die Inschriften zum Gedächtnis an den Kirchenpatron Alexander von Polentz und den Reichspräsidenten von Hindenburg mit folgendem Text: „Erbaut 1600 – 1604/ Als Stiftung des Kirchenpatrons Alexander von Polentz/ Wiederhergestellt 1934 – 1936 v. d. Preuss. Staatsbauverwalt./ Dem ruhmreichen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten von Hindenburg zum Gedächtnis“.

Die in der Kirche angebrachten ovalen Gemälde, entstanden zwischen 1599 und 1604, stellen dar: „Auferstehung des Lazarus, Jakobs Kampf mit einem Engel, Anbetung der Könige und Verkauf von Joseph.

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Die Kirche in Langenau ist dadurch, dass sie in ihrem Inneren Erscheinungsbild und Charakter des frühen 17. Jhs. bewahrt hat, ein seltenes Exemplar in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Auch wenn einige Elemente des ursprünglichen Interieurs verlorengingen, ist die Ästhetik des nachprotestantischen Innenraums bis heute erlebbar. Katholische Elemente fügen sich in die vom Anfang des 17. Jhs. überkommene Innenausstattung ein. Ja, es ist in Langenau festzustellen, dass das überkommene protestantische baukulturelle Erbe und ergänzte katholische Ausstattungselemente reibungslos verschmolzen sind. Von der im nordischen Spätrenaissancestil erhaltenen Ausstattung erhalten sind: Hauptaltar (1601), Emporen (frühes 17. Jh.), Kanzel (frühes 17. Jh.), Gestühl (frühes 17. Jh.), Taufbecken (frühes 17. Jh.), Kragsteine westliche und nördliche Vorhalle (frühes 17. Jh.), Polychromie westliche Vorhalle und Westportal (Anfang 17. Jh.), Fensterrahmungen (16. Jh.), Ovalgemälde (Ende 16./Anfang 17. Jh.), Turm- und Sakristeitür (Anfang 17. Jh.).

Witold Iwaszkiewicz, der das Innere der Kirche in Langenau / Łęgówo stilistisch analysierte, achtete besonders auf die Unterscheidung zwischen den ursprünglichen und den späteren Elementen der Ausstattung. Gründer und Schöpfer der Kirche verfolgten das Konzept eines stilistisch homogen gestalteten Innenraums. Dieses spiegelt sich in der bis heute erhaltenen Ausstattung wider, die einheitlich, neben Hauptaltar, Kanzel und Emporen, noch aus Taufbecken, Fensterrahmen, Deckenfries und Türen besteht.

Nach Auffassung von Iwaszkiewicz sind alle Ausstattungselemente durch eine klare stilistische Analogie verbunden, die auf die gleiche Weise ausgedrückt wird, indem dieselben architektonischen und dekorativen Motive verwendet werden. Der Schmuckdekor der Türholzarbeiten wurde auch zur Dekoration steinerner Außenarchitekturflächen verwendet. Es handelt sich um eine der beliebtesten Dekorationstechniken für Türen, die in Platten- und Paneelkonstruktionen hergestellt wurden. Jan Tajchman zufolge war diese Art der Dekoration in Polen bereits in der Zeit der Gotik bekannt. Diese Lösungen wurden in der Renaissance sehr populär. Im Barock und insbesondere im Rokoko führte die Verarbeitung von architektonischen Formkompositionen in der Türschreinerei zu einer gewissen „Raffinesse“, die ihnen eine architektonische Form gab. Wieder einmal wurden die architektonischen Formen recht häufig von den klassizistischen und dann historistischen Holzarbeiten beherrscht, vor allem in der Neorenaissance, seltener in der neobarocken Periode.

 

Außenüren

Einflügelige Außentüren aus Holz mit einer Schlupfklappe. Türflügel und Pforten aus Eichenholz in Riegelbauweise mit architektonischen Elementen an der Außenseite. Pilaster auf hohen Sockeln an der Außenseite der Türblätter. Darüber befindet sich ein gerader, doppelter Sturzbalken mit einem mit Beschlägen versehenen Abschluss. In den mittleren Teil der Türflügel ist eine eine Pforte in Form einer Ädikula mit sich nach unten verjüngenden Pilastern eingeschrieben. Türgriffe sind geschmiedet. Auf der Türinnenseite finden sich geschmiedete Zierscharniere mit S-förmigen Schnurrbärten und zwei Schlössern. Die größere auf dem Tor in Form eines liegenden Rechtecks mit drei geraden Seiten und eine in Form eines konkav-konvexen Bogens. Das kleinere Schloss auf dem Flügel, besitzt quadratische Form und einen Riegel. Die Türen präsentierten sich vor Restaurierung außenseitig ockerfarben gestrichen.

 

Innentüren

Auch die Innentüren sind einflügelig und mit Schlupftür, aus Eichenholz in Riegelbauweise geschaffen. Auf der Seite zum Kirchenschiff: stilisierte Scharniere mit pfeilförmigen Enden. Auf der Pforte ein durchbrochener Griff mit zwei Schilden aus sechs Blättern mit dreiteiligen, scharf geschlossenen Spitzen. Die Türen sind dunkelbraun.

 

Fensterumrahmung

Die hölzernen und polychromen Fensterrahmen bestehen aus drei verschiedenen architektonischen Zonen. Im unteren Teil ein profilierter Fries mit Schwelle und Schürze, verziert mit Beschlägen und Volutenornamenten. Darüber sind die Ecken der Fensteröffnungen mit einer Dekoration versehen, die in ihrer Form an Pilaster auf hohen Sockeln erinnert, die mit profilierten Leisten und Beschlagsornamenten verziert sind. Die Ebenen der Laibungen sind in Felder in Form von stehenden Rechtecken mit Rustizierung dazwischen unterteilt. In den Feldern Cabochons, umgeben von flachen Zwingenornamenten. Pilasterköpfe profiliert. Seitenteile der zweiten Zone mit gekrümmt geschnittenen, symmetrischen Ohren. Ihre Außenkanten sind mit einem breiten Band akzentuiert, das die Schnittlinie wiederholt. Die Fensterrahmen sind mit einem Spitzbogen versehen, der am Scheitelpunkt von einem Schlussstein akzentuiert wird. Die Seitenpartien der Fensterumrahmung sind durch rustizierte Zier gegliedert. Den Bogenfuß zieren Voluten.

Bei den zwei Fensterumrahmungen der Kirchenschiff-Nordseite, an denen 2021 Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten vorgenommen wurden, ist festzustellen, dass diese sich in ihrer Form von den im Kirchenschiff befindlichen Ausstattungselemenen unterscheiden. Die wichtigsten Änderungen betreffen den ersten Rahmen auf der Westseite, d.h. es gibt weniger Felder in den Laibungen (3 Felder), am Saum der Laibungen auf der Wand (keine Verzierung in Form von Cabochons in den oberen und unteren Feldern, es gibt keinen profilierten Fries und keine Schürze mit Zwingen- und Volutenverzierung, die Ohrungen sind kleiner und nicht symmetrisch. Bei der zweiten Fensterumrahmung wurden Fries und Schürze um etwa 2/3 ihrer Länge gekürzt, da sie unnmittelbar an der Emporenbrüstung platziert wurde.

Die Oberfläche der Fensterumrahmungen ist lackiert. Hintergründe und Ohrungen sind mit rot-schwarzer Marmorierung und weißer Glasur gefasst, plastische Ornamente und Bänder an Ohrungen in gebrochenem Weiß gehalten, andere Elemente der architektonischen Dekoration (Voluten, Rustizierungen, Leisten, Zierfelder) in gebrochenen Weiß- und Ockertönen.

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Die Außenfassade war zuletzt sehr schadhaft geworden. Vom hohlliegenden Außenputz fielen Fragmente ab. Durch die Feuchtigkeit in den Außenwänden drohten Kurzschlüsse in der Gebäudeelektrik, was zu einem Brand hätte führen können. Darüber hinaus drohten das wertvolle Holzmobiliar und die Wand- und Deckenmalereien durch feuchte Wände in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Der nach 1945 nicht mehr umfassend instand gesetzte Außenputz wies eine Reihe unfachmännischer Zement-Reparaturen, Risse und Beschädigungen auf. Dach- und Fensterentwässerung waren nicht mehr funktionstüchtig.

Sodann bedürfen die aufwendig gestalteten hölzernen Außentüren noch der Aufarbeitung und ebenfalls die opulenten Fensterschmuckrahmen im Innenraum. Der hölzerne Schalldeckel der Spätrenaissance-Kanzel ist schon vor längerer Zeit abgefallen, so dass nur mehr wenige Fragmente existieren. Der Kanzelkorb ist restaurierungsbedürftig, ebenso der Altar und der partiell recht uneben gewordene Ziegelfußboden, der infolgedessen für Besucher zur Stolperfalle werden kann.

 

Schadensbild Türen und Fensterumrahmungen

Materialabhängige und äußere Schadensursachen

Nach der Erkennung der Herstellungstechnik (Konstruktion, Dekoration, Material) der Türen und Fensterrahmungen wurde festgestellt, dass die daran sichtbaren Schäden durch innere und äußere Gründe verursacht werden. Ursachen ergeben sich aus den verwendeten Materialien, der Konstruktion und den dekorativen Lösungen sowie durch natürliche Faktoren, die langfristig auf die Objekte einwirken. Eine andere Gruppe von Schäden hat ihren Ursprung in direkter menschlicher Aktivität und steht im Zusammenhang mit der Nutzung, Reparatur- und Renovierungsarbeiten oder absichtlichen Zerstörungen.

Außen- und Innentüren

Der gute Erhaltungszustand der einzelnen Elemente ist charakteristisch für die Konstruktion der Holzarbeiten. Die angebrachten Fugen und ihre Holzstruktur haben keine größeren Schäden erlitten. Die einzigen Ausnahmen sind die Stellen, an denen die Türschwellen mit den Laibungsteilen verbunden wurden. Unterschiedliche Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen führten vor allem zum Quellen und Schwinden des Holzes. Das Ergebnis ist das Auftreten zahlreicher Risse, langer vertikaler Streifen und, in den Bereichen der Flockmaserung, eine strukturelle Delaminierung des Holzes an allen Bestandselementen. Bei den Außentüren ist ein größerer Teil der Holzkorrosion auf die Witterung zurückzuführen, die zu einer direkten Aufnahme von Wasser und Feuchtigkeit führt, insbesondere an Stellen, die nicht durch Farbschichten geschützt sind. In Verbindung mit dem natürlichen Alterungsprozess wurde die Oberfläche des Holzes aschgrau, poröser und anfälliger für Schäden. Infolgedessen wurde die geschwächte Struktur des Materials nach und nach durch Regen und Wind abgetragen.

Die erhöhte relative Luftfeuchtigkeit im gesamten Kircheninnenraum führte auch zu einer erhöhten Aktivität von Mikroorganismen wie Hausklopferlarven, Bakterien und Schimmelpilzen. Infolge physikalischer und biologischer Faktoren wurde das Holz der unteren Teile der Außentür zerstört, wo die so genannte Holzfäule (Muck) auftrat. Der Fraß von Insektenlarven konnte im Splintholz der Eiche und in den sekundären Elementen aus Kiefer und Birke beobachtet werden.

Ungünstige mikroklimatische Bedingungen führten auch zu Schäden an den Schutz- und Deckschichten. Der fragmentarisch erhaltene Originallack zeichnet sich durch Brüchigkeit und dunkle Färbung aus. Sekundäre Farb- und Lackschichten (Innentüren) sind rissig, abgeblättert und verfärbt. Die ursprünglichen und sekundären Metallelemente (Nägel, Schrauben, Schlösser und Scharniere) sind ebenfalls vom allmählichen Verfall betroffen. Reichlich vorhandene Korrosionsprodukte haben die Struktur und die chemischen Eigenschaften des Holzes verändert und zu Verfärbungen geführt.

Neben den physikalischen Faktoren gibt es eine weitere Gruppe von Schäden, die auf direkte menschliche Aktivitäten zurückzuführen sind. Der Gebrauch der Gegenstände hat im Laufe der Jahre zu zahlreichen Verschmutzungen, Dellen, Holz- und Metalldefekten, Kratzern und Abschürfungen der Farb- und Lackschicht geführt. Mechanische Schäden betreffen insbesondere Zierleisten, architektonische Motive, Schwellen und Schlösser. Außerdem fehlt ein Teil der Holzornamente oder ist beschädigt:

1) Fuß, Sockel, Schaft des linken Pilasters (Türflügel) – äußere Holzarbeiten, Westseite,

2) Fuß des rechten Pilasters (Türflügel) – Außenholzarbeiten, Westseite,

3) quadratische Applikation auf Pilastern (Türblatt) – Außenholzarbeiten, Westseite,

4) zentrale Verzierung auf dem Tor, zwischen den Pilastern – Außenschreinerei, Westseite,

5) Untere Brüstung – Außentischlerei, Westseite,

6) Fuß und Sockel des linken Pilasters (Türblatt) – Außenhölzer, Südseite,

7) Unteres Fragment des Sockels des rechten Pilasters (Türblatt) – Außenhölzer, Südseite,

8) quadratische Applikation auf dem rechten Pilaster (Türblatt) – Außentäfelung, Südseite,

9) linker Pilaster an der Pforte – Außenholzarbeiten, Südseite,

10) Unterer Teil des Abschlusses der Pforte – Außentäfelung, Südseite,

11) zentrale Verzierung an der Pforte, zwischen den Pilastern – Außenhölzer, Südseite,

12) Tropfkappen – Außenschreinerei, Südseite

13) Tropfleiste – Innentischlerei, Westseite,

14) Schlüssel – Außenschreinerei, West- und Südseite

Ein anderes Thema sind die Schäden, die durch Reparaturen und Renovierungen entstanden sind, bei denen die historische Substanz gestört und die ursprünglichen baulichen, funktionalen und dekorativen Lösungen verändert wurden. Die gesamte Außentischlerei wurde strukturell und funktionell verändert:

1) fehlende Möglichkeit, die Tür zu öffnen – äußere Holzkonstruktion, Westseite,

2) Unmöglichkeit, den gesamten Flügel zu öffnen – Außenschreinerei, Südseite,

3) nicht korrekt ausgeführtes Fragment eines Plattenelements am Tor (Höhenunterschied) – Außenschreinerei, Südseite

4) Änderung der Verbindung von Schwellen mit Türblättern – Außenschreinerei,

5) Einbau eines modernen Schlosses – Außenschreinerei, Südseite

6) Einbau eines Türschließers – Außenschreinerei, Westseite

7) Abdichtung der Türblätter mit genagelten Blechen und Brettern – Außenschreinerei, West- und Südseite,

8) Anbringung von Abdeckplatten in Höhe der ursprünglichen Schlösser – Außenschreinerei, West- und Südseite

9) Einbau eines Griffs in den Mechanismus des Kastenschlosses – Außenschreinerei, Südseite.

Die Veränderungen in den Teilen der architektonischen Dekoration sind auf die Verwendung von falschem Material (Kiefer, Birke) für die Reparaturen zurückzuführen. Außerdem sind die restaurierten Elemente durch große Nachlässigkeit in der Ausführung gekennzeichnet (fehlende Proportionen, falsche Formen im Vergleich zum Original).

Auch Reparaturen oder Renovierungen der Oberflächen führten zu irreversiblen Schäden. In diesem Zusammenhang sind alle Arten von falsch ausgeführten Restaurierungen (Ungleichmäßigkeit des Faserverlaufs, Auswahl des falschen Materials, übermäßige Geometrisierung von Fehlstellen), Abschleifen (Verringerung der Materialstärke, Entstehung von Längs- und Querkratzern, Bildung von Flecken auf dem Holz), Ausgleichen der Oberflächen mit Holzkitt oder wiederholtes Nachstreichen mit Ölfarben zu behandeln.

Fensterumrahmungen

Der Erhaltungszustand der Fensterrahmen wurde vor allem durch undichte Fenster und schnelle Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit im Inneren der Kirche beeinflusst. Hohe Feuchtigkeit trat in den Fensterlaibungen auf, wo das Holz dem direkten Kontakt mit eindringendem Regenwasser ausgesetzt war, was zu Beeinträchtigungen des Materials bis hin zu Verformungen führte. Die daraus resultierenden Spannungen führten zu Rissen und Ablösungen sowohl in der Struktur- als auch in der Dekorschicht. Außerdem lösten sich aufgrund der oben genannten Faktoren und des Verlusts der Klebeeigenschaften des Knochenklebers die Verkleidung an vielen Stellen, und die Profile und Anwendungen lösten sich. Die erhöhte Feuchtigkeit im Holz förderte auch das Wachstum von Schimmelpilzen und Holzbohrschädlingen. Die infizierten Teile verloren allmählich ihre Festigkeit und wurden anfällig für mechanische Schäden.

Die überdimensionierten Holzarbeiten wirkten sich u.a, negativ auf den Erhaltungszustand der Farbschichten aus, die rissig wurden, ihre Haftung am Untergrund verloren und auszufließen begannen. Umfangreiche Mängel traten an den Teilen der Tischlerdekoration, an den Ohrungen und an den Fensterrahmen auf. Die am stärksten beschädigten Teile waren jedoch die vergoldeten Elemente, die nur noch in Resten erhalten sind.

Wie bei den Türen gibt es weitere Schäden, die mit der Nutzung und den durchgeführten Reparaturen und Renovierungen zusammenhängen. Alle in die Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten einbezogenen Rahmen weisen Spuren von Eingriffen in die historische Substanz auf, bei denen unter anderem ein Teil der Profilleisten und Applikationen ersetzt und der Malereidekor aufgefrischt wurde. Sondierungsuntersuchungen ergaben, dass die Rahmen mehrmals in ähnlichen Farben wie das Original übermalt wurden. Leider wurden diese Arbeiten ohne Rücksicht auf die ursprüngliche Technik und Technologie durchgeführt, was den ästhetischen Wert erheblich minderte. Die Anstriche wurden nachlässig aufgetragen, ohne dass die darunter liegenden Schichten gereinigt oder ergänzt worden wären. Die vergoldeten Teile wurden nicht rekonstruiert, sondern nur mit gelber Farbe überstrichen. Darüber hinaus hat die Oberfläche der Rahmen im Laufe der Jahre zahlreiche Abschürfungen, Kratzer, Dellen und Verschmutzungen entwickelt.

 

Technologie und Technik

Außen- und Innentüren. Zusammenfassung von Primär- und Sekundärmaterial

Primäre Materialien

– Eichenholz,

– Scharniere, Schlösser, Beschläge: legierter Stahl, geschmiedet,

– Stahlnägel, handgeschmiedet,

– Leinölfirnis.

Sekundäre Materialien:

– Kiefer und Hartholzeinlagen (Eiche, Birke),

– Eisenwaren, Eisennägel und Schrauben,

– Ölgrundierungen, Öl- und Kreidespachtel,

– Ölfarben, Emulsionsfarben,

– Harz-Lackierung

 

Außen- und Innentüren. Technik und Analyse der Primärschichten

Alle Tischlerarbeiten wurden aus Eichenholz in Brett- und Riegelbauweise ausgeführt. Die Blätter wurden durch die Aneinanderreihung von vertikal nebeneinander angeordneten Plankenelementen gefügt. Für die Verbindung der Bohlen untereinander wurde eine Trapezleiste verwendet, die quer in die in die Oberfläche der senkrecht stehenden Bohlenelemente geschnittenen Längsnuten eingesetzt wurde. Die Türlaibungen wurden auf die gleiche Weise gebaut. Die Verwendung einer solchen konstruktiven Lösung ermöglichte es, das Holz ohne Verziehen zu bearbeiten. Die Türen werden an Scharnieren mit Haken (drei Scharniere pro Flügel) eingehängt. An der Stelle, an der die Türflügel auf die Schlupfpforte treffen, werden die Scharniere in Zapfenscharniere umgewandelt.

Die Tischlerdekoration an den Außentüren wurde durch die Verkleidung der Türebenen mit Brettern und Fälzelementen in architektonischen Formen erzielt. Alle Komponenten der Zusammensetzung sind mit der Hauptstruktur der Tür mit Nägeln verbunden. Die Tür ist vollständig mit Leinölfirnis überzogen.

 

Außen- und Innentüren. Technik und Analyse von Sekundärschichten

Die Veränderungen, die in den aufeinanderfolgenden chronologischen Phasen an den Außentüren vorgenommen wurden, standen im Zusammenhang mit der Zerstörung und den Schäden an der Holzstruktur und der Deckschicht. Beschädigte Elemente der Tischlerdekoration wurden durch neue Bauteile ersetzt oder repariert (Ergänzungen aus massivem Kiefern-, Eichen- und Birkenholz wurden mit Leim, Schrauben und Nägeln befestigt). Bei den Außen- und Innenverkleidungen wurden Oberflächenfehlstellen mit Eichenholzeinlagen in Hohlkörperintarsientechnik aufgefüllt. Kleinere Holzschäden wurden mit Öl- und Kalkspachtel bearbeitet. Renovierungen von Farbschichten an den Türen wurden nachlässig durchgeführt, ohne die Oberfläche vor dem nächsten Anstrich zu reinigen und zu glätten. Alle Übermalungen sind einfarbig und haben einen fettigen Farbcharakter. Sie enthalten ein Ölbindemittel und wahrscheinlich Chrompigmente, was auf eine viel spätere Entstehungszeit hindeutet.

 

Fensterrahmen. Zusammenfassung Primär- und Sekundärmaterial

Primäre Materialien:

– Hartholz (wahrscheinlich Birke und Linde), Kiefernholz,

– klebriger Leim,

– Kreide-Kleber-Mörtel,

– gelber Bolus,

– Blattgold,

– wahrscheinlich Temperamalerei,

– Knochenleim,

– geschmiedete Stahlnägel.

Sekundäre Materialien:

– Einsätze aus Kiefernholz,

– Ölfarben,

– moderne Nägel.

 

Fensterrahmen. Technik und Analyse der ursprünglichen Schichten

Die Fensteröffnungen wurden von hölzernen, polychromen und vergoldeten Rahmen umgeben. Ihre Form bezieht sich auf die Umrahmung. Was die Schreinertechnik betrifft, so bilden sie eine Art Verkleidung, die auf in die Wände eingelassene Eichenbalken genagelt ist. Die unteren Friese und Schürzen sind aus einzelnen, horizontal angeordneten Plattenelementen gefertigt. Das Profil in den Friesen wird direkt in das Plattenmassiv eingearbeitet. Die Verzierungen der Schürzen wurden durch Aufkleben von Schnittmustern hergestellt, die die geschwungene Form der Außenkanten der Bretter wiederholten und geschnitzt wurden. Die vertikalen Elemente, die Pilaster imitieren, wurden aus zwei langen Plattenelementen mit längs verlaufenden Wandeckverbindungen mit nicht profilierten Noppenstößen hergestellt. Die dekorativen Motive und die Aufteilung der Flächen wurden durch das Einschneiden von Mustern direkt in die Holzstruktur (Beschlagsornamentik) und durch das Verkleben von Applikationen und Profilen erzielt, die zusätzlich mit Dübeln auf dem Untergrund befestigt wurden. Die bogenförmig geschnittenen Ohrungen wurden aus quer verleimten Brettern hergestellt. Die Endstücke wurden durch die Verkleidung der tragenden Balken mit unterschiedlich dicken Bretterelementen geschaffen. Jedes zweite Element wird durch geschnitzte Verzierungen in Form von Rustizierungen akzentuiert. Für die Verbindung aller Bretter mit den Balken wurden geschmiedete Nägel verwendet. Die Voluten sind geschnitzt.

Für die Rahmenbekrönung wurden die folgenden Holzarten verwendet:

– Hartholz (Birke oder Linde): Untere Friese, Schürzen, Schächte, Applikationen und Leisten,

– Nadelholz (Kiefer): Ohrungen,

– Eichenholz: Konstruktionsbalken, einige Plattenelemente in den Endstücken.

Bei der Analyse der Rahmen wurde festgestellt, dass sie nach der Herstellung der einzelnen Teile mit Malereien und Vergoldungen versehen und dann zusammengesetzt wurden. Die vergoldeten Teile wurden mit Klebeleim geklebt und mit einer dünnen Schicht Kreideleim überstrichen. Die glatte Oberfläche wurde dann abgeschliffen und mit mehreren Schichten gelben Bolus überzogen, auf den Goldplättchen aufgetragen wurden. Der letzte Schritt war das Polieren mit Achaten. Für die Malschicht wurde die Tempera-Technik verwendet. Die Ornamente und die marmorierten Hintergründe wurden flach mit einem sichtbaren Pinselstrich gemalt, während die Adern mit Impasto gemalt wurden.

 

Fensterrahmen. Technik und Analyse von Sekundärschichten

Die Analyse des Erhaltungszustandes ergab, dass die Fensterrahmen im Laufe der Jahre mehrfach renoviert wurden. Alle Tischlerarbeiten wurden mit Kiefernholz und Knochenleim ausgeführt. Stahlnägel mit rundem Kopf wurden auch zur Befestigung einiger Profile und Anwendungen verwendet. Auf der ursprünglichen Bemalung und Vergoldung wurden drei Ölübermalungen festgestellt.

Die Schicht aus der dritten chronologischen Phase zeichnet sich durch die größte Dicke und gut sichtbare Pinselstriche aus.

Ausklappen/Einklappen

Die gesamte 2020 ausgeführte Außenfassadeninstandsetzungsmaßnahme inkl. restliche Fenstersanierung hatte ein Baukostenvolumen von 349.187,64 PLN (78.000 EUR). Bearbeitet wurden alle vier Außenwände von Schiff und Turm. Fördergeber waren, neben der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz mit Mitteln der Beauftragten für Kultur und Medien, das Polnische Ministerium für das Nationalerbe, die Stadt Freystadt / Kisielice und das Dorf Langenau / Łegowo. Dazu kamen Eigenmittel der Kirchengemeinde Langenau.

Das vom Denkmalamt der Woiwodschaft Ermland-Masuren genehmigte Maßnahmenprogramm beinhaltete zunächst  die sorgfältige Abnahme des denkmalunverträglichen Zement-Außenputzes. Der Sekundärputz war vermutlich bei der großen
Renovierung in den 1930er Jahren oder noch später aufgebracht worden. Sodann erfolgte die Reinigung der Oberfläche des Mauerwerks. Tiefe Risse im Mauerwerk wurden mit spiralförmigen, hochfesten Stahlankern geschlossen, die mit Epoxidharz nach den Anweisungen des Herstellers befestigt wurden. Erhaltene historische Putzbereiche wurden mit Remmers Funcosil KSE 300 strukturell gefestigt und die Oberfläche mit Bürsten gereinigt. Anschließend wurden die fehlenden Fragmente mit einem Kalk-Sand-Putz ergänzt, der in Zusammensetzung und Körnung dem Original entspricht. Fehlende Putzgliederungszonen wurden mit einem strukturierten Kalk-Trass-Putz wiederhergestellt, der die Rustizierung nachbildet, mit mit glatten Fugen, die in der Breite und Tiefe dem Original entsprechen.

Und schließlich wurde ein weißer Außenwand-Silikatanstrich mit Erdpigmenten in der Tonung entsprechend den Farbfassungs-Befunden aufgebracht. Außerdem wurden an allen Fensterbänken und am Gesims über dem östlichen Eingang neue Blechabdeckungen angebracht und am Turm in die Schallarkaden (Glockenebene) neue Fensterläden eingebaut. Außerdem wurden der Sockel saniert und mit einem Sperrputz gegen aufsteigende Feuchtigkeit versehen und zur Ableitung des Regenwassers eine neue Ringdrainage mit 2 % Gefälle und Traufpflaster installiert. Auf der Nordseite fließt das Regenwasser jetzt auch von den Wänden weg in eine saugfähige Mulde ab.

Die Förderung der DPS mit Bundesmitteln konzentrierte dabei auf die Teilleistungen händischer Auftrag Flächen-Putzquaderung (Oberputz zweifach grundiert), Anlegung Gesimsputzprofile inkl. Farbgebung, Metallabblechung kleiner Fenster und anderer Fassadenelemente wie Gesimse und Neuanstrich Fassadenflächen (zweifacher Anstrich). Beauftragt mit der Ausführung des Bauabschnitts 2020 wurde die Baufirma Usługi Ogólnobudowlane i Brukarskie Krzysztof Katan aus Freystadt / Kisielice und damit ganz im Sinne der DPS eine geeignete lokale Firma, denn die Stiftung will das lokale und regionale Bauhandwerk bei ihren Projekten fördern. Die Realisierung der kompletten Außenfassadeninstandsetzung einschließlich Turm erfolgte Sommer bis Frühherbst 2020. Die Arbeiten wurden von einem Vertreter der Außenstelle Elbing / Elbląg des Woiwodschaftsdenkmalamts in Allenstein / Olsztyn am 15. Oktober 2020 offiziell mängelfrei abgenommen.

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Zweck und Ziele der Erhaltung und Restaurierung

Die ursprüngliche Ausstattung der Kirche in Langenau, einschließlich der Tür- und Fensterrahmen, gehört zweifellos zu den seltenen dieser Art auf dem Gebiet des ehemaligen Preußens. Bis heute spielen sie eine sehr wichtige Rolle im Innenraum der Kirche, da sie dessen Erscheinungsbild akzentuieren. Daher besteht das Hauptziel der Arbeiten darin, den Prozess der Zerstörung der historischen Substanz zu stoppen und anschließend ihren vollen funktionalen und ästhetischen Wert wiederherzustellen. An dieser Stelle wird darauf geachtet, dass die Bearbeitung der Ausstattung die Merkmale des Denkmals aus dem 17. Jahrhundert nicht beseitigen oder abschwächen darf. Um die oben genannten Ziele zu erreichen, müssen Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden, die sowohl die Struktur als auch die Dekoration, den Deckanstrich und andere Elemente betreffen. Oberstes Ziel bei allen Behandlungen ist der Schutz der historischen Substanz und deren Maximalerhalt. Den Anfang der Restaurierung der wertvollen historischen Holzausstattung machte die Etappe 2021, die die Bearbeitung der Außentüren Süd und West sowie der beiden innenseitig angeordneten Schmuckrahmen der Fenster in der nördlichen Außenwand des Kirchenschiffs zum Inhalt hatte. Ausführende Restauratoren waren  Piotr Trybuszewski (die beiden Türen) und Dagmara Kończalska (die beiden Fensterumrahmungen), aus Chełmża (Kulmsee), Wojwodschaft Kujawien-Pommern, die als Sieger aus einem beschränkten Wettbewerb hervorgingen. Finanziert wurde Etappe 2021 mit einer Zuwendung der Beauftragten für Kultur und Medien der deutschen Bundesregierung (BKM) und Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) als Maßnahmenträger für die Bundesmittel sowie Polnisches Ministerium für das Nationalerbe und Eigenmittel Denkmaleigentümer.

 

Verlauf der Konservierung und Restaurierung:

Außentüren

1) Erstellung einer ersten fotografischen und beschreibenden Dokumentation,

2) Herstellung provisorischer Ersatztüren,

3) Reinigung der Türoberflächen von Schmutz und Staub mit Bürsten und Borsten,

4) Demontage der Türblätter, Montage der neuen Holzteile und Transport der Objekte in die Restaurierungswerkstatt,

5) Desinfektion und Entwesung der Objekte mit flüssigen und gasförmigen Bioziden (Per-xil)

6) Demontage von Nebenbeschlägen und Schlössern,

7) Entfernung von Sekundärnägeln und Schrauben,

8) Demontage von beschädigten und falsch angebrachten Schwellen,

9) Demontage loser geschreinerter Elemente und architektonischer Dekoration,

10) Prüfung der Entfernung von sekundären Farb- und Mörtelschichten, Durchführung der Behandlung (thermische und chemische Methoden – Remosol Farb- und Lackentfernungspaste, Aceton und Ethylalkohol),

11) Beseitigung fehlerhafter Schreinerarbeiten, die bei früheren Reparaturen vorgenommen wurden,

12) Holzverstärkende Imprägnierung mit 10-15%iger Lösung von Paraloid B-72 in Toluol,

13) Restaurierung von Schreinerarbeiten und architektonischer Dekoration (Eichenholz, Epoxidharzkleber),

14) Einbau und Verstärkung von Schwellenfugen,

15) Füllen von Holzschäden, Rissen und Spalten (Eichenholz, Leim und Kitt auf Epoxidharzbasis, kleine Risse – Syntilor Holzkitt)

16) Einmischen der Farben (die fertigen Holzeinlagen wurden mit in Ethanol aufgelösten Pulverbeizen und Nitrobeizen gemischt),

17) Schutz der Oberfläche mit Schichten von CapaWood Oil in farbloser Farbe,

18) Reparatur von beschädigten Schlossmechanismen und Anfertigung von Schlüsseln,

19) Reparatur von Schlossgehäusen,

20) Rekonstruktion der Befestigungsstifte mit Keilen,

21) Reinigung und Schutz der Oberflächen von Schlössern und Beschlägen (Rostentferner, Aceton, Ethylalkohol, Messing- und Stahlbürsten, Starwax-Restaurierungspaste),

22) Einbau von Schlössern,

23) Austausch eines modernen Schlosses,

24) Einbau Türblätter,

25) Erstellung einer vollständigen Dokumentation der Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten.

 

Fensterschmuckrahmen innenseitig

1) Erstellung einer ersten fotografischen und beschreibenden Dokumentation,

2) Sicherung der abgetrennten Fragmente der Polychromie mit Mörtel für die Zeit der Demontage und des Transports,

3) Demontage der Fensterrahmen und Transport der Rahmen in die Restaurierungswerkstatt

4) Desinfektion und Desinfizierung Rahmen und Trägerschicht mit flüssigen und gasförmigen Bioziden (Per-xil),

5) detaillierte Freilegungen in den Farbschichten vornehmen,

6) Durchführung von Versuchen zur Entfernung von Oberflächenverschmutzungen auf der Vorder- und Rückseite, Auswahl der Methode und Durchführung der Behandlung (Ethylalkohol, Waschbenzin)

7) Beobachtung von Objektteilen unter Vis-Licht (diffuses, seitliches und durchscheinendes Licht), Reflektographie unter UV-Licht, Analyse der Ergebnisse und Ziehen von Schlussfolgerungen, Durchführung von Versuchen zur Entfernung von Übermalungen, Auswahl der Methode und Durchführung der Behandlung (Remosol Farb- und Lackentferner, Aceton),

8) Entfernung von Sekundärnägeln und -schrauben und unsachgemäß hergestellten Schreinereinlagen,

9) Entfernung von unsachgemäß angebrachten Ergänzungen der Schreinerdekoration,

10) Imprägnierung von durch Insekten beschädigten Holzteilen mit einer 10-15%igen Lösung von Paraloid B-72 in Toluol,

11) Ausbessern von Konstruktionsfugen bei Schreinerarbeiten: Verleimen von Fugen und Ausfüllen von fehlenden, nicht profilierten Dübelverbindungen mit Knochenleim und Dübeln aus Hartholz

12) Verkleben und Ergänzen von fehlenden Tischlerelementen und architektonischen Verzierungen,

13) Füllen von Holzhohlräumen mit Epoxidharzkitt oder Syntilor-Holzkitt.

14) Ausfüllen der Fehlstellen Tragschicht mit Kreide-Kleber-Mörtel unter den vergoldeten Teilen,

15) Auftragen mehrerer Schichten von gelbem Bolus,

16) Aufbringen von Goldplättchen und Polieren,

17) Schutz der ursprünglichen Malschicht mit Acryl-Retuschierlack Amsterdam Lack Nr. 114 mit Petroleumspiritus im Verhältnis 1:1,5,

18) Ausfüllen von Fehlstellen in der ursprünglichen Malschicht mit Hilfe der Strichritzmethode auf der Untermalung mit Temperafarben von Karmanski und Talens,

19) Schutz der Polychromie mit mattem Endlack Nr. 003 von Talens.

20) Transport der fertigen Elemente in die Kirche und Anbringung der Objekte.

 

Empfehlungen für nachhaltige Wartung der restaurierten Ausstattungselemente

Die Reinigung der Oberflächen sollte nur mit trockenen Baumwolltüchern oder elektrostatischen Besen erfolgen. Auf keinen Fall dürfen dafür Wasser oder andere Reinigungsmittel verwendet werden. Andernfalls wird die Farb- und Vergoldungsschicht abgewaschen und der Lack verblasst. Bei den Türen wird empfohlen, die Oberfläche alle drei Jahre zu ölen. Vor dieser Behandlung sollte die Oberfläche mit Ethylalkohol von Staub und Schmutz gereinigt werden.

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Pallottiner und Kirchengemeinde wollen möglichst die Restaurierung der wertvollen Holzausstattung der Kirche 2022 fortsetzen (restliche Türen, Fensterschmuckrahmen) und falls finanzierbar von Kanzel und Altar sowie die Reparatur des Ziegelfußbodens angehen. Nachdem sie vom Polnischen Ministerium für das Nationalerbe erneut eine Fördersumme bewilligt bekommen haben (wenn auch weniger als für 2022 beantragt) hoffen sie auch auf nochmalige Unterstützung von deutscher Seite. Die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz freut sich daher über zweckgebundene Spenden zur Erhaltung der Dorfkirche Langenau / Łęgówo als am Rand des ehemaligen Westpreußens gelegenes, heute von Polen bewahrtes Kulturerbe mit deutscher Vergangenheit. Ihre Spende nimmt die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz auf Ihrem Spendenkonto entgegen: Deutsche Bank AG Filiale Görlitz IBAN: DE 80 8707 0024 0823 3660 00, BIC/SWIFT-Code: DEUTDEDBCHE (Kennwort – Dorfkirche Langenau. Spendenbescheinigung wird gerne ausgestellt).

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  • Ausführende Baufirma betreffend Etappe 2020: Usługi Ogólnobudowlane i Brukarskie Krzysztof Katan, PL – 14-220 Kisielice (Freystadt)
  • Ausführende Restauratoren betreffend Etappe 2021: Fa. Konserwacja Mebli i Stolarki Zabytkowej Piotr Trybuszewski und Fa. Konserwacja Zabytków Dagmara Kończalska, PL – 87-140 Chełmża (Kulmsee)
  • Fachliche Betreuung für DPS: Dr. Joanna M. Arszyńska, Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń (Thorn), Abteilung für Konservierung und Restaurierung von Gemälden und polychromen Skulpturen
  • Fachliche Kontrolle: Wojewódzki Urząd Ochrony Zabytków w Olsztynie (WUOZ, Denkmalamt der Woiwodschaft Ermland-Masuren, Allenstein)
  • Bauherr: Polnische Provinz von der Verkündigung des Herrn in der Gesellschaft des katholischen Apostolates (Pallottiner), PL – 60-357 Poznań (Posen)– vertreten durch Ks. Piotr Ramusiewicz Pfarrer SAC, Parafia pw. Niepokalnego Poczęcia NMP w Łęgowie, Łęgowo 119, PL – 14-220 Kisielice (Freystadt)
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